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22. Mai 2010

Mit Kohle – aber emissionsneutral?

Neues Gutachten zum Blockheizkraftwerk der Uniklinik.

  1. Im Heizkraftwerk der Uniklinik wird am Emissionsrad gedreht. Foto: Ingo

Die Kohle muss weg – das hat Oberbürgermeister Dieter Salomon der Uniklinik bei internen Verhandlungen gesagt. Er hat es auch im Wahlkampf bekräftigt: Man sei "auf der Zielgeraden" in den Verhandlungen um die Fernwärmeversorgung der Neubauprojekte längs der Berliner Allee und die könne das Heizkraftwerk der Uniklinik nur übernehmen, wenn es auf die Kohle als Brennstoff verzichtet. Oder zumindest den Ausstieg ernsthaft anpeilt. Derzeit wird zur Strom- und Wärmeerzeugung ein Fünftel mit Kohle aus Südamerika geheizt, zu vier Fünftel mit Erdgas.

Auf den letzten Metern der "Zielgerade" könnte nun eine Wendung kommen. Der Badischen Zeitung liegt ein bislang öffentlich nicht zugängliches Gutachten des TÜV Süd vor. Es bescheinigt dem Heizkraftwerk der Uniklinik, dass die Abwärme der bestehenden Anlage genutzt werden kann und die für die Neubauprojekte erforderliche Anschlussleistung von 20 Megawatt ohne zusätzlichen Brennstoff und damit ohne zusätzliche CO2-Emissionen möglich wäre.

Für den umweltpolitischen Sprecher der CDU-Gemeinderatsfraktion, Daniel Sander, ist somit "eine umweltfreundlichere Fernwärmeversorgung als mit dem Uni-Heizkraftwerk" gar "nicht vorstellbar", die Abwärme würde nämlich "sonst ungenutzt den Freiburger Himmel" erwärmen. Mit dem Gutachten seien jetzt auch "die letzten ideologischen Zweifel an der Umweltfreundlichkeit der Fernwärmeversorgung durch das Uni-Heizkraftwerk ausgeräumt" und man könne die Bauprojekte getrost an das Netz der Uniklinik nehmen. So wie bereits die Justizvollzugsanstalt, das Landratsamt, das Konzerthaus, das Solar-Info-Center und universitäre Einrichtungen.

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Aus dem Freiburger Rathaus gibt es zu dem Gutachten und der Sander-Erklärung keine Stellungnahme. Die Anfrage der CDU im Gemeinderat von Ende März, deren Beantwortung Daniel Sander anmahnte, werde zu gegebener Zeit behandelt, erklärte eine Sprecherin. Auch aus der Uniklinik gibt es keine Antwort, die Pressesprecherin blockt diesbezügliche Anfragen kategorisch ab.

Damit sind die Fachleute, sowohl im Umweltamt der Stadt, als auch im technischen Bereich der Uniklinik zum Schweigen verdammt. Was sie meinen, ist trotzdem bekannt. Die Uniklinik, unterstützt durch den Landeswissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) verweist darauf, dass ihr Heizkraftwerk Versorgungssicherheit für den medizinischen Bereich garantieren muss. Mit Gas alleine ginge das nicht, es müsse ein lagerbarer und schnell einsetzbarer Brennstoff für den Notfall vorhanden sein, der im Winter durchaus mal eintrete. Den früher eingesetzten lagerbaren Brennstoff Heizöl habe das Klinikheizkraftwerk längst abgeschafft, ließ Frankenberg den Landtagsabgeordneten Walter Krögner (SPD) wissen. Allerdings sei der Versuch, die Steinkohle durch Pellets zu ersetzen, aus technischen Gründen bislang nicht möglich.

Das Klinikheizkraftwerk will aber am 31. Mai und am 1. Juni einen weiteren Testlauf mit Holzpellets unternehmen. Und es wird seit längerer Zeit an einer weiteren Brennstoffalternative gearbeitet: Biokohle. Dies ist gepresste Biomasse, CO2-neutral, weil die Pflanzen zuvor bei ihrem Wachstum das klimaschädliche Gas der Luft im gleichen Umfang entzogen haben. Allerdings muss die Biokohleförderung erst noch entwickelt werden, damit der Brennstoff in ausreichender Menge und kostengünstig vorhanden ist.

Dann wäre die Uniklinik mit ihrem Heizkraftwerk wieder im Rennen um die Fernwärmeversorgung im Freiburger Westen bei den Bauherren auf dem Brielmann-Gelände, an der Berliner Allee und auf dem Hüttinger-Areal. Denn sowohl der Bau neuer und eigener Heizanlagen, als auch die Hochrüstung von Badenova-Anlagen – etwa im Westbad – würde wohl zusätzliche CO2-Emissionen verursachen, die Klinik jedoch nicht. Auf dem früheren Brielmann-Gelände etwa baut Projektträger Unmüssig ein "Green Buíldung", das nach internationalen Öko-Standards zertifiziert werden soll. Steinkohle kann dabei nicht zum Zug kommen, Biokohle schon. Und CO2-neutral muss die Sache auch sein.

Autor: Heinz Siebold