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10. Januar 2012

Gesellschaft

Tamile aus Sri Lanka wartet auf sein Bleiberecht - seit fast 10 Jahren

Er führt ein Leben wie viele andere: Jeden Tag geht Koneswaran Shanmugalingam, 36 Jahre alt, zur Arbeit, in seiner Freizeit macht er Musik, spielt Fußball, im Sommer liebt er lange Radtouren. Alles ganz normal? Nicht wirklich – denn sein Leben ist eines auf Abruf.

  1. Koneswaran Shanmugalingam Foto: Michael Bamberger

Vor fast zehn Jahren ist Koneswaran Shanmugalingam als Tamile aus Sri Lanka geflohen, bis heute ist unklar, wo er auf Dauer eine Heimat finden wird. Im Herbst hat er einen Antrag auf Bleiberecht bei der Härtefallkommission des Ministeriums für Integration in Stuttgart eingereicht.

Seine Träume: Koch werden. Und irgendwann eine eigene Familie. Koneswaran Shanmugalingam kocht viel und sehr Verschiedenes, am liebsten aber doch immer noch typisch Tamilisch – Reis mit Gemüse und Hähnchen, scharf gewürzt. Er arbeitet schon lange in Restaurants, hilft in der Küche nicht nur beim Kochen, sondern bei allem, was anfällt: er schneidet Gemüse, räumt Geschirr in die Spülmaschine, hält alles sauber. Doch eine Ausbildung zum Koch konnte er trotz seiner jahrelangen Erfahrung nie beginnen.

Koneswaran Shanmugalingam weiß seit seiner Ankunft in Freiburg im Jahr 2002 nie, wie es mit ihm weitergeht. Sein Asylverfahren zog sich – nach einer Klage gegen die erste Ablehnung – neun Jahre lang hin. Im Sommer kam dann endgültig die schockierende Nachricht, mit der er nicht gerechnet hatte: Wieder eine Ablehnung. In der Zwischenzeit hatte sich sein Bruder vor dem Verwaltungsgericht einen Aufenthaltsstatus erkämpft, seine Schwester hatte geheiratet, und irgendwie hatte auch Koneswaran Shanmugalingam endlich auf eine Perspektive für sich gehofft.

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Stattdessen geht die Ungewissheit nun wieder weiter – und auch das belastende Leben in der Flüchtlingsunterkunft an der Bissierstraße. Mit drei Männern teilt er sich dort ein Zimmer, nach den deutschen Gesetzen stehen jedem Bewohner 4,5 Quadratmeter zu. Dafür bezahlt Koneswaran Shanmugalingam 150 Euro Miete im Monat.

Manchmal passiert es, dass er morgens aufwacht und in alten Zeiten versinkt: Dann glaubt er für ein paar Momente, seine Eltern wären wieder da. Sie waren 2002 mit ihren drei Kindern gemeinsam geflohen, doch inzwischen sind sie – nach jahrelanger schwerer Krankheit – gestorben, beide kurz hintereinander.

Seitdem ist Koneswaran Shanmugalingam ein Stück einsamer geworden, obwohl er in Freiburg viele Freunde hat: Er spielt Fußball, macht Musik beim tamilischen Kulturverein und ist im Sommer viel auf dem Rad unterwegs.

Er liebt die Schwarzwaldlandschaft, gefühlsmäßig ist sie längst zu seiner Heimat geworden. Und er ist hier beliebt, wird geschätzt von allen, die mit ihm zu tun haben, 250 Menschen haben sich auf einer Unterschriftenliste für ihn eingesetzt. Sein Chef hatte ihm bereits wenige Wochen, nachdem er ihn eingestellt hat, im Mai einen unbefristeten Arbeitsvertrag gegeben und lobt ihn in einer Beurteilung für den Härtefallantrag in den höchsten Tönen.

Und wie geht es nun weiter? Koneswaran Shanmugaligam wartet – wie immer seit fast zehn Jahren. Die neunköpfige Härtefallkommission prüft im Jahr rund 100 Anträge, momentan sei einiges abzuarbeiten, sagt Joachim Pampel vom Ministerium für Integration. Neben dem Antrag von Koneswaran Shanmugalingam kommen noch zwei andere Anträge aus Freiburg.

Etwa ein halbes Jahr dauert es, bis entschieden wird, zurzeit geht die Hälfte der Anträge positiv aus. An eine Abschiebung sei selbst bei einer negativen Entscheidung wegen der Situation in Sri Lanka derzeit nicht zu denken, sagt ein Sprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Derzeit – eine Zukunft planen lässt sich damit nicht.

Autor: Anja Bochtler