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17. November 2009

Sie wird Freiburg fehlen

Sissi Walther-Kligler ist im Alter von 66 Jahren gestorben

  1. Sissi Walther-Kligler mit dem Bundesverdienstkreuz Foto: Thomas Kunz

Das Gemeinwesen Freiburgs ist um einen eindrücklichen Farbtupfer ärmer geworden: Am Sonntag starb Sissi Walther-Kligler im Alter von 66 Jahren. Noch im vergangenen Januar hatte Bundespräsident Horst Köhler der damals schon von ihrer Krankheit gezeichneten Freiburgerin das Bundesverdienstkreuz verliehen. Was der SPD-Bundestagsabgeordnete Gernot Erler "den klassischen Fall einer sinnvollen Ehrung" nannte.

In der Tat: Das ehrenamtliche Engagement der Diplom-Kauffrau ist beispielhaft für Freiburg und weit darüber hinaus. Als 1980 in der Stadt der Häuserkampf Schlagzeilen machte, gründete sie mit anderen eine Bürgengruppe, die die Lage erheblich entspannte. Mit ihrem "Politischen Salon" gab sie dem Querdenken in Freiburg Raum. Sissi Walther-Kligler betreute Flüchtlinge und ließ auch schon mal obdachlose Menschen bei sich zu Hause wohnen. Sie engagierte sich in der Hospizarbeit und versorgte Wohnungslose auf dem Stühlinger Kirchplatz im Winter mit wärmenden Decken und heißem Tee. Mit einer Spende ermöglichte sie den Bau eines Blockhauses für Wagenburg-Bewohner. Viele Jahre lang organisierte sie mit der Gruppe "Bürger helfen Bürgern" eine Weihnachtsfeier für bedürftige Menschen in der Stadt.

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Das Wirken der am 26. September 1943 in Freiburg geborenen eigenwilligen Frau ging jedoch weit über Freiburg hinaus. 1985 erzählten ihr ehemalige jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen, die das deutsche Lager im französischen Pyrenäen-Dorf Gurs überlebt hatten, von diesem Lager, in das 1940 unter anderem auch 361 jüdische Freiburgerinnen und Freiburger deportiert worden waren. Seitdem wurde Gurs zu einem "Teil meines Lebens". Dank ihres Einsatzes, für den sie die Ehrenmedaille der südfranzözischen Gemeinde erhielt, wurde das ehemalige Lager zu einer Gedenkstätte. Denn, sagte Sissi Walther-Kligler einmal in einem Gespräch mit der Badischen Zeitung: "Es ist wichtig, sich zu erinnern – nur so verschwindet das Leiden der Menschen nicht im Nichts."

Erinnerung an von Deutschen verübte Verbrechen und Versöhnung mit dem jüdischen Volk prägten auch ein anderes Engagement der Freiburgerin, die einst Schülerin der Maria-Hilf-Schule und des Goethe-Gymnasiums war: Als Freiburger Repräsentantin des Jüdischen Nationalfonds trug sie dazu bei, dass in der Negev-Wüste bei Scheer-Bewa der "Wald der deutschen Länder in Israel" heranwuchs – mit mehr als 10 000 Bäumen allein aus Freiburg. Ebenfalls ihr sind die Gedenktafeln am Gurs-Mahnmal auf der Wiwilí-Brücke und in der Synagoge zu verdanken. Und nicht nur deshalb wird Sissi Walther-Kligler Freiburg fehlen.

Autor: gmk