Wohnen in Freiburg

Stadt Freiburg wirbt bei Infoveranstaltung für den neuen Stadtteil Dietenbach

Simone Lutz

Von Simone Lutz

Mi, 05. Dezember 2018 um 09:17 Uhr

Freiburg

Am 24. Februar bestimmen die Freiburger in einem Bürgerentscheid, ob Dietenbach gebaut werden soll. Wohnformen, Energiekonzept, Verkehr und vieles mehr wurden bei der ersten großen Infoveranstaltung diskutiert.

Viele Fragen, noch mehr Informationen und ein Eindruck, wie der geplante neue Stadtteil aussehen könnte: Die Stadtverwaltung hatte zur ersten großen Infoveranstaltung in Sachen Dietenbach geladen. Im gut gefüllten Bürgerhaus am Seepark saßen Befürworter und Gegner des Mammutprojekts – aber auch Menschen, die sich vor dem Bürgerentscheid Ende Februar einfach mal informieren wollten.

Dietenbach soll ein bunter, vielfältiger und ökologischer Stadtteil werden

Informationsveranstaltungen sind so eine Sache. Sind sie überfrachtet, macht sich Überdruss breit. Sind sie zu wenig gehaltvoll, sind die Zuhörerinnen und Zuhörer enttäuscht. Am Montag hatte die Stadtverwaltung den Riesenberg Informationen zum geplanten Stadtteil Dietenbach geschickt organisiert, mit Fragen, die die Gäste zuvor einschicken konnten und einer lockeren Mischung aus Vorträgen, Podiumsgesprächen und Zuschauerbeiträgen. Einziges Manko: Ob Moderator, Referent oder Talkgast, es standen – bis auf zwei Gebärdendolmetscherinnen – nur Männer auf der Bühne.

Wie wird Dietenbach aussehen? Das erklärte Wolfgang Borgards vom Architekturbüro K9. Ein Stadtteil mit sechs Quartieren soll es werden, die nach und nach einzeln gebaut werden können. Ein möglichst bunter, vielfältiger, ökologischer Stadtteil mit Studierendenwohnungen (700 will das Studierendenwerk bauen), Wohnraum für Normalverdiener (die Stadtbau plant 1500 Wohnungen), mit Baugruppen und einer 50-Prozent-Quote für geförderten Mietwohnungsbau. Private Freiräume, Vorgärten und öffentliche Parks machen die Quartiere grün, Fuß-, Rad-, Tram- und Autowege sollen Mobilität ermöglichen.

Viele Fragen zum Verkehr

Warum es keinen Straßenbahnanschluss an die Paduaallee gebe, wollte ein Rieselfeld-Bewohner wissen: "Die Straßenbahn ist doch schon im Rieselfeld überlastet." Eine Frage, die Jan Maurer von der städtischen Projektgruppe Dietenbach später detailliert beantwortete: Man habe acht Varianten geprüft. Würde die Bahn nach Lehen weitergeführt, würden bestehende Linien aufgespalten (und Landwasser hätte einen schlechteren Takt), die Trasse müsste mit zwei teuren Brücken Dreisam und Bundesstraße überqueren und man bräuchte sehr große Flächen für die Rampen. Maurer: "Unterm Strich war Rieselfeld die bessere Variante." Aber man könne, sagte Rüdiger Engel als Leiter der Projektgruppe, einen Korridor zur Paduaallee für weitere Planungen reservieren.

Klaus von Zahn, der Leiter des Umweltschutzamtes, stellte das Energiekonzept vor. Es steht auf vier Bausteinen: "kalte Nahwärmeversorgung", Abwasser und Solarthermie als Wärmequellen, Eisspeicher als saisonale Wärmespeicher und dezentrale PVT-Module, die Strom und Wärme gleichzeitig machen. "Innovativer und ökologischer geht es nicht", so von Zahn – alles im Hinblick darauf, dass Freiburg 2050 klimaneutral sein will.

Frage aus dem Publikum: Belastet diese ganze Hochtechnologie die Umwelt nicht sehr, schon in Herstellung und Produktion? "Das ist definitiv die klimafreundlichste Variante", so Klaus von Zahn. "Wenn die rund 6000 Wohnungen nicht in Dietenbach, sondern im Umland gebaut werden, ist der Flächenverbrauch fünf Mal so hoch."



Was kostet das alles?

Interessiert und größtenteils informiert waren die Fragen des Publikums, auch bei der abschließenden Runde. 600 Millionen Euro Investitionen, das höre sich erstmal viel an, sagte Baubürgermeister Haag auf eine entsprechende Frage. Doch der Stadtteil habe alles vor Ort – Kitas, Schulen, Läden, Praxen, Nahverkehr. "Entscheidend ist, dass wir als Stadt Zugriff haben über die Flächen", so Haag. Dann könne auch bezahlbarer Wohnraum entstehen.

Wie die anderen Redner warb er dafür, beim anstehenden Bürgerentscheid über den neuen Stadtteil auf die Frage: "Soll das Dietenbachgebiet unbebaut bleiben?" mit "Nein" zu stimmen. Dietenbach sei die Antwort auf die Wohnungsnot und wichtig, damit die Stadt nicht in eine soziale Schieflage gerate. Und, sagte Thilo Gries von der Projektgruppe, "es ist auch wichtig, dass es ein schöner Stadtteil wird, der den Freiburgern gefällt".