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23. Februar 2011 21:47 Uhr
Unterschriftensammlung
Studenten und Rektor einig: Miserable Bedingungen an der PH
Überfüllte Seminare, unverschuldet lange Studienzeiten: Die Studenten der PH finden die Bedingungen an der Hochschule miserabel– und sind damit auf einer Linie mit ihrem Rektor. Zum fehlenden Geld kommen organisatorische Probleme.
"Derzeit fehlen etwa eine Million Euro jährlich im Haushalt", bemängelt der Student Sebastian Müller. 15 Stellen im wissenschaftlichen Mittelbau blieben unbesetzt. Innerhalb von zwei Wochen sammelte er 500 Protestunterschriften von seinen Mitstudierenden, die an den CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Schüle überreicht wurden. Allerdings ist das fehlende Geld offenbar nur ein Teil des Problems. Dahinter verbergen sich auch organisatorische Schwierigkeiten.
Simon Rösch, der Englisch und Mathe studiert, hat es gerade erst erlebt, dass ein Seminar ausgefallen ist, das er erst im nächsten Semester nachholen kann. Kurzerhand sei daraus eine zusätzliche Vorlesung für Erstsemester gemacht worden, weil die ursprüngliche "komplett überfüllt" gewesen sei. "Wegen der fehlenden Seminarplätze können wir nicht das studieren, was wir bräuchten, um in der Regelstudienzeit fertig zu werden", bemängelt Janna Schulz von der Studierendenvertretung. "Es sei denn, wir betreiben Bulimie-Lernen." Statt der vorgesehenen 20 gegen Ende 35 Wochenstunden mit so viel Lernstoff voll packen, dass er gar nicht mehr verdaut werden könne. Wer die Regelstudienzeit nicht schafft, hat keinen Anspruch mehr auf Bafögmittel. Janna Schulz kennt etliche, denen das widerfahren ist. "Einzelne Fächer sind bis zu 197 Prozent ausgelastet", behaupten die Studierenden.
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Rektor Professor Ulrich Druwe gibt ihnen Recht. Er zählt eine Reihe von "Modefächern" wie Biologie, Geografie, Hauswirtschaft, Geschichte auf, die teilweise tatsächlich "so was von überlaufen" seien. Biologie zum Beispiel studieren derzeit 900 Lehramtsanwärter. Versorgt werden sie von zwei Professoren, drei akademischen und einigen über Forschungsprojekte finanzierten Mitarbeitern, die auch für die Lehre eingesetzt werden, sowie über Lehraufträge. Wenig nachgefragt dagegen seien Fächer wie Chemie, Physik oder Sport. Das Problem an der PH: Einen Ausgleich zwischen den etwa 20 Fachgebieten an der gesamten Hochschule über Zulassungsbeschränkungen zu einzelnen Fächern herzustellen, ist weder gesetzlich vorgesehen noch hält Druwe das organisatorisch ohne weiteres für machbar.
Die PH kann nur die Zulassung zu den unterschiedlichen Lehramtsstudiengängen wie Grund- und Hauptschule oder Realschule beschränken, was sie auch fleißig tut: Von 3500 Bewerbungen jährlich werden nur 650 Studienanfänger zugelassen. Die müssen aber nicht nur drei Fachgebiete belegen, sondern auch Psychologie und Erziehungswissenschaft. Sie bewerben sich also insgesamt um fünf Fächer, was das Zulassungsverfahren sehr komplex mache. Schließlich sollten auch alle Kapazitäten ausgelastet sein. "Wirklich plan- und steuerbar ist das kaum", zeigt Druwe sich ratlos. Zumal nicht absehbar sei, wie studentisches Fächerwahlverhalten sich verändere.
Die gröbsten Engpässe vorübergehend beseitigen könnten zusätzliche Lehraufträge, die allerdings wenig Kontinuität beinhalten. Und für die überdies das Geld knapp sei. Die Einführung der Geschwisterregelung bei den für die Lehre gedachten Studiengebühren hat die PH Freiburg besonders hart getroffen: Einen Rückgang um 45 Prozent hat sie hinnehmen müssen. Vor drei Jahren standen ihr noch 3,4 Millionen Euro zur Verfügung. Freie Professorenstellen gibt es auch nicht. Die sind gerade mit einer neuen Generation von Lehrenden besetzt worden.
In der Not will die PH als eine Art Pilotprojekt jetzt doch eine Zugangsbeschränkung in den am meisten überfüllten Fächern (Biologie, Geographie, Geschichte) ausprobieren. So jedenfalls ist es zu Beginn dieser Woche in einem Gespräch mit einem Vertreter des Kultusministeriums und Studierenden vereinbart worden. Den Interessenten sollen stattdessen Ersatzangebote gemacht werden. Ansonsten hofft Professor Druwe, dass die Studierenden sich bei der Fächerwahl künftig mehr an dem orientieren, was in den Schulen am meisten gebraucht wird.
Autor: Anita Rüffer
