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28. August 2009
Nasenzwickerle unter Denkmalschutz
Die Stadt will zehn neue Naturdenkmale ausweisen – unter ihnen ein Bergahorn, der "Baum des Jahres", in der Urachstraße
Denkmale sind nicht immer in Stein gemeißelt – manchmal leben sie auch: 127 lebende Naturdenkmale, nämlich Bäume und Baumgruppen, gibt es derzeit in Freiburg. Bis Ende des Jahres werden weitere zehn hinzukommen. Eines von ihnen ist der Bergahorn am Alten Wiehrebahnhof in der Urachstraße, der seit Jahrzehnten zuverlässig Nasenzwickerle, also geflügelte Früchte zum Auf-die-Nase-Kleben, für Kinder produziert, Bienen, Vögel, Ameisen und Schmetterlinge versorgt und Schatten spendet.
Naturdenkmale gibt es in Freiburg schon lange. 1950 wurde das erste ausgewiesen: ein Tulpenbaum in der Goethestraße, der inzwischen gefällt werden musste. Immer wieder machen Bürgerinnen und Bürger Vorschläge, welcher Baum denn ebenfalls Naturdenkmal werden könnte: weil er besonders eindrucksvoll aussieht, sehr alt oder selten ist, ein Stadtviertel prägt oder kulturgeschichtlich von Bedeutung ist. Das Garten- und Tiefbauamt sammelt diese Anregungen, schaut sich die Kandidaten alle ein, zwei Jahre an und wählt die wertvollsten aus.So kamen nun auch die neuen Naturdenkmale zu Ehren. Ausgewiesen werden sollen demnächst unter anderem ein Ginkgo mit auffälligem Stamm in der Bernhardstraße in Neuburg, drei alte Eichen am Gewerbekanal in der Kartäuserstraße auf Höhe des Hirzbergparks, eine fünfstämmige Erle am Hölderlebach in der Wiehre, eine schön gewachsene Atlaszeder am Lorettoberg und eben der Bergahorn in der Urachstraße, dessen Art in diesem Jahr zum "Baum des Jahres" gewählt wurde.
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Knapp die Hälfte der künftigen Naturdenkmale stehen auf städtischem Grund und Boden, der Rest auf Privatgrundstücken. Wer so ein Naturdenkmal im Garten hat, darf sich freuen: Zweimal im Jahr wird es vom Garten- und Tiefbauamt kontrolliert, die Fachleute schauen nach dem Rechten, schneiden Äste zurück und sanieren, wenn nötig, Baum und Boden. 12 000 bis 16 000 Euro pro Jahr gibt die Stadtverwaltung dafür aus – "richtig gut angelegtes Geld", meinen Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik und Dieter Wörner, Chef des Umweltschutzamtes, unisono.
Superlative sind ebenfalls zu vermelden. Das höchste unter den Freiburger Naturdenkmalen ist die mindestens 38 Meter hohe Platane an der Kartaus. Zu den exotischsten Beispielen zählt ein Maulbeerbaum an der Eichbergstraße. Die ältesten sind die Linden am Kapellenweg: Sie stammen von 1645, aus Zeiten des Dreißigjährigen Kriegs. Mit sieben Metern Stammumfang ist der Mammutbaum an der Starkenstraße das massivste Denkmal, und das urwüchsigste steht auf dem Kybfelsen – ein rund 220 Jahre alter Bergahorn. Zuletzt 2006 wurde eine Baumgruppe als Naturdenkmal ausgewiesen: der Eichenbestand an der Herdermer Eichhalde, von dem sich der Straßenname herleitet. Wenn nun die Grundstückseigentümer damit einverstanden sind, dass aus ihrem Baum ein Naturdenkmal wird, läuft ein "Unterschutzstellungsverfahren" an. Wenn die Verordnung in Kraft tritt, wird’s offiziell: Dann kommt an jedes der neuen Naturdenkmale ein kleines, grünes, dreieckiges Metallschild mit der Aufschrift "Naturdenkmal".
Autor: Simone Lutz
