Messegelände

Raubtierdressur und Artistik: Zirkus Charles Knie in Freiburg

Wolfgang Fiek

Von Wolfgang Fiek

Do, 27. August 2015

Freiburg

Proteste gegen Wildtierdressuren spielten bei der Premierenvorstellung des Zirkus Charles Knie in Freiburg keine Rolle, obwohl das Unternehmen mit fast 100 Tieren unterwegs ist und damit zu den größten in Deutschland gehört. Charles Knie ist in wenigen Jahren in die Erste Liga der Branche aufgestiegen. 2007 erfüllte sich der Groß-und Einzelhandelskaufmann Sascha Melnjak einen Kindheitstraum und kaufte den Zirkus Charles Knie mitsamt dem Namen vom bisherigen Betreiber, der nach Australien auswanderte und dort einen zoologischen Garten aufbaute.

Charles Knie entstammt einer Seitenlinie der österreichisch/schweizerischen Knie-Dynastie. Das junge Zirkusunternehmen Charles Knie hat sich inzwischen in den Kreis so renommierter Betriebe wie dem deutschen Circus Krone, dem französischen Zirkus Gruss, dem italienischen Zirkus Togni oder dem Schweizer National-Circus Knie emporgearbeitet, in denen die klassische europäische Zirkuskultur aus Tierdressuren, Artistik und Akrobatik gepflegt und weitergetragen wird.

Rund 2500 begeisterte Besucherinnen und Besucher bewunderten in den beiden Vorstellungen am Eröffnungstag zunächst den spanischen Artisten "Nicol Nicols", der auf dem dünnen Drahtseil mit seinem Sprung durch einen brennenden Reifen sowie mit Rückwärts- und Vorwärtssalti glänzte. Mit beachtlicher Souveränität führt Marek Jama in einem Exotentableau so unterschiedliche Tiere wie fünf Kamele, vier Araberhengste, drei Zebras, ein schottisches Hochlandrind, zwei Watussi-Rinder und ein Riesenkänguru vor. Einer der Höhepunkte in der Arbeit des Chefdresseurs ist die Präsentation von sechs Lamas, die den Kommandos diszipliniert folgen.

Der Italiener Emanuel Medini ist mit einer gediegenden Handstandakrobatik zu sehen. An seidenen Tüchern brillieren "Ives und Ambra" – die auch privat ein Paar sind – mit einem von Leidenschaft, Erotik und artistischer Hochleistung geprägten Auftritt unter der Zirkuskuppel, der mit einem atemberaubenden Schlusstrick endet.

Als ein Meister seines Fachs erweist sich ein weiteres Mal Marek Jama mit einer Freiheitsdressur von sechs prächtigen Friesen, mit denen er regelrecht zu kommunizieren scheint. Sechs Ponys und einige Araber als "Steiger" ergänzen diese für Pferdeliebhaber besonders reizvolle Darbietung.

Mit ihrer Luftnummer ziehen die "Flying Costa", eine Artistin und drei Artisten aus Brasilien, das Publikum in ihren Bann. Fänger und Flieger verbinden sich in einer aufregenden Show, in der nicht nur mutige Sprünge, Pirouetten und Passagen, sondern als Höhepunkt auch der dreifache Salto mortale zu sehen sind.

Ausgezeichnet in Monte Carlo

Im Zentralkäfig vereinigt der Tierlehrer Tom Dieck junior, dessen Vater und Großvater sich als Raubkatzen-Dompteure bereits einen Namen gemacht haben, zwei weiße Löwenmänner, zwei "Liger" (eine Paarung zwischen Löwe und Tiger) und vier Bengal-Königstiger zu einer der derzeit größten gemischten Raubtiergruppen. Die unterschiedlichen Temperamente der Liger, der weißen Löwen und der lebhaften Tiger sind in dieser Präsentation sehr gut zu beobachten. Für seine einfühlsame und trickreiche Vorführung wurde Tom Dieck beim bedeutendsten Circusfestival von Monte Carlo letztes Jahr mit dem Bronzenen Clown ausgezeichnet. Eine tempogeladene Rollschuh-artistik auf engstem Raum zeigt das italienische Duo Medini. Als gewiefter Tempojongleur lässt der Spanier Ives Nicols fünf große Bälle, vier Bumerangs, vier Keulen oder vier Hüte auf unterschiedlichen Bahnen durch die Luft fliegen.

Mit einem geradezu genialen Umgang mit seinen drei indischen Elefantendamen "Baby", "Mala" und "Jumba" beweist der Italiener Elvis Errani seine Klasse als Dresseur, die ihm beim Internationalen Circusfestival von Monte Carlo 2009 und in diesem Jahr den Bronzenen Clown eingebracht hat. Die Elefantendressur von Elvis Errani ist derzeit an Qualität am ehesten noch mit derjenigen von Sonny Frankello zu vergleichen.

Begleitet wird das Programm des Zirkus Charles Knie von einem geschmackvoll kostümierten Ballett, das auch ein traditionsbewusster Zirkusfreund nicht als zu aufdringlich empfinden dürfte. Der Portugiese Cesar Dias verkörpert als Repriseclown zwischen den einzelnen Nummern und auch in seinem Solo-Auftritt eine moderne Form dieser Branche, die auf jeden lauten Klamauk verzichtet.

Zirkus Charles Knie, Messe Freiburg, 25. August bis 2. September, täglich 16 und 20 Uhr, am Mittwoch nur 16 Uhr, Sonntag 11 und 16 Uhr. Tickets :15-33/10-28 Euro. http://www.zirkus-charles-knie.de