Träger wollen Quartiersarbeit weiter behalten

Joachim Röderer

Von Joachim Röderer

Fr, 23. September 2016

Freiburg

Verschiebung der Abstimmung im Gemeinderat gefordert .

Die neun freien Träger, die in zwölf Quartieren für die Quartiersarbeit zuständig sind, wollen diese Aufgabe weiter behalten. So wehren sich gegen den Vorschlag der Stadtspitze, die Quartiersarbeit in die Stadtverwaltung einzugliedern. Kritik äußern die Träger auch am vorliegenden Gutachten, das teil fehlerhaft sei. Und den Trägern fehlt auch eine klare Beschreibung, wie Gemeinwesensarbeit in Freiburg aussehen soll.

Zu viel Wildwuchs, zu wenig Zielvorgaben und Standards, zu wenig Effizienz – das waren die Kernvorwürfe, welche die Gutachter gegen die Stadtverwaltung und gegen die Träger der Quartiersarbeit gerichtet hatten. Sie raten zur Kehrtwende und zur Kommunalisierung. Das stößt auf heftigen Widerspruch der Träger, allesamt eingetragene Vereine, die auch schon erste Gespräche mit den Fraktionen geführt haben. Erstes Ziel, so sagt es Christian Himmelsbach vom Jugendtreff Brühl-Beurbarung e. V. Zeit für die notwendige Diskussion zu gewinnen. Deswegen könne der Gemeinderat auch nicht schon am 18. Oktober abstimmen.

Der Vorstoß aus dem Rathaus hat die Betroffenen überrascht bis geschockt – sie hatten sich darauf verlassen, dass vor der öffentlichen Vorstellung des Gutachtens erst intern über die Ergebnisse und Befunde gesprochen wird. Dies sei fest zugesagt gewesen.

Die Heterogenität der Quartiersarbeit sehen die Träger als Stärke für Freiburg. Sie verweisen auf die anerkannt gute Arbeit – und darauf, dass sie vom Rathaus immer wieder erfolglos Zielvorgaben gefordert hätten. Es gebe keinen Grund, ihnen den Auftrag zu entziehen. Eine Weiterentwicklung des bestehenden Modells sei möglich – auch ohne Kommunalisierung. Die Diskussion über Strukturen stehe aber erst am Ende. Es dürfe bei den Modellen keine Denkverbote geben, so Himmelsbach. Eines ist für die Träger entscheidend: Werde die Quartiersarbeit städtisch, schade dies dem ehrenamtlichen Engagement, das die Trägervereine auch organisieren. Die Quartiersarbeit leide insgesamt – weil sich das Vertrauen der Bewohner gerade auf der Unabhängigkeit der Quartiersarbeit von der Stadtverwaltung fuße.