Rund um die Uhr auf den Beinen

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 08. Juli 2013

Freiburg

Beim "24-Stunden-Lauf für Kinderrechte" erliefen 48 Teams knapp 45 000 Euro an Spenden.

Das Wetter war gut, nur ein bisschen zu heiß – und die 48 buchstäblich unermüdlichen Laufteams gaben konditionell alles beim neunten "24-Stunden-Lauf für Kinderrechte". Sie schafften zusammen rund 29 000 Sportplatzrunden und erliefen damit knapp 45 000 Euro an Spenden – ein neuer Rekord. Die Spenden kommen 33 Projekten für Kinder und Jugendliche zugute. Vergangenes Jahr brachte die Aktion 35 000 Euro ein.

Die große Uhr am Rand der Laufstrecke zeigt’s an: Die erste der 24 Stunden ist um. Es ist Samstagnachmittag, 17 Uhr, die Sonne knallt vom Himmel auf die rotbraune Laufbahn. Die Läuferinnen und Läufer lassen sich davon nicht aufhalten. Aber sie machen Pausen und geben so lange den Staffelstab an andere Teamkameraden weiter. Noah Seidel (10) und Jarno Hoja (8) treten für das Team der Wentzinger-Schulen an, obwohl sie erst zukünftig Wentzinger-Schüler sein werden. Noah hat sieben der 400 Meter langen Runden hinter sich, Jarno neun. Und die Hitze? Es gibt ja den Wassersprinkler: Der sprüht Wasser auf die Laufbahn, Noah und Jarno sind mittendurch gerannt. Jetzt holt sich Noah noch eine Grillwurst, danach geht’s weiter. Im Zelt neben dem Imbissstand stärken sich Tobias Bossert (23) und Daniel Gremmelspacher (15) mit Pommes und Currywurst. Die beiden sind Ordner, vom Team des Eisenbahner-Sportvereins, das einer der Kooperationspartner des städtischen Kinderbüros ist. Ihre erste Aufgabe haben sie schon erledigt: Sie haben vor dem Start die Autofahrer auf Parkplätze hingewiesen. Sie bleiben weiter da, auch nachts wollen sie die meiste Zeit im Einsatz sein, irgendwas gibt’s immer zu tun. Anja Twilligear, die Geschäftsführerin vom Stadtjugendring, der ebenfalls ein Kooperationspartner ist, war in den vergangenen zwei Jahren stets 24 Stunden mit dabei. Diesmal macht sie nachts acht Stunden Pause, weil sie schwanger ist. Ihr Stand bleibt natürlich immer besetzt, auch wenn sie weg ist. Hier gibt’s T-Shirts zu kaufen, und es können Wasserkisten gegen 5 Euro Pfand zurückgegeben werden. Anja Twillgear genießt ihre Zeit am Stand: "Es ist einfach schön, den Läufern zuzuschauen." Einige Zuschauer sehen ganz genau hin, so wie Melanie Schillinger. Erst spornt sie zwei Nachbarskinder an, dann ihren achtjährigen Sohn: "Nico, super!" Nico sprintet vorbei, in blauem T-Shirt und mit weißer Mütze, er wirkt sehr fit, obwohl er schon seit mehr als einer Stunde läuft – mit Pausen zwischendrin. "Er ist kaum zu bremsen, es macht ihm einen Riesenspaß", erzählt seine Mutter. Nico gehört zum Team des Jugendtreffs Waltershofen und ist zum ersten Mal dabei. Sogar seinen kleinen Bruder hat er angesteckt: Luis (fast 3) ist eine ganze Runde mitgerannt. Neben dem Wassersprinkler bilden sich inzwischen immer größere Pfützen auf der Laufbahn, aus den Boxen dröhnt Michael Jackson.

Zwei Stunden sind nun um, bald wird das Organisationsteam zum ersten Mal Stärkungen verteilen: Obst, Joghurt, Traubenzucker, gespendet von Sponsoren, vor allem von Firmen, die auch Beiträge für Läuferteams übernehmen. Für eine Runde werden frei wählbare Beträge zwischen 10 Cent und 2 Euro bezahlt, erzählt Anja Twilligear. Die Teams suchen sich ihre Sponsoren selbst. Manche Unternehmen schicken auch eigene Läuferteams. Und zusätzlich gibt’s Infos an den vielen Ständen. Zum Beispiel von Marion Bär vom interkulturellen Verein "Südwind", die Papierhandys aufgehängt hat. Sie weisen mit Infos auf die Ausbeutung von Kindern im Kongo hin, die in Minen schuften, um für die Produktion deutscher Handys Coltan-Erz zu gewinnen. Mit den Erlösen werden im Kongo Kriege finanziert.