Kundgebung für den Frieden

Menschen demonstrieren gegen die atomare Bedrohung

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 20. November 2017

Freiburg

Auf dem Platz der Alten Synagoge haben sich am Samstagmittag auf Einladung des Freiburger Friedensforums rund 100 Menschen zu einer Friedenskundgebung getroffen.

Es war ein symbolträchtiger Start: Um fünf vor zwölf begannen am Samstagmittag in etlichen deutschen Städten Aktionen für Frieden und gegen die aktuell besonders brisante atomare Bedrohung. Während in Berlin eine Menschenkette von der nordkoreanischen zur amerikanischen Botschaft geplant war, versammelten sich in Freiburg am Platz der Alten Synagoge rund 100 Menschen zu einer Kundgebung. Dazu eingeladen hatten mehrere Gruppen rund um das Freiburger Friedensforum.

Was haben Smartphones mit Kriegen zu tun? Eine ganze Menge: Weil Smartphones Kobalt enthalten, gibt es blutige Kämpfe im Kongo, um an den begehrten Stoff zu gelangen, listet der evangelische Schuldekan Christian Stahmann eines der vielen Beispiele auf, die zeigen, wie der Lebensstil hier mit den Kriegen weltweit zusammenhängt. Erst recht klar wird das angesichts der deutschen Waffenlieferungen: Unter anderem dagegen richte sich die Badische Landeskirche, die sich an dem pazifistischen Bibelzitat "Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens" orientiere, sagt Stahmann. Deutschland liege bei den Waffenexporten weltweit an vierter Stelle bei Klein- und an fünfter bei Großwaffen, betont Uta Pfefferle vom Freiburger Friedensforum und ruft: "Die zerstörerische Kriegslogik muss endlich aufgegeben werden, irgendwann muss das doch in die Köpfe rein!" Äußerungen wie die des amerikanischen Professors Matthew Kroenig, dass "begrenzte nukleare Kriege" möglich sein sollten, seien "unfassbar".

Max Heinke vom Friedensforum zitiert einen Text von Bertolt Brecht bei einem Friedenskongress 1952, in dem der Autor die direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs schon wieder eingetretene Abgestumpftheit derer beklagt, die "schon hinter sich haben, was sie vor sich haben". In einer Zeit, in der ein neuer Atomkrieg durch die Spannungen zwischen Nordkorea und den USA in greifbare Nähe gerückt sei, müssten die Warnungen umso deutlicher werden, sagt Christoph Besemer von der "Werkstatt für gewaltfreie Aktion". Die Redner fordern von der neuen Bundesregierung den Beitritt zu dem von den Vereinten Nationen angestoßenen weltweiten Atomverbot. Das sei etwas ganz anderes als der bisherige Atomwaffensperrvertrag, der die Verbreitung von Atomwaffen eher noch gefördert habe, weil die Staaten unterschiedlich behandelt wurden, so Pfefferle. Außerdem treten die Redner für den Abzug amerikanischer Atomwaffen aus Büchel, das Ende von deutschen Militäreinsätzen und gegen Kampfdrohnen bei der Bundeswehr ein.