Freiburg-St. Georgen

Wegen Kleingärten in St. Georgen wächst der Unmut

Jelka Louisa Beule

Von Jelka Louisa Beule

Sa, 14. Oktober 2017 um 12:48 Uhr

Freiburg

Für geplante 90 Parzellen fallen in St. Georgen landwirtschaftliche Flächen weg. Anlieger müssen zahlen, und Stadträte giften sich an. Die Gärten sind Ersatz für wegfallende Gärten im Stühlinger.

Wenn es um Kleingärten geht, wird es oft emotional. So auch im Bauausschuss des Gemeinderats, der darüber zu entscheiden hatte, ob im Stadtteil St. Georgen 90 Kleingärten entstehen sollen und eine Pilotfläche für alternatives Gärtnern. Bei der Debatte gab es persönliche Angriffe zwischen zwei Stadträten, im Publikum wetterten wütende Anwohner. Ein Antrag, den Punkt ganz von der Tagesordnung zu streichen, scheiterte. Am Ende wurden die Planungen auf den Weg gebracht, allerdings mit dem Zusatz, kritische Aspekte noch einmal zu überprüfen.

Bereits im Vorfeld hatten sich mehrere Gruppierungen rund um die Bürgerinitiative "Pro Landwirtschaft und Wald im Dietenbach & Regio" und den Verein Ecotrinova gegen die Kleingärten ausgesprochen. Sie bemängelten, dass den Bauern 43.000 Quadratmeter Ackerflächen weggenommen würden, zudem habe das Rathaus das formelle Verfahren nun "fast überfallartig" eingeleitet.

Pilotfläche für alternative Gartenformen

Dass die Entscheidung zu schnell komme, meinten auch die Unabhängigen Listen und Freiburg Lebenswert / Für Freiburg im Bauausschuss: Sie beantragten, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen. Damit konnten sie sich allerdings nicht durchsetzen. Von einer "völligen Überraschung" könne auch kaum die Rede sein, meinte Baubürgermeister Martin Haag: Dass die Kleingartenanlage beim St. Georgener Friedhof erweitert werden soll, sei schon seit 2016 klar. Damals hatte die Verwaltung von 70 neuen Kleingärten gesprochen. Inzwischen geht es um 90 Parzellen. Die Kosten liegen bei einer halben Million Euro. Die Gärten dienen als Ersatz für wegfallende Kleingärten im Stadtteil Stühlinger. Geplant ist außerdem eine Pilotfläche für alternative Gartenformen. Denn die Stadtverwaltung will andere Konzepte fördern. Dazu hatte sie 2015 eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die 2016 fertig sein sollte und bis heute nicht vorliegt. Anfang 2018 soll es so weit sein.

Anwohner müssen Erschließungsbeiträge zahlen

Dass ohne diese Diskussionsgrundlage nun bereits eine Pilotfläche eingeplant werde, findet SPD-Fraktionschefin Renate Buchen unverständlich. Sie kritisierte die Planungen für die neuen Kleingärten scharf, vor allem die vorgesehene Zufahrt über den Moosackerweg. Auch die Anwohner der kleinen Stichstraße sind empört – weil sie zur Kasse gebeten werden. Denn: Obwohl die Häuser größtenteils seit Jahrzehnten stehen, haben die Eigentümer nie Erschließungsbeiträge gezahlt. Diese würden mit dem Ausbau der Straße fällig. Um welche Kosten es gehe, wisse sie noch nicht, sagte eine Anwohnerin gegenüber der BZ. Frank Uekermann vom städtischen Garten- und Tiefbauamt erklärte, das sei unabhängig von den geplanten Kleingärten zu sehen. Die Straße werde so oder so saniert – und dann würden Erschließungsbeiträge fällig.

Dass Äcker und Wiesen für die neue Anlage wegfallen, sei ein Problem, urteilten viele Stadträte. Schließlich habe sich bereits bei den Planungen zum neuen Stadtteil Dietenbach gezeigt, wie schwierig es sei, Ersatzflächen für die Bauern zu finden. Wolf-Dieter Winkler (FL/FF) und David Vaulont (Grüne) rasselten in der Diskussion heftig aneinander und griffen sich persönlich an. Am Ende glätteten sich die Wogen. Die neuen Kleingärten sollen 2019 angelegt sein.