Viele Hürden

Von einer barrierefreien Innenstadt ist Freiburg weit entfernt

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Di, 16. August 2016 um 11:18 Uhr

Freiburg

Das grobe Pflaster auf dem Münsterplatz ist für Menschen mit Rollstuhl teils völlig unzugänglich. Der Behindertenbeirat fordert nun eine Stelle für einen Koordinator.

Bereits 2011 forderten alle Fraktionen eine Auseinandersetzung mit diesem Thema. Im Frühsommer präsentierte die Stadtverwaltung den Zwischenbericht für ein Konzept. Die Behindertenbeauftragte Sarah Baumgart und der Beirat für Menschen mit Behinderung stehen dahinter, zweifeln aber, ob die Ziele wie geplant umgesetzt werden. Sie fordern mindestens eine halbe Stelle für eine Koordinationsperson beim Garten- und Tiefbauamt.

Beispiel Münsterplatz: Das grobe Pflaster ist für Menschen mit Rollstuhl teils völlig unzugänglich, mit Kinderwagen oder Rollator ist es zumindest eine Herausforderung. Rollstuhlfahrer, die zu Spastiken neigen, geraten durch das Durchgeschütteltwerden beim Drüberfahren in Gefahr, bilanziert die Behindertenbeauftragte Sarah Baumgart.

Wunsch: barrierefreier Rundweg um den Platz

Doch der Münsterplatz ist ein wichtiger Ort längst nicht nur für Touristen, sondern erst recht im Alltag, betont sie: "Hier ist täglich Markt, es finden viele Veranstaltungen statt. Und der Platz ist ein Wahrzeichen für Freiburg." Ihr Wunsch wäre ein barrierefreier Rundweg auf dem Münsterplatz. Sie weiß, dass das schwierig wird: Die Interessen von Markthändlern, Cafebetreibern, Denkmalschutz und Brandschutz lassen sich nicht ohne weiteres mit Barrierefreiheit vereinbaren. Ähnliche Konflikte gibt’s auf dem Rathaus- und dem Augustinerplatz und beim Bertoldsbrunnen.

Das gilt auch für die wichtigsten Routen

Dasselbe gilt auch auf den wichtigsten Routen durch die Innenstadt, zum Beispiel für die Eisenbahnstraße, die Kaiser-Joseph-Straße oder den Schwabentorplatz. Problematisch sind unter anderem die oft starken Querneigungen, fehlende taktile Abgrenzungen für Menschen mit Sehbehinderung und die Nutzung von teils ohnehin engen Wegen Flächen durch Gastronomie oder durch Werbeträger von Geschäften.

Nicht nur mühsam, sondern auch gefährlich ist der Alltag für Menschen mit Sehbehinderungen, wenn Ampelanlagen nicht umgerüstet sind. Und dann ist da das weite Feld des öffentlichen Nahverkehrs, der gesetzlich eigentlich bis 2022 für alle Menschen nutzbar sein müsste, einschließlich der Umgestaltung des Bahnhofs.

Bis 2020 sollen die Ziele umgesetzt sein

Bei der Bahn kam zuletzt Bewegung in die Sache, für alle anderen Punkte hat ein interfraktioneller Antrag im Gemeinderat Ende Juni etwas konkretere Forderungen aufgestellt: Die wichtigsten Ziele sollen bis zum Stadtjubiläum 2020 umgesetzt werden. Garantieren soll das ein verbindliches Konzept mit klaren Zeitplänen und Zuständigkeiten, das bis Mitte 2017 fertig sein soll. Das ist ganz im Sinne von Sarah Baumgart und ihrer ehrenamtlich arbeitenden Kollegin Daniela Schmid vom Beirat für Menschen mit Behinderung. Doch bei einem entscheidenden Punkt bitten sie die Fraktionen, deutlicher Stellung zu beziehen: Bisher nämlich ist in dem Antrag nur die Rede davon, eine Koordinationsperson beim Garten- und Tiefbauamt zu benennen.

Das nutze überhaupt nichts, wenn diese Person für die sehr aufwändigen Umbaufragen nicht mit mindestens einer halben Stelle ausgestattet werde, argumentieren Sarah Baumgart und Daniela Schmid. Die städtischen Mitarbeiter seien engagiert, aber sie hätten nicht genug Ressourcen.

Die Stadtverwaltung wartet erstmal ab: "Bis wann und wie das Konzept umgesetzt wird, hängt von den personellen und finanziellen Ressourcen ab, die der Gemeinderat dafür im nächsten Haushalt zur Verfügung stellt", sagt der städtische Pressesprecher Toni Klein auf Anfrage der BZ.

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