Rücktritt im Doppelpack

Uwe Mauch

Von Uwe Mauch

Do, 12. Juli 2018

Freiburg

FDP-Stadträte Patrick Evers und Nikolaus von Gayling legen nach Dauerzwist ihre Mandate nieder und ermöglichen Generationswechsel.

FREIBURG. Mit einem radikalen Schnitt hat die FDP den Zwist zwischen ihren beiden Stadträten beendet: Patrick Evers und Nikolaus von Gayling legen ihr Mandat nieder. Schon in der Sitzung des Gemeinderats am 24. Juli sollen Sascha Fiek und Christoph Glück nachrücken. Vorausgegangen waren zahlreiche erfolglose Vermittlungsversuche der Parteiführung. Am Dienstag um 14 Uhr hatten beide ihren Rücktritt unterzeichnet – kurz vor der Sitzung des Gemeinderats, in der Vollzug gemeldet wurde. Parteichef Hartmut Hanke spricht von einem Neuanfang.

Die Situation am Dienstagabend war symptomatisch für die vergangenen Monate: Bei der Abstimmung im Gemeinderat über einen Zusatzantrag zur Quartiersarbeit (siehe Seite 27) stimmte FDP-Stadtrat Nikolaus von Gayling dafür und enthielt sich gleichzeitig, während Kollege Patrick Evers dagegen war. "Drei unterschiedliche Voten von zwei Stadträten bei einer Abstimmung", wundert sich ein Freiburger Liberaler.

Nachrücker wollen schlagkräftigere FDP

Seit geraumer Zeit schon "findet die FDP im Gemeinderat in vielen Bereichen nicht statt", wie Geschäftsführer Christoph Glück sagt. Bis zur Kommunalwahl im Mai 2014 hatten die Liberalen ein Quartett im Gemeinderat und somit Fraktionsstatus. Das heißt: mehr Geld, mehr Sitze in Ausschüssen und Aufsichtsräten. Doch vor vier Jahren halbierte sich die Zahl der Mandate. Übrig blieben Rechtsanwalt Patrick Evers, 65, und Forstwirt Nikolaus von Gayling, 76. Doch das Duo war sich häufig uneins – sowohl intern als auch nach außen. Sie hätten sich immer wieder neutralisiert, sagt Geschäftsführer Christoph Glück.

Knackpunkt war die Haushaltsberatung vor mehr als einem Jahr. Nikolaus von Gayling wollte eine eigene Haushaltsrede halten, was Finanzexperte Evers als Affront empfinden musste, da er seit vielen Jahren diese Rolle ausfüllt. Von Gayling gab zwar nach, brachte aber Evers mit eigenen Anträgen für höhere Zuschüsse an kulturelle Einrichtungen in Rage. Denn Evers hatte angekündigt, die FDP werde keine Anträge stellen, die höhere Zuschüsse fordern.

"Unterschiedliche Meinungen zu haben, ist kein Problem", sagt Patrick Evers, seit fast 29 Jahren im Gemeinderat. Doch die wechselnden und sprunghaften Abstimmungen gegen jede Vorberatung hätten nicht das Vertrauen gefördert. Seine Leidensfähigkeit sei überschritten gewesen. In der Mitgliederversammlung der FDP im Frühjahr kündigte er an, nicht wieder zur Kommunalwahl anzutreten.

Nikolaus von Gayling, seit 38 Jahren als Stadt- und Ortschaftsrat tätig, hätte hingegen mit dem Dissens leben können, wie er sagt. "Mir hat das weniger ausgemacht." Evers sei womöglich feinfühliger. Jedenfalls sei der völlig entnervt gewesen und habe sich regelrecht zurückgezogen, berichtet ein Insider.

Damit auch von Gayling zurückzieht, brauchte es mehr als sanften Druck des Parteivorstands. BZ-Informationen nach machte er beiden klar, dass sie nicht auf der Liste zur Kommunalwahl 2019 stehen würden. "Das sind zwei populäre Namen, die ein Pfund wären", sagt FDP-Vorsitzender Hartmut Hanke. Aber die Partei wolle einen Generationswechsel. Beide machten schließlich den Weg frei.

Eine "andere Atmosphäre und ein anderes Tempo" erhofft sich nun Christoph Glück, der in einem Monat 41 Jahre alt wird. Der Gastronom wird auch als künftiger Stadtrat vorerst noch Geschäftsführer bleiben. Da er mit Sascha Fiek inhaltlich übereinstimme, könne sich die FDP ganz anders nach außen positionieren.

Fiek, Chef der gleichnamigen Fahrschule und noch 43 Jahre alt, will nach vorne schauen und keine Schuldzuweisungen. Er war schon einmal Stadtrat: von 2009 bis 2014. Er ist der erste Nachrücker. Herta König und Hansjörg Dattler, denen eigentlich das zweite Mandat zustünde, haben aus Altersgründen abgewinkt.