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02. September 2009

Stimmen 2009

Daniel Sander: „Man wird gewählt und abgewählt“

BZ-Serie "Stimmen 2009" (2): Unterwegs mit dem Bundestagskandidaten der CDU, Daniel Sander

  1. Zwischen Münsterplatzwurst und Münster: CDU-Bundestagskandidat Daniel Sander Foto: Michael Bamberger

Wenn Daniel Sander zeigen möchte, wie sehr er den Münstermarkt mag, sagt er: "Prima, dass sich hier nicht nur auswärtige Besucher, sondern auch Einheimische mit frischen regionalen Produkten versorgen können." Man sieht: Die Gabe der Selbstdarstellung ist Sander nur begrenzt gegeben. Andererseits: Wenn er zum Wurststand Meier kommt, fragt der Chef ohne Umstände: "Wie immer?" und macht eine lange Rote, nicht geknickt, ohne Zwiebel fertig – unter Kennern ist die ungeknickte Lange angeblich ein untrügliches Zeichen dafür, dass man weiß, wie eine Münsterwurst gegessen werden muss. Der Kandidat hat hier also schon vor dem Wahlkampf und ohne Medienbegleitung gevespert.

BZ: "Schaffen Sie es in den Bundestag?"
Sander: "Da mache ich mir wenig Illusionen, da müssten schon mehrere unwahrscheinliche Faktoren zusammenkommen. Das Einzige, mit dem ich punkten kann, ist meine Freiburg-Verbundenheit."

Dann mal sehen. Ein Spaziergang mit ihm durch Freiburg startet in der Schusterstraße. Hier hat Daniel Sander als Student auf 9,5 Quadratmetern Fläche im Hinterhaus gewohnt, dann kam der soziale Aufstieg mit dem Umzug ins Vorderhaus unters Dach. Ein weiterer Umzug sei nicht geplant, sagt Sander, "auch wenn die lauten Junggesellenabschiede nachts manchmal nerven". Durch Oberlinden ("das schönste Viertel Freiburgs") geht es über den Augustinerplatz Richtung Uni, wo Sander Politik und Jura studiert hat. Politik mit, Jura ohne Abschluss. "Ich bin Politologe und für ein politisches Amt ausgebildet, das ist mein Beruf", sagt er – ein bisschen trotzig, denn es gibt Leute, die weisen gerne darauf hin, dass der Kandidat "noch nichts Richtiges gearbeitet" habe im Leben. Falsch, meint Sander: Politik sei inzwischen so komplex geworden, dass man auch dafür Fachleute brauche. Landwirtschaftspolitik ist sein Steckenpferd, da kann er aus dem Stand ein Referat über, sagen wir mal, die Bedeutung von ökologischen Nischen für den Agrarsektor Afrikas halten.

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BZ: "Ist Politik für Ihre Lebensplanung nicht ein eher unsicheres Geschäft?"
Sander:"Man wird gewählt und abgewählt, damit muss man sich abfinden."

Daniel Sander, 35, will für die CDU in den Bundestag und kann das, so die Regeln der Wahlarithmetik, nur mit einem Direktmandat schaffen – oder wenn er auf der Landesliste als erster Nachrücker reüssiert. Geackert hat er dafür in den vergangenen Jahren: Seit 2002 Kreisvorsitzender der Jungen Union Freiburg, seit 2003 stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU Freiburg, seit 1997 Pressereferent verschiedener baden-württembergischer Politiker. Er gilt als einer, der Konflikten nicht aus dem Weg geht und auch in der eigenen Partei mal hinlangt, was ihm neben Unterstützung auch ehrliche Abneigung beschert hat. Macht nichts, findet Sander: In der Politik könne man es nicht allen Recht machen. Hat er schon mal jemandem Unrecht getan? "Als ich gefordert habe, die Oper im Drei-Sparten-Theater abzuschaffen. Da hatte ich mich geärgert über die Arroganz der Kulturleute, die meinten, in ihrem Bereich dürfe man nicht sparen. Inzwischen habe ich dazugelernt und sage: So ein Theater ist wichtig für den Standort Freiburg."

BZ: "Sie sind in den neuen Freiburger Gemeinderat gewählt worden. Hören Sie da gleich wieder auf, wenn es mit Berlin klappt?"
Sander: "Nein, warum? Der Auftrag der Wähler gilt für fünf Jahre. Das geht heutzutage ohne Weiteres."

Nicht zuletzt, weil der Kandidat die neuen Medien von twitter bis Facebook unermüdlich nutzt und auch online allzeit präsent ist. Allerdings gleichen die Sander’schen Beiträge auf twitter eher einem Ergebnisprotokoll: "Jetzt fahre ich zum Kinderfest der CDU Haslach-Weingarten auf der Haid! Hoffentlich bleibt das Wetter weiterhin schoen!" Oder: "Bin jetzt beim Politischen Frühschoppen der CDU Hexental in Au und werde zu ,Agrarpolitik fuer den Ländlichen Raum’ sprechen!"
BZ: "Wer liest denn so was?"
Sander: "Weiß ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber ich habe immerhin schon fast 1000 Followers. Und ich zeige mit den vielen Terminen, wie viel Politiker tatsächlich arbeiten, wenn sie ihren Job ernst nehmen."

Weiter. Vor dem Münsterplatz noch ein Abstecher zur Synagoge und ein Gespräch, wie der letzte Besuch in Israel war. Es war ein offizieller Termin. Privates bleibt bei Sander privat, nur karge Infos gibt er preis: Sein Lieblingsziel ist Frankreich, weil seine Ex Französin war, derzeit ist er nicht liiert. "Gott sei Dank, einen Wahlkampf kann man niemandem zumuten." Als einziger der Familie ist er in Schwaben geboren, aber nicht mal einen Schwabenwitz kann er ordentlich erzählen. Am liebsten mag er Weißburgunder und – Überraschung – badische Küche. Und natürlich Münsterplatzwurst.

BZ: "Und was ist mit Sport?"
Sander: "Sehe ich so aus, als ob ich Sport mache?"

Oho, da ist er doch – der kleine, selbstironische Witz, mit dem Daniel Sander kräftig in die Münsterplatzwurst beißt.

Autor: Simone Lutz