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11. Dezember 2011 13:54 Uhr

Freiburg

Neues Internat: Begeisterung und Bedenken

Das College im ehemaligen Kartäuserkloster nimmt Gestalt an. Die ersten Pläne liegen auf dem Tisch. Bei manchen wecken sie Begeisterung, bei anderen Bedenken. Ganz andere Sorgen haben die Mieter.

Im Sommer 2014 soll das neue United World College auf dem Gelände der alten Kartaus im Stadtteil Waldsee eröffnen. Bis dahin wird geplant, saniert und neu gebaut. Das 40 Millionen Euro teure Projekt, die renommierte Schule einzurichten, stemmt die Robert-Bosch-Stiftung. Für die Stadt hat das Bebauungsplanverfahren begonnen. Für die Schule soll das Kloster umgebaut werden, fürs Wohnen Neubauten entstehen. Der Entwurf wurde öffentlich diskutiert, vor allem das Zusammenfügen von Alt und Neu.

1,4 Hektar Wiese muss aus dem Landschaftsschutzgebiet weichen, damit acht große und vier kleine Punkthäuser entstehen können: "Immer ein Lehrer- mit zwei Schülerhäusern, ein System wie bei Harry Potter", erklärte Baubürgermeister Martin Haag. Wie ein Bergdorf sollten sie im Kontrast zum Kloster stehen. Den fanden einige in der öffentlichen Vorstellung zu groß. Doch auf dem Hang gegenüber wären die Häuser auf dem Präsentierteller, wenn das Johannisheim nach 2021 abgerissen wird. Die Neubauten sollen unaufdringlich, aber sichtbar Teil der Schule sein, sagte Haag. "Das Projekt ist mit Eingriffen verbunden." Sie sollten schonend erfolgen; Denkmal- und Naturschutzbehörden sind eingebunden. "Es geht darum, eine Schule möglich zu machen, die ein Schritt nach vorn ist." Noch gebe es nicht auf alle Fragen eine Antwort.

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Auch nicht auf die, was aus den Mietern wird. Eva-Maria Schüle, die mit ihrer Familie im "Wirtshaus" lebt, den barocken Klostergarten angelegt hat und pflegt, ist ein Fan der Colleges. Und sie ist wie ihr Mann Landwirt, zudem pädagogisch qualifiziert. "Wir würden das in den Dienst des UWC stellen wollen und können." Das haben sie auch angemeldet. Jetzt gibt es die Ansage, dass aller Wohnraum und alle Flächen für die Schule benötigt werden. Das betrifft auch ihren Onkel, der seit 75 Jahren in der Kartaus lebt und dort gearbeitet hat. "Beim UWC geht’s um achtsamen Umgang, ich kann mir nicht vorstellen, dass es in deren Sinn ist, dass hier Tabula rasa gemacht wird." Müssten sie wegziehen, würden die Schüles ihre Pflanzen, die sie 20 Jahre gezogen haben, mitnehmen.

Die Robert-Bosch-Stiftung verweist darauf, noch nicht zuständig zu sein. "Über eine mögliche Anschlussregelung haben wir noch nicht entschieden", sagte am Freitag Sprecher Stefan Schott. "Wir sind in Kontakt mit den Mietern." Die Gebäude gehören noch der Heiliggeistspitalstiftung. Vizedirektor Günther Rohrbach geht davon aus, dass alles geräumt werden muss. "Wenn Robert-Bosch-Stiftung und UWC etwas anderes signalisieren, sind wir dabei." Sie setzten sich gerne weiter für die Schüles ein. Doch der Verkauf gehe vor. "Es ist ein Glückstreffer, dass diese Nutzung mit der Instandsetzung des Gebäudes einhergeht." Die übrigen, gewerblichen Mietverhältnisse waren stets befristet. Für die Hansjakob-Gedenkstätte gebe es Gespräche mit dem Literaturarchiv in Marbach und dem "Freihaus" in Haslach. Die Beteiligung der Bürger am Verfahren läuft noch, bis zum 23. Dezember nimmt das Stadtplanungsamt Kritik und Lob entgegen.

Autor: Simone Höhl