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15. Dezember 2010 20:00 Uhr

Amtsgericht Freiburg

Semmelrogge fährt bekifft – und erfährt in Freiburg Milde

Der Volksmund würde sagen: bekifft und ohne Lappen. So war der Schauspieler Martin Semmelrogge im Januar auf der Autobahn im Breisgau unterwegs. Nun musste er in Freiburg vor Gericht – und bekam die mildestmögliche Strafe.

  1. Martin Semmelrogge musste sich vor dem Freiburger Amtsgericht verantworten. Foto: dpa

  2. Martin Semmelrogge musste sich vor dem Freiburger Amtsgericht verantworten. Foto: dpa

  3. Martin Semmelrogge musste sich vor dem Freiburger Amtsgericht verantworten. Foto: dpa

  4. Martin Semmelrogge musste sich vor dem Freiburger Amtsgericht verantworten. Foto: dpa

  5. Martin Semmelrogge musste sich vor dem Freiburger Amtsgericht verantworten. Foto: dpa

  6. Martin Semmelrogge musste sich vor dem Freiburger Amtsgericht verantworten. Foto: dpa

Schon wieder. Dieser Stoßseufzer begleitet den Mann, seit er denken kann. Ja, Martin Semmelrogge hat es schon wieder getan – und sieht deshalb auch angemessen zerzaust und zerknirscht aus im Saal V des Freiburger Amtsgerichts. Das wird Eintrag Nummer 30 auf seinem Bundeszentral-Kerbholz: Fahren ohne Fahrerlaubnis, dafür mit Tetrahydrocannabionol im Blut, der Volksmund würde sagen, bekifft und ohne Lappen. So haben sie ihn im vergangenen Januar früh um vier Uhr erwischt, zwar nicht beim Fahren, aber doch beim Tanken, am Rasthof Breisgau, die Streifenpolizistin Maren B. (28) und ein Kollege. Und, gute Güte, ja: "Es macht mich selber ganz fertig, dass meine Fans schon wieder diese schrecklichen Sachen über mich lesen müssen."

Seine Fans macht das auch ganz fertig. Denn Semmelrogge ist ein populärer Typ, dem sie viel lieber zulächeln und dem sie spontan helfen wollen, vor allem die Frauen. Zwar spielt er, wenn er auf der Bühne oder vor den Kameras steht, meistens einen Bösewicht, SS-Offizier, Piraten oder fiesen Pistolero, der Postkutschen überfällt, bevor ihn die gerechte Strafe ereilt. Aber im richtigen Leben tut Semmelrogge keiner Fliege etwas zuleide. Darum ist es allen hier eher peinlich, dem Staatsanwalt, der Richterin und dem Verteidiger, dass sie dem geständigen, reuigen kleinen Kerl auf der Anklagebank dies alles zumuten müssen, diesen Strafprozess.

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Und mit vereinten Kräften des großherzigen Rechtsstaats, das spüren die zahlreichen Prozessbeobachter bald, versucht man für den Delinquenten die mildestmögliche aller Bewährungsstrafen zu basteln. Wenn auch keinen Freispruch natürlich, denn, sorry, sorry, zwei Bewährungsfristen aus früheren Posten des Strafregisters sind ja nun leider auch noch offen.

Zumindest der Vorsatz ist schnell vom Tisch

Aber zumindest der Vorsatz ist schnell vom Tisch. Es geht nur noch um Fahrlässigkeit und um die Frage: Konnte der Schauspieler Martin Semmelrogge, 55, wohnhaft auf Mallorca, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, vorbestraft – konnte er wissen, dass sein Permiso de Conducción, der mallorquinische Führerschein, wie auch immer er den Spaniern den abgeluchst haben mag, in Deutschland nicht gilt? Denn nach den vielen Vorstrafen – die meisten davon haben mit Fahruntüchtigkeit, unerlaubtem Entfernen vom Unfallort, Fahren ohne Fahrerlaubnis zu tun – ist ihm sein deutscher "Lappen" 2009 entzogen worden. Je nun, der Schauspieler Semmelrogge, dem sein Rechtsbeistand Ferdinand Gillmeister energisch zur Rolle des Reumütigen geraten haben muss, er schließt nicht aus, dass er das hätte wissen können. Er fühlt sich durch einen früheren Anwalt falsch beraten. Es ist ihm alles ganz arg. Und er verspricht, "alles Erdenkliche zu tun, damit so etwas nicht wieder passiert."

Und was ist mit dem Cannabis? Der Streife damals, bestätigt die Polizistin, ist da auf Anhieb nichts aufgefallen. Die Beamten kontrollierten den Mann ursprünglich nur, weil sie seinen Leih-BMW im Fahndungscomputer fanden. Semmelrogge, der auf dem Weg nach München war, hatte ihn länger benutzt als verabredet. Aber ihr Kollege, sagt die Zeugin, habe eben einen "geschulten Blick" und sich an Presseberichte erinnert. Kurzum, dieser Mann, sie blickt zum Angeklagten, habe sich kooperativ gezeigt und sofort in den Drogentest eingewilligt – mit den Worten: "Ja gut, viel kann’s nicht sein."

"Es kommt die Absicht zum Ausdruck, dass er sich künftig botmäßig verhalten will." Anwalt Gillmeister
Es war auch nicht viel. Die THC-Werte im Blut lagen unterhalb der Ordnungswidrigkeit – diesmal. "Ich arbeite hart, stehe dreihundert Tage im Jahr auf der Bühne, ich bin bestimmt kein Dauer-User und fahre nicht bekifft", beteuert Semmelrogge. Wie es dann doch zu der positiven Probe kam, will Richterin Karen Heise wissen. Nun, man habe am Film "Katz und Maus" gedreht, erinnert Semmelrogge sich, dazu gehöre ein Grillabend, so müsse es gekommen sein. "Aber sie sagen uns jetzt nicht", wirft die Richterin ein, "dass das zu den Dreharbeiten gehörte!" Alles lacht, auch der Angeklagte.

"Die Abstände sind größer geworden", fasst Anwalt Gillmeister den Vormittag zusammen und meint die Einträge auf Semmelrogges Kerbholz. "Es kommt die Absicht zum Ausdruck, dass er sich künftig botmäßig verhalten will." Der Angeklagte nickt. Vier Monate auf Bewährung und 5000 Euro an einen gemeinnützigen Verein – darauf kann sich der Rechtsstaat einigen. Auf Rechtsmittel wird verzichtet, die Verhandlung ist geschlossen.

Semmelrogge, hernach umlagert von Kameras aus der ganzen Republik, grüßt seine Fans und sagt, wie schön es nun sein wird, Weihnachten zu feiern. Mit der Familie und den Hunden. "Und ohne diesen Mühlstein am Hals." Auf Mallorca.

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Autor: Stefan Hupka