Bauarbeiten

Start der Renaturierung: Mehr Freiheit für die Dreisam

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Mi, 14. Mai 2014 um 20:18 Uhr

Freiburg

Das enge Flussbett wird geweitet, 35.000 Kubikmeter Erde werden bewegt: In Freiburg haben die Bauarbeiten für die Renaturierung des Flusses begonnen – der hinterher ganz anders aussehen wird.

Raus aus dem Korsett, rein in die Freiheit: Mit diesem Bild verglich Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer am Mittwoch das, was in den kommenden Monaten mit einem 900 Meter langen Abschnitt der Dreisam im Osten der Stadt passieren soll. Das enge Flussbett wird aufgeweitet, die Dreisam soll wieder ursprünglicher werden. Bezahlt wird das 900.000 Euro teure Projekt von der Deutschen Bahn AG. Auch der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee begrüßt die Renaturierung, hat aber über die zukünftige Nutzung eine andere Meinung als die Stadtverwaltung.

Die Bagger stehen schon bereit, nun kann es endlich losgehen. Der eigentliche Baubeginn hat sich zwar noch einmal etwas verzögert, insgesamt habe aber noch vor ein paar Jahren niemand damit gerechnet, dass das Projekt überhaupt so rasch über die Bühne gehen könnte, erinnerte sich Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik gestern beim Spatenstich. Dies sei erst durch die Kostenübernahme der Bahn möglich geworden. Die Deutsche Bahn AG schafft durch die Renaturierung der Dreisam schon jetzt einen ökologischen Ausgleich für das dritte und vierte Gleis der Rheintalbahn, das erst in einigen Jahren gebaut wird.

Im Herbst soll’s fertig sein

Wenn im Oktober die Arbeiten an der Dreisam fertig sind, wird der Bereich zwischen Sandfangweg und Jugendherberge völlig anders aussehen als jetzt. Der Fluss wird fast doppelt so breit sein wie bisher, er darf sich zukünftig bis auf die Kartauswiesen ausdehnen. Dafür wird die Böschung abgeflacht. Die Bäume sollen bei künftigen Überschwemmungen wie kleine Inseln wirken.

Bei Niedrigwasser entstehen große Schotterflächen. Eine Gefahr für die Fische gebe es dadurch aber nicht, betonte Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer: Die Überschwemmungsbuchten würden aufgeschüttet und lägen höher als das eigentliche Flussbett. Dadurch sammelt sich bei Niedrigwasser die Dreisam nach wie vor in den bisherigen Bereichen.

Bagger lassen keinen Stein auf dem anderen

Bis es so weit sein wird, lassen die Bagger jedoch kaum einen Stein auf dem anderen. 35.000 Kubikmeter Erde würden in den kommenden Monaten bewegt, erklärte Sven Adam von der Deutschen Bahn.

Das sehe im ersten Moment zwar nicht schön aus, sagte Schäfer, langfristig verbessere sich die Situation aber maßgeblich: "Ökologisch ist das ein großer Gewinn." Die Artenvielfalt werde sich erhöhen, Lebewesen sollen sich in der Dreisam zukünftig heimischer fühlen. Aber auch für den Menschen habe das Projekt Vorteile, sagte Schäfer. Der Hochwasserschutz verbessere sich und das Naherholungsgebiet werde noch reizvoller als bislang.

Natur soll auch ihre Ruhe haben

Zur neuen Spaßzone soll der Dreisamabschnitt allerdings nicht werden: Die Erholungsbereiche werden sich auf zwei Gebiete am Sandfangweg und am Ottiliensteg konzentrieren, dazwischen soll die Natur in Ruhe gelassen werden. "Wir hoffen, dass die Nutzer dies auch akzeptieren und achtsam mit dem Fluss umgehen", sagte Schäfer. Aber auch in den Freizeitzonen soll es keine größeren Bauten geben, betonte Stuchlik.

Auch feste Grillplätze lehnt die Stadtverwaltung ab. Das hält der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee für unrealistisch. "Die Feuerstellen werden kommen, egal ob sie geplant sind oder nicht", sagte der Vorsitzender Karl-Ernst Friederich am Rande des Spatenstichs gegenüber der Badischen Zeitung. Und wilde Grillplätze seien viel problematischer. Auch das Müllproblem sieht er noch nicht als gelöst an.
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