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08. Dezember 2009

Prominente schreiben über das Freiburger Münster

Die Germanistin Ursula Saß hat aus allerlei Quellen himmlische Notizen und Berichte in einem Buch zusammengetragen.

  1. Ursula Saß hat mit großem Erfolg für ihr Münsterbuch recherchiert. Foto: Michael Bamberger

Bücher über das Freiburger Münster gibt es reichlich. Nun ist ein Neuling dazu gekommen, der bislang gefehlt hat. Wie dringend "Das Freiburger Münster aus der Sicht prominenter Besucher" in die prächtige Reihe gestandener Münster-Literatur gehört, zeigt sich beim Lesen dieser literarischen Kostbarkeit. Über 500 Jahre haben Berühmtheiten Freiburgs herausragendes Bauwerk beschrieben – in langen Briefen oder prosaischen Notizen. Die Germanistin Ursula Saß hat 37 davon für ihr Buch zusammengetragen – und gab nun bei einer Pressekonferenz Einblick in Recherche und Resultate.

Um eine solche Fülle von hochspannenden "O-Tönen" rund ums Münster überhaupt zu finden, brauchte es mehr als nur Rechercheglück: Ursula Saß, Ehefrau des langjährigen Münsterbaumeisters Manfred Saß, hatte ihren eigenen Zugang zu Freiburgs Herzstück schon lange über das "Münsterblatt" gefunden, das sie 16 Jahre lang mitbetreute. Und aufmerksame Leserinnen und Leser konnten dort auch schon im Jahr 2003 eine erste Veröffentlichung von Ursula Saß in Sachen Münsterbeschreibungen von Prominenten genießen.

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Erfahren in Archivarbeit und kundig in vielen prominenten Biografien hat Ursula Saß über Jahre beharrlich gesucht und gesammelt. Manches tauchte da fast unerwartet und wie nebenbei auf, anderes musste findig geborgen werden. Begeistert zeigt sich die Wissenschaftlerin von der Fülle an Material, auf das sie im Laufe ihrer Recherche stieß. Und doch ist sie zugleich auch enttäuscht. Etliche der "ganz Großen" haben das Münster in ihren Verschriftungen schnöde ignoriert, obschon sie nachweislich Freiburg besucht (Johann Wolfgang von Goethe) oder regelmäßig frequentiert (Karl May) oder gar hier gewohnt haben (Martin Heidegger).

"Auch Theodor Fontane hat nie ein Wort zum Münster fallen lassen", sagt Ursula Saß,"obschon er offensichtlich öfter hier war, um seine Tante zu besuchen". Umso mehr haben andere den mittelalterlichen Sandsteinbau bedichtet und bedacht. Zum Beispiel nennt der Theologe Sebastian Münster im Jahr 1544 den Freiburger Münsterturm als eines der sieben Weltwunder. Der Gelehrte Wilhelm von Humboldt preist 1813 den Turm als himmlischen, regelmäßigen, von edelsten Zierraten umgebenen Saal. Jakob Burkhardt dichtet 1869: "Der Dom taucht in die blaue Nacht hinauf als dunkle Felsenwand – wer gab ihm diese Zauberpracht?" Felix Mendelsohn Bartholdy schwärmt: "Etwas Schöneres ist mir nie vorgekommen", und Henriette Feuerbach findet ein schönes Bild für eine ähnliche Begeisterung: "Das Münster übrigens ist selber halbe Musik." Victor Hugo, Walter Benjamin, Oskar Kokoschka und viele andere sind hier vertreten – und ganz zum Schluss als Sahnehäubchen auch noch Ursula Saß Lieblingsstück: Ein Zitat aus "Herr Jakobi und die Dinge des Lebens" von der jungen Freiburger Autorin Annette Pehnt.

"Das Freiburger Münster aus der Sicht prominenter Besucher", Ursula Saß, Kunstverlag Josef Fink, 2009, 14,80 Euro

Autor: lit