RÜCKBLICK 1967

eld

Von eld

Di, 29. August 2017

Freiburg

Schulkreuz-Zwillinge

Wie Pilze schossen vor 50 Jahren die Neubaugebiete in Freiburg aus dem Boden – die Stadt versuchte vor allem im Westen, durch Verdichtung und Erweiterung die Wohnungsnot zu bekämpfen. Mehr Bewohner brauchten auch mehr Schulen, so entstanden 1967 im Eilverfahren zwei Schulhäuser, die sich sehr ähnlich sahen: Die Paul-Hindemith-Schule nahe dem Seepark und die Adolf-Reichwein-Schule im Neubaugebiet Weingarten. Beide Häuser waren "Schulkreuze", auf den in der BZ nebeneinander montierten Fotos sahen sie beinahe wie Zwillinge aus. Beide Bauten hatten vier Flügel, die von einem Zentralbau ausgingen und dem Grundriss die markante Form eines Kreuzes gaben. In den drei Stockwerken hatten jeweils vier Klassenzimmer Platz. Das Baumodell "Schulkreuz" sei eigens für Freiburg entwickelt worden, berichtete die BZ, und zeichne sich auch dadurch aus, dass das Schulhaus schnell und rationell zu bauen sei. Denn die neuen Schulen würden "sehnlichst von den Bewohnern der neuen Blocks und Hochhäuser erwartet", so die BZ. Zum Schuljahresbeginn nach den Sommerferien sollten sie bezugsfertig sein.

Aussicht mit Gestank

"Es ist kein sehr ergötzliches Unternehmen, mit seinem Auto einen Ausflug zur Freiburger Müllkippe zu machen", berichtete die BZ im August 1967. Der von den Freiburgern eher gemiedene Fleck im Westen der Stadt nahe dem heutigen Flugplatz sorgte seinerzeit immer wieder für Unmut: Es stank, außerdem gerieten gärende Abfälle ab und an in Brand und hielten die Feuerwehr in Atem. Die Stadtverwaltung linderte die Belästigung für die Bewohner Mooswalds ein wenig, indem sie rund um die Müllkippe einen zehn Meter hohen Damm aus Aushubmaterial aufschüttete. Wer den beschwerlichen Weg durch Staub und Gestank auf sich nehme – und die Nase zukneife – komme in den Genuss eines Panoramas, das seinesgleichen suche. Kein Wunder sei es da, dass die Stadt überlege, langfristig einen Aussichtspunkt aus der Müllkippe zu machen: "Das wird jedoch noch einige Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern." Die Pläne wurden Realität: Heute, 50 Jahre später, kann man unbelästigt von Gestank und Müll auf dem Wolfsbuck flanieren und den Ausblick auf Freiburg genießen.

Parken am "Wilden Mann"

Noch immer zeugten im Sommer 1967 unbebaute Trümmergrundstücke von den Schäden des Krieges. Die Stadt nutzte die Flächen ganz pragmatisch: Weil im damals stark befahrenen Stadtzentrum Parkplätze fehlten, schüttete man die Grundstücke zu, planierte sie und erklärte sie zu Parkflächen. So geschah es etwa auch beim Grundstück des ehemaligen "Hauses zum Wilden Mann" am Augustinerplatz, das nun Platz für 22 Autos bot. Die benachbarte Justizbehörte freute es: Nun hatten ihre Mitarbeiter endlich Parkplätze.