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22. Februar 2016

Sternmarsch

"Lichter für Syrien": 150 Menschen demonstrieren für den Frieden

Lichter bei Wind und Wetter: Beim Sternmarsch „Lichter für Syrien“ setzen 150 Menschen ein Zeichen für den Frieden in Syrien.

  1. Sternmarsch auf die Brücke: Helfer und Flüchtlingen vom Rieselfeld, Mundenhof und Haid. Foto: Rita Eggstein

Pfarrerin Angelika Büchelin steht am Samstag kurz vor 18 Uhr im Hof der Flüchtlingsunterkunft im Dietenbachpark. Hier soll gleich ein Friedensmarsch für Syrien starten, ein paar Menschen sind schon aufgetaucht. "Das war schon eine ziemlich kurzfristige Aktion", sagt sie. Erst vor zwei Wochen hatte sie von der bundesweiten Aktion "Lichter für Syrien" erfahren. In diesem Rahmen sollen an diesem Tag um 18 Uhr über all in Deutschland ganz unterschiedliche Lichteraktionen stattfinden.

"Ich habe dann festgestellt, dass in Freiburg niemand etwas organisiert hat", erzählt die engagierte Christin, "das hätte ich aber sehr schade gefunden." Also hat sie selbst etwas auf die Beine gestellt, ihre gesamten Verteiler und Mitstreiter in der Gemeinde aktiviert. "Jetzt werden wir sehen was passiert", lächelt sie. Marlene Späth und Kevin Michael Schwenk aus Büchelins Konfirmandengruppe sind schon eine Weile da und nutzen die Zeit, um Zettel mit Terminen in arabischer Sprache an die Flüchtlinge zu verteilen, "Für uns ist das keine Pflichtübung", sagt Marlene. Die beiden kommen jeden Freitag hier her, um mit den Bewohnern der Unterkunft zu spielen, zu reden und zu essen.

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Inzwischen hat sich in einer windstillen Ecke der Posaunenchor der Pfarrgemeinde Südwest formiert und auch Theodor Ziegler hat Gitarre und Verstärkeranlage klargemacht. So langsam strömen immer mehr Menschen in den Hof. Gundel Kania gibt gut gelaunt Teelichter in Gläsern aus. Ali Amareen, Khaled Almsullum und Mohammed Aljasem, alle drei aus Syrien, haben ihre Liedblätter um die Gläschen gelegt, der Wind bläst sonst die Kerzen immer wieder aus. Die drei sind zusammen mit Andrea Weber aus Opfingen gekommen. Seit fünf Monaten leben sie in der dortigen Flüchtlingsunterkunft.

Für sie ist es wichtig dabei zu sein. "Wir telefonieren einmal in der Woche mit unseren Familien zu Hause", erzählt Khaled Almsullum. Sie hören aktuell vor allem davon, dass jetzt die Russen Bomben werfen. "Zuletzt habe ich erfahren, dass ein Cousin von mir getötet wurde, ein anderer hat sein Bein verloren", berichtet Ali Amareen. Alle drei haben im Krieg Angehörige und Freunde verloren.

Inzwischen ist der Hof gut gefüllt. Der Posaunenchor hat gespielt und Theodor Ziegler stimmt die bekannten Friedenslieder an: "Sag mir, wo die Blumen sind". Dann kommt die Nachricht, dass die Gruppen von den Flüchtlingsunterkünften am Mundenhof und auf der Haid kurz vor dem Mundenhofsteg sind. Die Gruppe macht sich auf den Weg. Friedensfahnen flattern in Wind und Regen. Auf dem Steg sind am Ende an die 150 Menschen zusammengekommen, die gemeinsam dem unwirtlichen Wetter trotzen. Ausgegangene Kerzen werden unermüdlich wieder angezündet. Angelika Büchelin hätte sich gemeinsame fünf Minuten Stille gewünscht, das ließ sich auf dem Steg allerdings nicht durchführen. Dafür stimmt Ulf Schneider von der evangelischen Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde in Weingarten zum Abschluss mit lauter Stimme "We shall overcome" an. Das Lied spricht allen aus dem Herzen.

Autor: Petra Völzing