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06. Oktober 2009
Statt Behüten ist nun Befähigen dran
Vor 100 Jahren kümmerte sich der "In Via"-Verband für Mädchensozialarbeit um Dienstmädchen, heute um den Berufseinstieg
Die Fotos scheinen aus anderen Welten zu stammen: Eine Helferin der Bahnhofsmission, die zwei junge Mädchen mit großen Koffern am Bahngleis empfängt. Eine Nähstube, in der junge Frauen Schneidern lernen. Kinder, die von Frauen betreut werden. Alles in Schwarzweiß, aus längst vergangenen Zeiten. Sie zeigen Momente aus der Arbeit von "In Via", dem katholischen Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit, der jetzt 100 Jahre alt wird.
Es war tatsächlich eine andere Welt, in der mit verschiedenen Initiativen unter dem Dach von "In Via" alles anfing: Damals um 1909, als sich – in Freiburg und anderswo – "Mädchenschutzvereine" gründeten, um Mädchen und Frauen zu unterstützen, die in die Städte zogen, weil sie Arbeit suchten. Frauen aus dem wohlhabenden Bürgertum begannen, sich für diejenigen zu engagieren, die sich – ganz anders als sie selbst – durch unbehütete Gegebenheiten kämpfen mussten.Die Bahnhofsmission betreute Neuankömmlinge, die erst in "Mägdeheime" und Klöster und später in eigene Wohnheime vermittelt wurden, auch eine Stellenbörse entstand. Nach dem ersten Weltkrieg nahm die Not vieler Mädchen und Frauen zu. Der Freiburger "Verein St. Marienhaus" gründete ein Heim mit 22 Betten "zur Linderung der Obdachlosigkeit". Nach dem zweiten Weltkrieg lag ein weiterer Schwerpunkt auf der Unterstützung von Mädchen und Frauen aus Flüchtlingsfamilien. Und heute? Von den ursprünglichen Arbeitsfeldern ist scheinbar fast nichts mehr übrig – abgesehen von der Bahnhofsmission. Sie ist nach 100 Jahren immer noch gefragt, wenn auch mit anderen Aufgaben, die sich "In Via" in ökumenischer Zusammenarbeit mit der Evangelischen Stadtmission teilt.
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Aber eine Grundlinie der "In Via"-Arbeit ist ein Jahrhundert lang aktuell geblieben: Der Einsatz für diejenigen Mädchen und jungen Frauen, die an den Rand gedrängt werden. Statt der Dienstmädchen von früher stehen heute in einer Gesellschaft, in der sich die Geschlechterrollen einander annähern, überwiegend weibliche Jugendliche mit ihrem Start ins Berufsleben im Mittelpunkt. Statt ums Behüten geht es jetzt ums Befähigen. Denn seit den 1970er Jahren verschärft sich die Situation zunehmend, sagt Barbara Denz, die Freiburger "In-Via"-Diözesangeschäftsführerin: Längst ist es auf einem hart umkämpften Arbeitsmarkt eine Herausforderung, die Übergänge von Schule, Ausbildung, Beruf hinzukriegen.
Darum setzt "In Via" auf Schulsozialarbeit, Qualifizierung in der Jugendberufshilfe, gezielte Unterstützung beim internationalen Mädchen- und Frauentreff und beim "Girl’s Day"– und immer stärker auch auf Zusammenarbeit mit Unternehmen. Ohnehin muss, wie bei allen sozialen Verbänden und Initiativen, ein immer größerer Teil der Arbeitszeit statt in Sozialarbeit in Kontakte und die eigene Präsentation investiert werden. Denn die Finanzierung läuft – neben Kirchensteuern mit einem Anteil von rund 35 Prozent sowie 40 Prozent öffentlichen Mitteln – immer mehr über befristete Projekte, deren Finanzierung dauernd neu gesichert werden muss. Das war schon mal anders und besser, bilanziert Barbara Denz: Es gab in der langen "In Via"-Geschichte Zeiten, als sich für jedes nötige Angebot auch mühelos eine stabile Finanzierung fand.
100 Jahre "In Via": Öffentlicher Gottesdienst mit Weihbischof Bernd Uhl am Mittwoch, 7. Oktober, 14.30 Uhr, im Münster. Festakt (für geladene Gäste) ab 16.15 Uhr, Katholische Akademie, Wintererstraße 1.
Autor: Anja Bochtler
