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20. Mai 2009

Nur noch attraktiv für den Tourismus?

Kommunalwahlkandidaten diskutieren über Wirtschaftspolitik

  1. Bei Touristen steht Freiburg hoch im Kurs. Foto: ingo schneider

So richtig in Schwung will er nicht kommen, der Freiburger Kommunalwahlkampf, das beklagen Politiker und Beobachter: Das große, polarisierende Streitthema fehle. Auch der Wirtschaftsrat der CDU war anscheinend misstrauisch gegenüber der Strahlkraft der Vertreterinnen und Vertreter von CDU, SPD, FDP und Grünen (Die Linke war nicht eingeladen) und hatte den Kabarettisten Matthias Deutschmann mit auf seinem Podium zur Wirtschaftspolitik platziert.

Dabei ist das Thema, das den Anstoß zu der Debatte gab, durchaus brisant: In einem Regionalranking der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft erreichte Freiburg Mitte April nur den 44. und damit letzten Platz in Baden-Württemberg (die BZ berichtete). Michael J. Pistecky, Sprecher der Wirtschaftsrat-Sektion Freiburg und Emmendingen, stellte als Moderator zwar die methodische Qualität der Studie in Frage. Die Suche nach weiterem wirtschaftlichem Potenzial Freiburgs jenseits des Tourismus aber bleibe dennoch hoch aktuell.

Jung und überdurchschnittlich gebildet sei die Bevölkerung Freiburgs, so die grüne Landtagsabgeordnete und Gemeinderatskandidatin Edith Sitzmann – das biete trotz den Aussagen der Studie Chancen gerade in den Zukunftstechnologien: "Die Verbindung von Ökologie und Ökonomie ist ein großes Gewinnfeld, auch über die Solarwirtschaft hinaus – es wird Sie nicht wundern, dass ich als Grüne das sage." Zustimmung gab es dafür von Daniel Sander, Gemeinderats- und Bundestagskandidat der CDU: "Freiburg ist kein Standort für Schwerindustrie" – weshalb die Wirtschaftskrise die Stadt weniger stark treffe als etwa den Raum Stuttgart.

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Für eine "gesunde Struktur" müsse aber auch produzierendes Gewerbe existieren, forderte FDP-Kandidat und Ganter-Geschäftsführer Maximilian Erlmeier: "Wir brauchen auch die Breisgaumilch, eine Weinwirtschaft und eine Brauerei." Dafür erhielt er Unterstützung von Walter Krögner, Kreisvorsitzender und Kandidat der SPD: "Wir sollten uns auch in einer Hochschulstadt nicht nur mit dem Dienstleistungssektor zufrieden geben". Außerdem dämpften die hohen Mietpreise die Kaufkraft: "In Freiburg werden im Schnitt 44 Prozent des monatlichen Einkommens für Miete ausgegeben."

Die anfangs erwähnte Studie beunruhige ihn überhaupt nicht, urteilte Matthias Deutschmann, denn Freiburg sei bereits etwas ähnliches gelungen wie Las Vegas: "An einem Wüstenstandort ein Image aufzubauen." Die besondere "Patchwork-Identität" aus Lebenskultur, Universität, Landschaft und Wetter könne die Stadt noch viel mehr nutzen, ohne dabei in badische Gemütlichkeit zu verfallen: "Wir haben gar keine andere Möglichkeit – es sei denn, wir aktivieren den Silberbergbau wieder."

Freiburg sollte versuchen, "seinem Riesen-Ruf gerecht zu werden". So habe die Stadt in den letzten 25 Jahren auch kulturell dazu gewonnen und könne künftig noch stärker zu einem "kulturellen Spieler" werden – vielleicht sogar mit Folgen für einen einen klugen Tourismus: "Wir brauchen Touristen. Wir müssen es aber auch noch ertragen können, in dieser Stadt zu leben."

Autor: Thomas Goebel