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15. Mai 2015 12:29 Uhr

Schüler experimentieren

Smarte Visionen: Wie sich Smartphones im Unterricht einsetzen lassen

Handys sind in Schulen eigentlich verboten – doch kaum einer hält sich dran. Jetzt testen Physik-Abiturienten mit einer Sondererlaubnis, was mit Smartphones im Unterricht möglich ist – und erklären’s auch den Lehrern.

  1. Johanna Kroll und David Heger vom Friedrich-Gymnasium haben mit Apps Radioaktivität gemessen und die Flugbahn von Schokoküssen berechnet – und bei der Ausstellung in der PH gezeigt, wie das geht. Foto: Ingo Schneider

  2. Das Experiment Schokokussschleuder, präsentiert auf dem Smartphone Foto: Ingo Schneider

Wie wirkt die Erdbeschleunigung? Wie fliegt ein Schokokuss und wie schwer ist man im Aufzug? Physik kann spannend sein, und noch spannender, wenn Schüler verbotene Gegenstände verwenden dürfen. "Smartphones haben so viel Potenzial", sagt Patrick Bronner, Lehrer am Friedrich-Gymnasium. Damit sein Physik-Leistungskurs zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur nicht in ein schwarzes Loch fällt, sollten sie was Neues ausprobieren. Bronner und Patrik Vogt von der Pädagogischen Hochschule planten, gaben den 16 Schülern Basisinfos und den Auftrag, ihre Ergebnisse in der PH vorzustellen. Das tun sie mit einer Messe. Ihre Stände sind umringt.

Mit Apps die Flugbahn von Schokoküssen auswerten

Am Stand von Johanna Kroll und David Heger steht eine Wurfmaschine. Mit der haben die 18-Jährigen einen Schokokuss abgeschossen, mit Smartphones gefilmt und die Flugbahn berechnet. "Das kann man in Apps auswerten", erklärt Heger. Mit den Anwendungen markierten sie auf jedem Einzelbild des Videos das Flugobjekt, gaben den Maßstab an, und die Anwendung lieferte Diagramme. Eigentlich Stoff der Mittelstufe – ohne Handy. "Das war unser Abschlussprojekt", erklärt Johanna Kroll zu drei Experimenten, die sie auf einem wissenschaftlichen Plakat samt QR-Codes für die Apps darstellen.

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Visionen eines Lehrers: Smartphones extra für den Unterricht

Chris Neuner lässt sich von Florian Bär und Jan Schoch Schwingungen eines Handys an einer Spiralfeder erklären und fotografiert das Messergebnis ab – mit dem Smartphone. Der 47-jährige Freiburger ist Lehrer in Ettenheim und neugierig auf die Ausstellung an seinem freien Tag, für die das Regierungspräsidium warb. "Das Nächste was ich mach: Ich probier das aus", sagt Neuner. Seine Vision: Der Rektor schafft zwölf Smartphones an, die nur Software haben, die’s für den Unterricht braucht.

"Manche Lehrer denken, Schüler spielen oder bescheißen nur." Jan Schoch
Jan Schoch hat mit dem Smartphone auch die Beschleunigung beim Motorradfahren gemessen und weiß, dass Handys Konfliktstoff in Schulen sind. "Manche Lehrer denken, Schüler spielen oder bescheißen nur." Doch er meint: Bei solchen Projekten würden die Schüler damit experimentieren.

Bronner hat auch mal welche beim Simsen erwischt und entdeckte weitere Herausforderungen beim Schulversuch, der temporär das Smartphone-Nutzen im FG erlaubt. Zwar haben fast alle Jugendlichen eins, aber für die anderen müsste die Schule welche kaufen, und auch Apps kosten teils Geld.

1500 Euro gab’s vom EU-Projekt Mascil, das an der PH angedockt ist und lebensnahen Unterricht fördert. Das FG zahlte Sensoren und stattete den Physiksaal mit WLAN aus, was Vorkehrungen gegen Missbrauch und Debatten um Strahlung nach sich zog. Es hat sich gelohnt, findet Bronner. Er hofft, dass der smarte Unterricht fest integriert wird.

Autor: Simone Höhl