Bemerkenswerte Familienkonstellationen

Mütter, Kinder und Kolleginnen in der Kita Glacisweg

Anna Ebach

Von Anna Ebach

Mo, 08. Januar 2018

Freiburg

In der Kita Glacisweg gibt es besondere familiäre Konstellationen.

FREIBURG-ALTSTADT. Schon als Kind besuchte Niouma N’Diaye die Kita Glacisweg, in der ihre Mutter Heike Scharbach zur gleichen Zeit als Erzieherin arbeitete. Heute, fast 20 Jahre später, macht sie dort ihre Ausbildung und ist nun Arbeitskollegin ihrer Mutter.

An ihre Kindergartentage erinnert sich die 21-Jährige immer gerne zurück. "Das war echt eine schöne Zeit hier", erzählt sie. Noch heute habe sie enge Freunde von damals, mit denen sie oft gemeinsam in Erinnerungen schwelge. Dass sie nun auch dort ihre Ausbildung als Erzieherin macht, ist daher kein Zufall: "Ich bin meine ganze Kindheit über gerne hierher zurückgekommen."

Auch für Heike Scharbach ist die Kita Glacisweg mehr als nur eine Arbeitsstelle. Die 54-Jährige arbeitet seit 1984 in der Kindertagesstätte und ist seitdem eng mit ihr verbunden. "Die Kita hat mir schon immer viel Halt gegeben. Viele von uns Erziehern und Erzieherinnen kennen sich schon seit Jahrzehnten. Wir sind vielmehr wie eine große Familie als einfach nur Arbeitskollegen." Oft seien in den vergangenen Jahren Praktikanten oder Auszubildende gekommen, die schon als Kinder in der Kita gespielt hatten.

Derzeit arbeiten drei Elternteile und ihre Kinder als Erzieher und Erzieherinnen gemeinsam in der Kita. Auch Christine Dürr, die seit 1993 in der Kita angestellt ist, und ihr 26-jähriger Sohn Max gehören dazu. "Ich finde es schön, dass die früheren Kinder jetzt hier mit uns zusammenarbeiten”, sagt die 55-Jährige. Probleme zwischen ihr und ihrem Sohn gebe es bei der Arbeit nicht: "Man lässt sich einfach so sein, wie man eben ist. Auf die Finger geguckt wird da nicht."

Für Heike Scharbach ist die Zusammenarbeit mit ihrer Tochter eine Bereicherung für ihre Mutter-Tochter-Beziehung. "Dadurch, dass sie jetzt auch hier arbeitet, versteht sie manche Dinge besser als früher", erklärt sie. "Außerdem finde ich es schön, dass ich meine Ideen und Vorstellungen von meinem Beruf an meine Tochter weitergeben kann."

An ihrer Vorstellung von Erziehung habe sich über die Jahre nicht viel geändert. "Klar ist es interessant, neue Ansätze zu sehen, die die Auszubildenden teilweise mitbringen. Aber die Basis unserer Arbeit hat sich nicht geändert. Es ist immer noch der gleiche Umgang mit den Kindern." Auch Niouma N’Diaye gefällt die Zusammenarbeit mit ihrer Mutter: "Man ergänzt sich gut und ich fühle mich auf jeden Fall auch ernst genommen. Im Wesentlichen haben wir aber sowieso die gleichen Vorstellungen."

Die Kita Glacisweg sei allerdings schon eine sehr besondere Kindertagesstätte, darin sind sich Mutter und Tochter einig: "Wir geben den Kindern hier viel mehr Freiräume als in anderen Kitas", so Heike Scharbach. "Sie sollen die Möglichkeit haben, sich frei zu entfalten."

Entstanden ist die Kita Glacisweg im Jahr 1972 in Folge der 68er-Bewegung. Nach mehreren Umzügen ist sie seit 2000 auf dem Grethergelände beheimatet. Wegen der großen Nachfrage würde das Team sich gerne vergrößern und sucht nun dringend nach einem zweiten Standort. "Die meisten von den Nachwuchskräften sind derzeit nur als Vertretung angestellt", erklärt Heike Scharbach. "Deshalb möchten wir uns gerne vergrößern, damit uns auch die zweite Generation der Erzieher und Erzieherinnen erhalten bleiben kann."