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08. Mai 2009
"Nicht wie im Luxushotel"
5000 Frauen und Kinder fanden in den vergangenen 30 Jahren Hilfe im Frauenschutzhaus Freiburg
Als 1979 das Freiburger Frauen- und Kinderschutzhaus eröffnet wurde, war es das zweite seiner Art: In Berlin war drei Jahre davor das erste bundesdeutsche Frauenhaus entstanden. In den 30 Jahren, die das Freiburger Haus besteht, kamen mehr als 5000 Schutz suchende Frauen und deren Kinder. Das heißt: Etwa drei Menschen pro Woche verließen hier auf der Flucht vor Gewalt Männer und Väter und waren auf Hilfe angewiesen. "Das sind mehr als 5000 Schicksale", erläutert Ellen Breckwoldt, Vorsitzende des Frauen- und Kinderschutzhauses, die enorme Zahl.
Eines dieser Schicksale ist das von Angie Becker*. Die 35-Jährige kam vor zwei Jahren mit ihren vier Kindern. Seit Jahren gab es Streit in der Ehe: "Es hat immer dann geknirscht, wenn die Arbeitssituation kritisch war." Im Klartext: Mit der phasenweisen Arbeitslosigkeit setzten Streit und Gewalttätigkeiten ein. Angie Becker dachte dennoch erst nach Jahren an Trennung. "Der Druck, der auf Frauen in dieser Situation lastet, ist nach wie vor enorm", erklärt Ellen Breckwoldt, CDU-Stadträtin mit Frauenpower: "Gesellschaft und Familie vermitteln noch immer, dass die Frau die Familie zusammenzuhalten hat." Das seien überholte Denkmuster, die jedoch weiter funktionieren: "Aber sie sind nicht richtig!" Sozialpädagogin Birgit Hagspiel, seit 14 Jahren Mitarbeiterin im Freiburger Frauenschutzhaus, macht dieselbe Beobachtung: "Frauen harren oft lange in zerrütteten Beziehungen aus. Und wo es bereits eine Verhaltensproblematik gibt, leiden sie häufig besonders unter den Folgen finanziell schwieriger Situationen."Werbung
Hingegen lobt Ellen Breckwoldt ausdrücklich die Unterstützung, die das Frauenhaus vonseiten der Stadtbau, vom Amt für Wohnungswesen und von einigen Genossenschaften bekommt. Lange nämlich können die Frauen in der Regel gar nicht im Frauenschutzhaus bleiben. Die Durchschnittliche Verweildauer in den drei Wohnungen liegt bei etwa einem Monat, bei voller Belegung müssen auf ziemlich engem Raum acht bis zehn Frauen plus Kinder unterkommen. "Wie im Luxushotel ist das nicht", stellt Ellen Breckwoldt fest – aber das Wohnen im Frauen- und Kinderschutzhaus ist immer eine Etappe auf einem Weg, es ist Lernfeld und auch ein Ort, an dem jede Menge Solidarität und konkrete Hilfe zu haben ist.
Angie Becker blieb ein Dreivierteljahr. Erst dann war sie nach dem schweren Schritt stabil genug für das "normale" Leben. Das konnte für sie und ihre Kinder allerdings auch ohne weitere Schutzbedürftigkeit in einer privaten Wohnung stattfinden: Ihr Ex-Mann nämlich ging nach ihrer Flucht ins Frauenschutzhaus auf Abstand und vollzog seinerseits – ohne Aggression – die Trennung. Das ist nicht immer so. Birgit Hagspiel betont deshalb, was seit 30 Jahren immer gilt: "Die Anonymität des Ortes ist absolut wichtig, weil man zunächst nie weiß, wie aggressives Verhalten in der Situation eskaliert." Auch solche Erfahrungen gab es in den 30 Jahren. Und es wird sie wohl immer wieder geben. "Dass wir überflüssig werden ist derzeit leider nicht zu erkennen – im Gegenteil – unsere Arbeit wird immer aufwendiger und anstrengender", sagt Birgit Hagspiel. Dennoch wird natürlich der 30. Geburtstag des Hauses gefeiert – mit einem Fest für alle, speziell auch für die Kinder, die hier besonders ernst und besonders wahrgenommen werden.
Frauenschutzhaus: 0761/31073
Autor: Julia Littmann
