Bürgerinformation zur Flüchtlingsunterbringung

Stadthalle wird Notunterkunft: Große Hilfsbereitschaft bei Bürgerinnen und Bürgern

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Do, 15. Oktober 2015 um 11:48 Uhr

Freiburg

Die Stadthalle in Freiburg wird zu einer Notunterkunft für Flüchtlinge umgebaut. Bis Mitte Dezember sollen dort bis zu 400 Asylsuchende unterkommen – im Idealfall jeweils nur einige Wochen.

Deswegen lud die Stadtverwaltung am Mittwoch Abend zu einer Bürgerinformation in die benachbarte Musikhochschule ein. Die Resonanz war groß: Rund 500 Bürgerinnen und Bürger wollten mehr über die Pläne wissen.
"Ich kann stolz sagen, dass das, was wir hier machen, besser ist als die Unterkünfte in der BEA." OB Salomon
Sie zeigten enorme Hilfsbereitschaft: Die etwa 300 Formulare des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee, auf denen man konkrete Hilfe anbieten kann, reichten bei weitem nicht für alle Interessierten.

Oberbürgermeister Dieter Salomon stellte die Notaufnahme vor: "Ich kann stolz sagen, dass das, was wir hier machen, besser ist als die Unterkünfte in der BEA." Maximal 400 Flüchtlinge sollen hier unterkommen. In der Halle selbst werden Boxen für Privatsphäre sorgen; auf den Emporen sind besonders geschützte Bereiche. Derzeit werden 38 neue Duschmöglichkeiten auf der ehemaligen Bühne installiert, Toiletten sind bereits vorhanden. In der ehemaligen "Freiburg Bar" wird eine Kantine eingerichtet. In der Halle wird es auch Räume für Begegnungen, Nachbarschaftshilfe und Kinderbetreuung geben.

Betrieben wird die Unterkunft vom Roten Kreuz

Die Notunterkunft wird vom Deutschen Roten Kreuz Freiburg betrieben. Kreisgeschäftsführer Wolfgang Schäfer-Mai ist zuversichtlich, die Aufgabe mit professionellen Strukturen und zusammen mit Helfern aus den umliegenden Stadtteilen zu schaffen. Auch der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee macht mit: Mit sechs bis acht Helfern werde man ständig vor Ort sein, sagte dessen Vorsitzender Hans Lehmann.

In der anschließenden Diskussion waren viel Hilfsbereitschaft und einige Sorgen zu hören. Ausreichende Beleuchtung an der Schützenallee und Sauberkeit rund um die Einrichtung, vor allem in den Parks, mahnten Bürger an. Von der Angst, nachts heimzukommen und vor der Stadthalle auf Flüchtlinge zu treffen, sprach eine junge Frau. Wird die Polizei verstärkt Streife fahren? Wird es genügend Betreuer geben? Was sollen die Flüchtlinge den ganzen Tag lang tun?

Salomon und Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach gingen auf alle Fragen und Ängste ein und versprachen, sie so weit wie möglich zu berücksichtigen. "Letztlich müssen wir den Umgang miteinander erst lernen", meinte OB Salomon, und "ich würde mir wünschen, dass ihre Neugierde größer ist als ihre Sorge", sagte Werner Hein, Leiter des Amtes für Wohnraumversorgung.

Die Nachbarn wollen sich engagieren

Die meisten der anwesenden Bürger jedoch signalisierten Offenheit und Hilfsbereitschaft. "Man könnte ein Nähzimmer einrichten", schlug eine ältere Dame vor – eine Idee, die Schäfer-Mai sofort aufgriff. "Wir freuen uns auf unsere neuen Nachbarn und möchten zusammen Musik machen", sagte ein Student der Musikhochschule. "Man könnte ein Zelt vor der Halle aufstellen, für zwanglose Begegnungen", meinte eine Frau, die sich auch an der Spontanhilfe vor der BEA in der Lörracher Straße beteiligt. Bürgervereinsvorsitzender Lehmann versprach, die Ideen und Hilfen zu koordinieren. Der Oberbürgermeister dankte zum Schluss für die vielen Angebote: "Die Freiburger sind neugierig, sie sind offen. Wenn eine Stadt das Flüchtlingsproblem hinkriegt, dann Freiburg."
Weitere Infos

Notfallunterkünfte: Notfallunterkünfte sind quasi für den "Überlauf", wenn die regulären Standorte für Flüchtlinge voll sind. Es gibt vier davon: die Stadthalle (200-400 Plätze), ein ehemaliges Bürogebäude an der Waltershofener Straße (150), die Turnhalle Opfingen (80) und die Zelte auf dem ZMF-Gelände (250-300).
Wohnheime und andere Unterkünfte: Hier kommen die Flüchtlinge unter, die der Stadt vom Land zugewiesen werden. Derzeit gibt es in Freiburg sieben bestehende Wohnheime und vier andere Gebäude für Flüchtlinge. Geplant sind weitere zwölf, davon vier größere. Außerdem sind Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht. Mitte Oktober 2015 gab es insgesamt 2300 Flüchtlinge in Freiburg.
BEA: Die BEA ist eine provisorische Landeserstaufnahmestelle, die vom Land betrieben wird und wo für kurze Zeit unregistrierte Flüchtlinge untergebracht werden. Diese Flüchtlinge werden irgendwann registriert und dann auf Städte und Gemeinden im Land verteilt.

Mehr zum Thema: