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23. April 2015

Radwerkstatt auf Achse

Stahl & Weiß und eine Handvoll anderer Firmen ordern den Fahrradservice von Tanja Knöfel.

  1. Mitarbeiter des Ingenieurbüros Stahl & Weiß bringen ihre Räder zur mobilen Inspektion von Tanja Knöfel. Ihr Arbeitgeber unterstützt die Nutzung des Fahrrads für den Weg zwischen zu Hause und dem Betrieb. Foto: Ingo Schneider

Johannes Müller und Fabien Vincent holen ihre Fahrräder ohne Wartezeit und Umwege am Ende des Arbeitstags aus der Frühjahrsinspektion. Wie ihre neun Kolleginnen und Kollegen und die Chefs, Volker Weiß und Wilhelm Stahl, nutzen sie den Aktionstag der mobilen Fahrradwerkstatt von Tanja Knöfel. Morgens rückt die Zweiradmechanikerin bei der Firma an, die Mitarbeiter geben die Räder ab, Tanja Knöfel inspiziert, bringt alles auf Vordermann, abends radeln alle heim. Auch andere Firmen bieten ihren Mitarbeitern dieses Extra für mehr Rad-Sicherheit.

Für Volker Weiß gehört das dazu für ein Unternehmen, das sich um das Wohl seiner Mitarbeiter kümmert – und das obendrein im ökologischen Baubereich aktiv ist. "Wir arbeiten an der Energieoptimierung für Gebäude, das heißt, wir sind auch sensibel für andere Aspekte der Umweltentlastung, zum Beispiel im Verkehr", erklärt Weiß.

Versteht sich also von selbst, dass man von Firmenseite aus fördert, dass die Mitarbeiter gerne und sicher mit dem Rad zur Arbeit kommen. Deshalb stellt man bei Stahl & Weiß Mitarbeiterräder zur Verfügung – und bietet eben auch die Inspektion auf dem Werksgelände in der Arbeitszeit.

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Umfangreich in die Fahrradförderung der Mitarbeiter ist auch der Energieversorger Badenova eingestiegen. Fast hundert Mitarbeiter machen dort zum Beispiel vom Fahrradleasing Gebrauch, zu dem das Unternehmen einen monatlichen Zuschuss gibt. Badenova gehört zu den Unternehmen, die wie die Uniklinik, wie Sick in Waldkirch oder L'Oréal in Karlsruhe ein- bis zweimal im Jahr Tanja Knöfel mit ihrer mobilen Zweiradwerkstatt aufs Firmengelände holen, um die Mitarbeiterräder inspizieren zu lassen – dann jeweils für mehrere Tage, versteht sich, weil wesentlich mehr Räder zu inspizieren sind.

Halbe Stunde pro Rad

Eine umfangreiche Reparatur ist beim Frühjahrscheck nicht drin, erklärt die Mechanikerin den radelnden Ingenieuren und Architektinnen am frühen Morgen vor Halle 8, dem Standort von Stahl & Weiß an der Basler Straße. "Pro Rad habe ich eine halbe Stunde, richtig aufwändige Sachen kann ich in der Zeit nicht machen", sagt sie. Eine halbe Stunde pro Rad macht 16 Räder an einem Werkstatt-Arbeitstag – der kostet das Unternehmen pauschal 450 Euro, dazu kommen pro Rad zehn Euro für Kleinteile. Die zahlen in einigen der Unternehmen die Mitarbeiter selbst.

Claudia Schröder, Mitarbeiterin in der Verwaltung, hat an diesem Aktionstag Glück: An ihrem Rad sind nicht nur die Bremsbeläge runter, sondern auch das Profil am Hinterrad – und weil nur 15 Räder gebracht wurden, hat Tanja Knöfel genug Luft, um schnell auch noch einen neuen Reifen hinten aufzuziehen. Insgesamt jedoch entlässt sie Claudia Schröder samt Rad und Mängelliste und mahnenden Worten: Das Rad, mit dem sie seit Jahren bei Wind und Wetter von Ebnet herfährt, ist marode. Ritzel und Vorderrad müssten demnächst ersetzt werden. Vielleicht, sagt sie, sei es an der Zeit, über ein neues Fahrrad nachzudenken.

Die Klassiker in der Inspektion, berichtet Tanja Knöfel, seien Licht und Bremsen, aber auch Reflektoren. Es werde unterschätzt, wie wichtig die seien. Überhaupt sei vieles auch Aufklärung, das heißt, zeigen, wo Schwachstellen sind oder auch mal, wie die Kette geölt wird – "nicht zu üppig und immer nachgewischt, damit sich nicht Staub und Dreck draufsetzen". Für Johannes Müller ist das kein Thema. Die Inspektion hätte der unermüdliche Radler selbst gemacht, wenn sie hier nicht sozusagen frei Haus angeboten würde. Der Weg zur Arbeit, die Kinder in die Kita, der Einkauf nach Hause – alles Radstrecken für ihn: "Nur wenn ein Schrank zu transportieren ist, muss das Auto ran." Dass seine Firma das Radeln unterstützt, findet er großartig.

Infos über die Aktionstage: http://www.mobile-zweirad-werkstatt.de

Autor: Julia Littmann