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13. Mai 2017

Preis fürs Klimafossil

Eine Initiative beurteilt Investitionen in fossile Brennstoffe kritisch – Rüffel für die Uni.

  1. Preisverleihung mit satirischem Charakter Foto: Rita Eggstein

Der Gewinner dieser Preisverleihung sollte kein ruhmreicher Preisträger sein: "Freiburgs größtes Klimafossil", stand fettgedruckt in schwarzen Lettern auf dem großflächigen Tuch, das Mitglieder der Studenteninitiative "Fossil Free" am Freitag Nachmittag vor dem Stadttheater aufgehängt hatten. Die Umweltschützer vergaben einen Negativpreis an die Universität, die zu wenig Einsatz im Kampf gegen fossile Brennstoffe wie Öl, Kohle oder Gas zeige.

Drei große Freiburger Institutionen "konkurrierten" um den Preis: Universität, Stadtverwaltung und Erzbistum. Am Ende fiel die Wahl der Jury einstimmig auf die Universität, die in einer inszenierten Preisverleihung mit einem Plüschtier-Dino ausgezeichnet wurde.

Die Universität weigere sich, etwaige Investitionen in fossile Brennstoffe offen zu legen, kritisierte Alina Hilzinger von der Gruppe "Fossil Free". Ihre Initiative hatte vor einem Jahr eine Petition mit über 1000 Unterschriften an den Direktor der Universität, Hans-Jochen Schiewer, übergeben. Darin hatte sie gefordert, dass die Universität ihre Geldanlagen überprüfen und gegebenenfalls Investitionen aus klimaschädlichen Fonds abziehen müsse.

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Das Direktorat machte damals Zugeständnisse – seitdem aber habe sich nichts Handfestes getan, sagte Hilzinger. Ob die Universität tatsächlich Geld in fossile Brennstoffe investiere, könne sie allerdings nicht sagen. Die Auszeichnung der Uni als "Freiburgs größtes Klimafossil" gehe daher vor allem auf mangelnde Transparenz zurück.

Doch auch die Stadtverwaltung kam bei der Preisverleihung nicht gut weg. Andere Städte wie etwa Berlin hätten längst Konzepte erarbeitet, wie Investitionen aus fossilen Energien abgezogen werden könnten. Die Stadt Freiburg aber hinke dieser Bewegung hinterher: "Wir laufen unter dem Deckmantel der Green City. Da schaut also keiner richtig hin", so die Aktivisten. Der Vorwurf: Freiburg verstecke sich hinter seinem Image als grüne Stadt, investiere aber weiterhin in fossile Brennstoffe.

Lediglich für das Erzbistum Freiburg hatten die Umweltschützer ein paar lobende Worte übrig. "Wir sind optimistisch, weil sich da im Moment einiges tut", sagte Alina Hilzinger. Immerhin habe die Kirche der Gruppe Auskunft auf ihre Fragen gegeben und mache sich Gedanken darüber, Abstand von fossilen Energien zu nehmen.

Die Preisverleihung setzte den Schlusspunkt in einer Aktionswoche, die unter dem Motto einer "Global Divestment Mobilisation" stand. Umweltschützer in Freiburg und der ganzen Welt hatten neun Tage lang mit zahlreichen Aktionen gegen Investitionen in fossile Brennstoffe protestiert.

Der Einsatz fossiler Energien treibe den Klimawandel unwiederbringlich voran, sagte Alina Hilzinger. "Wenn wir so weitermachen wie bisher, haben wir in 15 Jahren die Grenze überschritten." Gemeint ist damit das Ziel der Weltklimakonferenz von Paris, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Autor: Johannes Tran