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11. Mai 2009

Solidarisch gegen das "System des Todes"

Bischof Luiz Flávio Cappio erhielt den Kant-Weltbürger-Preis

  1. Luiz Flávio Cappio Foto: thomas Kunz

Für die Aula der Universität wahrlich ungewohnte Töne waren dort am Samstagmittag zu hören. Da wurde zusammen mit dem israelischen Friedensaktivisten Jeff Halper der brasilianische Bischof Luiz Flávio Cappio mit dem "Kant-Weltbürger-Preis" ausgezeichnet. Der Franziskaner nahm ihn jedoch nicht für sich entgegen, sondern für alle, die gemäß der Forderung des Philosophen Immanuel Kant leben: Dass ein Mensch so handeln sollte, wie er möchte, dass alle handeln sollten. "Diesem Kantschen Imperativ zu folgen, ist heute ein Akt revolutionären Handelns."

Denn, macht der Bischof der Diözese Barra im armen Nordosten Brasiliens deutlich, wo er um das Überleben der Millionen von Menschen entlang dem Rio São Francisco kämpft (unter anderem mit Fasten bis zum Zusammenbruch): "Was uns entmenschlicht hat, was die Natur zerstört, ist, dass wir uns an individualistischen und konsumistischen Grundsätzen ausrichten." Als Wurzeln des Systems von Rechtlosigkeit und Barbarei nennt Frei (Bruder) Luiz Flávio die freie Marktwirtschaft und das Dogma der Gewinnmaximierung, "die den Tod von Millionen Menschen in Kauf nimmt". Das sei politisch und ethisch nicht länger tragbar.

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Der 62-Jährige fordert deshalb, dem "System des Todes" neue Formen der Solidarität mit dem Leben entgegenzusetzen. "Damit die Armen in Frieden und Gerechtigkeit leben können." Sie nämlich seien die Weltbürger, "die diese Utopie in sich Fleisch und Blut haben werden lassen". Der von der Stiftung "Europas Erbe als Auftrag. Freiburger Stiftung zur Förderung eines kantischen Weltbürger-Ethos" verliehene Preis sei gerade zur rechten Zeit gekommen – als Unterstützung im Kampf gegen die von der brasilianischen Regierung geplante, verhängnisvolle Umleitung des Rio São Francisco.

Diesen Einsatz würdigte auch Staatsminister Gernot Erler in seiner Laudatio auf Bischof Luiz Flávio Cappio, der – sichtlich bewegt – die ihm zuteil gewordene Hälfte des Preises (7500 von 15 000 Euro) einem Denkmal "für unsere Märtyrer und Weltbürger" zukommen lassen will. Ganz im Sinne Immanuel Kants, in dessen Namen der Freiburger Preis zum dritten Mal verliehen wurde und der schon 1795 schrieb: "Da es nun. . . so weit gekommen ist, dass die Rechtsverletzung an einem Platz der Erde an allen gefühlt wird, so ist die Idee eines Weltbürgerrechts keine phantastische. . ."

Autor: gmk