Wie geht es weiter mit der Quartiersarbeit in Freiburg?

Yvonne Weik und Joachim Röderer

Von Yvonne Weik & Joachim Röderer

Fr, 23. September 2016

Freiburg

Die Vertreter der neun Träger haben am Donnerstag in einem Pressegespräch ein Papier vorgelegt, das in vielen Punkten dem Gutachten widerspricht. Auch die Träger sehen Bedarf, die Quartiersarbeit weiter zu entwickeln. Sie fordern aber zuerst eine fachliche Diskussion – und dass bei Ergebnissen die Verhältnismäßigkeit beachtet werden müsste.

Alle neun Träger wehren sich entschieden gegen den Vorschlag der Stadtspitze, die Quartiersarbeit in die Stadtverwaltung zu integrieren. Damit würde das Subsidiaritätsprinzip missachtet. Dahinter steht die Idee, dass eigentlich staatliche Aufgaben von kleinen Einheiten übernommen werden. Vieles im Gutachten sei nicht plausibel, manche Passagen würden sich widersprechen, kritisieren sie. Außerdem enthalte es falsche Zahlen. So werde der städtische Zuschuss mit 1,3 Millionen Euro beziffert – tatsächlich liege er aber unter einer Million Euro. Eingerechnet seien auch Teile des Zuschusses ans Nachbarschaftswerk, Träger der Quartiersarbeit in drei Stadtteilen, die gar nicht für Quartiersarbeit bestimmt seien.

Im Gutachten moniert wurde auch der hohe Verwaltungsanteil an den Personalstellen. Mathias Staenke, Geschäftsführer des Nachbarschaftswerkes, verwies darauf, dass man auch Ressourcen brauche, um Zuschüsse und Geld von Sponsoren einzuwerben. Das Nachbarschaftswerk etwa habe zuletzt 30 bis 35 Prozent seines Etats durch Drittmittel bestritten – Geld, das sonst in den Quartieren fehlen würde, so Staenke.

Clemens Back ist seit 20 Jahren Quartiersarbeiter im Stadtteil Rieselfeld. "Freiburg kann froh sein, dass seine Stadtteile und Quartiere so vielfältig sind", schreibt er in seiner Stellungnahme. Und dass dort mit verschiedenen Methoden und Strukturen gearbeitet werde, entspreche dem Verständnis von Gemeinwesenarbeit. Er fürchtet, dass mit der drohenden Kommunalisierung das Engagement der Ehrenamtlichen abnehme: "Die Menschen im Quartier sind die wichtigste Ressource."