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14. Juni 2011
Umstrittene Partnerschaft
Zehn Jahre Beziehung Isfahan.
Es ist ein besonderes Jubiläum: Zehn Jahre alt ist die Städtepartnerschaft zwischen Freiburg und der iranischen Stadt Isfahan – und mindestens so umstritten wie am Anfang. Um einige der Streitpunkte ging’s bei einer Diskussion im BZ-Haus. Podiumsgäste waren Barbara Lochbihler, die grüne Abgeordnete im Europa-Parlament ist und früher Generalsekretärin der deutschen Sektion von Amnesty International war, und Hubertus Fehrenbacher, Leiter des Theaters im Marienbad, das in regem Austausch mit Künstlern aus Isfahan steht.
Seit 2005 laufen die Diskussionen mit einer besonderen Schärfe. Damals wurde die offizielle Ebene der einzigen deutsch-iranischen Städtepartnerschaft aufgrund der politischen Entwicklungen im Iran auf Eis gelegt. Sollte dieser Kontakt jetzt komplett abgebrochen werden, um den Druck auf das iranische Regime zu erhöhen? Auf die erste Frage von BZ-Politikredakteurin Annemarie Rösch, die das Gespräch an diesem Abend moderiert, kommen klare Antworten vom Podium: auf keinen Fall. Die Regierung sei völlig resistent auch gegen viel höheren Druck, sagt Barbara Lochbihler.
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Die nicht-offizielle Ebene des Austauschs aber sei äußerst lebendig, bilanziert Hubertus Fehrenbacher, der immer wieder betont: Von den Kontakten zwischen den Künstlern und der Zivilbevölkerung profitieren beide Seiten – die Freiburger genauso wie die Isfahaner. Umso mehr wehrt er sich gegen alle Tendenzen, dem Iran irgendetwas überstülpen zu wollen. "Wir sind, nur weil wir Europäer sind, nicht dazu auserwählt, uns hinzustellen und zu fragen: ‘Was machen wir mit dem Iran?’" Von außen könne keine Veränderung erzwungen werden, sie müsse von innen kommen, betont auch Barbara Lochbihler. Wichtig sei es, diejenigen im Land zu stärken, die dazu beitragen wollen – statt sie zu isolieren. Dringend nötig wäre es auch, denen, die fliehen müssen, Zuflucht zu bieten: "Doch das tun wir nicht." Bisher habe sich die deutsche Regierung nur zur Aufnahme von 50 iranischen Flüchtlingen bereit erklärt, "das ist sehr wenig."
Einfache Lösungen sind nicht in Sicht, das Bild, das die zwei Podiumsgäste von der derzeitigen Lage im Iran skizzieren, ist düster. Die Trennung zwischen Öffentlichem und Privatem habe sich zugespitzt, die Menschen seien in eine Art innere Emigration ausgewichen, sagt Hubertus Fehrenbacher. Diese Form von Innerlichkeit zeige sich auch in den Theateraufführungen. Klar aber sei der Appell der Künstler nach Freiburg, sie nicht zu isolieren und die Kontakte nicht abzubrechen. Im Publikum bleiben manche trotzdem skeptisch. Henning Wellbrock, früherer SPD-Stadtrat, hat der Partnerschaft bei ihrer Gründung zugestimmt. Jetzt vergleicht er sie mit der britischen Appeasementpolitik im Nationalsozialismus und findet: "Das gehört sich nicht für uns." Die grüne Stadträtin Maria Viethen widerspricht: "Die Partnerschaft gibt dem iranischen Regime nicht Auftrieb, das interessiert die nämlich gar nicht."
Und was ist dran an dem Vorwurf, dass nur regimetreue Iraner nach Freiburg reisen dürfen? Ein iranischer Zuhörer kritisiert das. "Das stimmt überhaupt nicht", kontert Hubertus Fehrenbacher, der viele Gegenbeispiele kennt. Auch Günter Burger, der Leiter des städtischen Referats "Internationale Kontakte", widerspricht: Zwar gebe es Besuchsgruppen, die von den offiziellen Stellen in Isfahan vorgeschlagen würden – aber Freiburg lade ganz bewusst auch andere, private Gruppen ein.
Autor: Anja Bochtler
