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21. Dezember 2010

Menschen von Nebenan

Marianne Luge unterstützt Hunde von wohnungslosen Menschen

  1. Marianne Luge Foto: Bamberger

INNENSTADT. Tag für Tag sitzt Marianne Luge, 58 Jahre alt, in ihrem Büro im Südwestrundfunk (SWR) an der Kartäuserstraße. Sie mag ihren Verwaltungsjob, auch wenn er trocken ist. Doch in der Mittagspause und an unzähligen Abenden und Wochenenden bricht sie auf in ihr "zweites Leben", wie sie es nennt: Dann zieht sie durch die Innenstadt und hält Ausschau nach wohnungslosen Menschen – oder besser gesagt deren Hunden. Ihr Engagement für ihren Verein "Abseits – Hilfe für Tier und Mensch" war kürzlich auch Thema einer Fernsehreportage im SWR.

"Bärle" war der Erste. Marianne Luge fiel der Hund irgendwann auf. Er lag, angebunden an einen Baum, neben seinem Besitzer, wenn sie am Einkaufszentrum in der "Schwarzwaldcity" vorbeikam. Irgendwann fragte sie einfach, ob sie Futter für "Bärle" kaufen dürfe. Das fiel ihr nicht schwer, sie kommt mit ihrer direkten, offenen Art schnell in Kontakt. Bald kam sie regelmäßig zum Füttern vorbei.

Marianne Luge geht mit wachen Augen durch die Stadt. Kein Wunder, dass sie viele Hunde entdeckt, die mit ihren Besitzern auf der Straße leben und Hilfe brauchen. Längst nicht nur Futter, sondern auch Impfungen, Entwurmungen und andere tierärztliche Behandlungen oder – vor allem, wenn sie alt oder krank sind – eine Auszeit von ihrem anstrengenden Alltag. Das Leben draußen stresst nicht nur Menschen, sondern auch Hunde. Marianne Luge hat ausprobiert, was es heißt, im Winter in der Kälte irgendwie über die Runden zu kommen – eine Nacht hat sie früher mal zum Ausprobieren unter einer Brücke verbracht. "Es war schlimm", sagt sie, länger hätte sie es damals nicht ertragen: das Frieren, aber auch den Lärm von der Straße und die Schutzlosigkeit.

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Genau deswegen versteht sie so gut, warum für viele Wohnungslose ihr Hund so wichtig ist. Als Bewacher, Familienersatz und oft einziges Wesen, das für sie da ist. Doch nicht alle können ihren Hunden ein erträgliches Leben bieten. Marianne Luge will ihnen dazu verhelfen. Das gelingt nur zusammen mit den Vertrauten, die sie sich längst in der Wohnungslosenszene geschaffen hat. Sie sind von ihr "geschult", haben ein Gespür für die Bedürfnisse von Hunden entwickelt. Und geben ihr Wissen weiter. Aber nicht immer gelingt es, für Hund und Mensch gemeinsam eine gute Lösung zu finden. Marianne Luge hat schon viel Hundeleid auf der Straße erlebt, auch damals bei "Bärle": Sein Besitzer war suchtkrank und eines Tages plötzlich mitsamt Hund verschwunden. Als die zwei wieder auftauchten, konnte sie den Mann überreden, ihr den Hund zu überlassen – er fand neue Besitzer in der Bretagne, inzwischen geht’s ihm prächtig. Doch traurige Hundeschicksale gibt’s längst nicht nur auf der Straße, sondern genauso im ganz "normalen" Reihenhausalltag, betont Marianne Luge. Dort haben Hundebesitzer oft kaum Zeit für ihre Tiere – während der Hund eines Wohnungslosen in der Regel immerhin nie allein sein muss.

Bleibt Marianne Luge noch Zeit für einen eigenen Hund? Ja, sogar für fünf – aber nur, weil ihr Mann immer zu Hause ist, in Ditishausen bei Löffingen, wohin sie nach 30 Jahren in Freiburg vor einiger Zeit gezogen ist. Einer der Hunde stammt aus dem Süden, alle fünf hatten ein schweres Leben. Ganz egal, wo sie ist: Wenn Marianne Luge sieht, dass es einem Tier nicht gut geht, greift sie ein. Das hat sie schon als Kind versucht, als sie "einen Aufstand" machte, wenn ihr Vater eines der Schweine auf dem Bauernhof der Eltern schlachten ließ. Davon abgesehen hatte sie eine schöne Kindheit. Zusammen mit einem eigenen Truthahn, einigen mit der Flasche aufgezogenen Lämmchen und Felix, ihrem sturen Esel.

Kontakt:  0163/5502639, http://www.abseits-tierhilfe.de

Autor: Anja Bochtler