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28. April 2009
Lichtspiele für Sommerabende
Vom 1. Mai gelten neue Spielregeln für den Augustinerplatz
Die Walpurgisnacht muss noch ohne das Beruhigungskonzept auskommen, doch am Abend des Tags der Arbeit soll es um 23 Uhr still sein auf dem Augustinerplatz. Vom 1. Mai an wird ein Informationsteam mit Flyern und in Gesprächen für Nachtruhe auf dem beliebten und belebten Platz werben. Die "Säule der Toleranz", die für den optischen Zapfenstreich sorgen soll, hat allerdings Verspätung. Sie wird erst in einem Monat aufgestellt.
Die Warnleuchte haben sich Schülerinnen und Schüler der Gewerbeschule Walther Rathenau ausgedacht. Sie ist das Ergebnis einer Projektarbeit. Ganz bewusst hat Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach auf die Kreativität junger Leute gesetzt. "Sie gehören ja zur Zielgruppe der Platznutzer." Die Lichtsäule soll sich fließend von Grün über Gelb bis nach Rot verfärben – und ganz oben verrät eine Digitaluhr, was die Stunde geschlagen hat.Die Stadtverwaltung hat von mehreren Firmen aus ganz Deutschland, darunter eine in Schallstadt, Angebote für solch eine Säule eingeholt. Dabei machen die Schülerinnen und Schüler nun auch die Erfahrung, dass Kostenschätzungen manchmal arg daneben liegen können. Statt der kalkulierten 8000 Euro, die der Gemeinderat bewilligt hat, muss nun mit 18 000 Euro gerechnet werden.
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"Wir standen vor der Frage: springen oder nicht springen", berichtet Bürgermeister Ulrich von Kirchbach. Für die fehlenden 10 000 Euro will er Sponsoren suchen – und ist da ganz optimistisch.
Die drei Meter hohe Säule soll am Fuß der Augustinerplatztreppe in der Näher der alten Stadtmauer aufgestellt werden, und zwar anstelle der Laterne, die jetzt dort steht. Der Sockel besteht aus verzinktem Stahl, das farbige Lichtspiel schimmert dann durch Plexiglas im Stahlrahmen. Mit den Stadtplanern sei das abgesprochen, versichert Ulrich von Kirchbach. Allerdings: Die Lärm-Ampel wird nicht vor Juni installiert.
Die "Säule der Toleranz" ist nur ein Baustein im Konzept, das die Anwohner seit Jahren herbeisehnen und für weniger Lärm in den Nachtstunden sorgen soll. Ein zweiköpfiges studentisches Informationsteam soll an sommerlichen Abenden das feiernde Publikum ab 20 Uhr auf die Not der Anwohner hinweisen, unter diesen auch Familien mit Kindern. Außerdem soll das Duo, das auf 400-Euro-Basis arbeitet, darauf hinwirken, dass das zumeist junge Volk auch die Mülleimer und schallgedämmten Glascontainer nutzt. Zu den neuen Spielregeln gehört auch ein generelles Verbot von Trommeln, Trompeten und Verstärkern – also alles, was musikalisch Krach macht.
Ein ähnliches Konzept, sagt Gerhard Rieger, der im Sozialdezernat dafür zuständig ist, sei ihm trotz eifriger Recherche nicht untergekommen. "Wir erreichen damit bestimmt 98 Prozent der Platznutzer." Ähnlich zuversichtlich ist auch sein Chef: "Wir versuchen es mit Überzeugungsarbeit", sagt Ulrich von Kirchbach, "und ich glaube, dass die Leute diese große Chance nutzen." Falls nicht, seien irgendwann auch ordnungsrechtliche Schritte nicht mehr auszuschließen, bis hin zur Beschlagnahme von Instrumenten.
Autor: Uwe Mauch


