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24. September 2016

Stöbern, lesen, Tee trinken

"’s Einlädele", das Café Satz und sein Buchantiquariat sichern Hilfsprojekte in der Ukraine.

  1. Volker Höhlein (rechts) und sein Leitungsteam. Foto: ingo schneider

  2. Volker Höhlein (rechts) und sein Leitungsteam Foto: ingo schneider

Viel Geschirr, Hüte, Blusen, Lampen, Karten: Im "’s Einlädele" in der Guntramstraße sind alle von einem bunten, gemütlichen Sammelsurium umgeben. Wer hier einkauft, unterstützt soziale Projekte in der Ukraine. Vor allem 55 Waisen- und Straßenkinder, die im "Vaterhaus" in Kiew ein Zuhause finden, 36 alte Menschen im Seniorenzentrum in Vatutino und Hilfstransporte, die monatlich in die Ukraine starten. Ähnlich hatte vor 25 Jahren alles angefangen, einiges kam dazu: Seit vier Jahren ziehen das gegenüberliegende "Café Satz" und das Buchantiquariat neue Kunden an.

Lange war das christliche "’s Einlädele" nicht ohne sie denkbar: "Schwester Inge", die Diakonissenschwester Inge Kimmerle, hatte den Secondhandladen 1991 gegründet und war dort für alle, die sich das wünschten, immer ansprechbar. Denn neben dem Verkaufen ging’s hier von Anfang an auch um Seelsorge. Inge Kimmerle hatte das Projekt damals nicht geplant, im Gegenteil: Sie fühlte sich nach 14 Jahren Aufbauarbeit als Gemeindediakonin in der damaligen Paulusgemeinde ausgebrannt, war in einer Krise.

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Was ihr jedoch Kraft gab, war die Unterstützung eines Missionspaars in Kamerun, und als das Paar Kamerun verließ, brauchten stattdessen ukrainische Ingenieure, die Freiburg besuchten, Hilfe. So ergaben sich die ersten Kontakte in die Ukraine, erzählt Volker Höhlein. Er ist seit sieben Jahren Geschäftsführer des "’s Einlädele" – damals nach Inge Kimmerles Umzug nach Berlin übernahm die Evangelische Stadtmission das Projekt. Wenn jetzt das 25-Jahre-Jubiläum gefeiert wird, ist Inge Kimmerle, inzwischen 77 Jahre alt, mit dabei: Sie kommt aus Berlin zu Besuch. Was sie einst aufgebaut hat, steht auf soliden Füßen – Volker Höhlein war in den vergangenen sieben Jahren bereits 17 Mal selbst in der Ukraine, neben den monatlichen LKW-Lieferungen mit Lebensmitteln sichern die Freiburger Einnahmen, Spenden und feste Patenschaften für Kinder und Senioren die Existenz des Kinder- und Pflegeheims und mehrerer dazu gehörender Einrichtungen.

Volker Höhlein will die Unterstützung Richtung Osten ausweiten und einigen Familien in einer Gemeinde, zu der er gute Kontakte hat, helfen: Sie haben bis zu sieben Straßenkinder bei sich aufgenommen. Neue Perspektiven gibt’s auch für einzelne Jugendliche, die im "Vaterhaus" erwachsen geworden sind – demnächst kommen zum vierten Mal zwei junge Frauen von dort mit dem Internationalen Freiwilligendienst und helfen ein Jahr im "’s Einlädele" und im Café Satz mit. Bis vor kurzem war dort auch Artjom Bulakh im Einsatz, dem die Helfer aus Freiburg als Kind nach einem schweren Unfall Operationen an der Uniklinik ermöglicht hatten. Dafür, dass im Laden, im Café und im Antiquariat alles klappt, sorgen rund 60 Ehrenamtliche: Sie verkaufen, backen Kuchen und sind einfach da.

Jubiläumsfeiern: Am Samstag ab 20 Uhr mit dem Brass-Quintett "Academy" aus Kiew in der Herz-Jesu-Kirche, Stühlingerstraße 74. Der Eintritt ist frei, um Spenden zugunsten der Projekte des "’s Einlädele" wird gebeten. Am Sonntag, ab 14.30 Uhr: Gottesdienst "Jauchzet dem Herrn alle Welt" in der Herz-Jesu-Kirche, mit der "’s Einlädele"-Gründerin Schwester Inge Kimmerle. Parallel zum Gottesdienst gibt’s ein Kinderprogramm, dann Getränke und Kuchen.

Autor: Anja Bochtler