Bürgerentscheid

Wie war’s bei... der Infoveranstaltung zum geplanten neuen Stadtteil Dietenbach?

Simone Lutz, Manuel Fritsch

Von Simone Lutz & Manuel Fritsch

Do, 07. Februar 2019 um 18:37 Uhr

Freiburg

Die ganz große Bühne für Dietenbach gab’s am Mittwochabend, als die Stadtverwaltung ins Konzerthaus lud. Befürworter und Gegner erläuterten ihre Positionen, 1300 Menschen hörten zu.

Die Location

Vor der Tür steht der bekannte Traktor der Dietenbach-Gegner, der sonst die Demos der Landwirte anführt. Doch an diesem Abend wird er flankiert von Bobby-Cars, die die Befürworter mitgebracht haben. Wink mit dem Zaunpfahl: familienfreundlicher Stadtteil! Im Foyer zeigt jede Seite Filme mit kabellosen Kopfhörern, an Ständen wird mal mehr, mal weniger heftig diskutiert. Bis alle in den Konzertsaal drängen, der bald so voll ist, als spiele Dieter Thomas Kuhn.

Das Publikum

Der geübte Konzertgänger merkt schnell, dass es hier nicht um Schalala geht. Dennoch: Bunt ist das Publikum, wenige Anzüge füllen die Reihen, alle möglichen Altersgruppen sind vertreten. Es kommen so viele, dass sogar die drei Emporen geöffnet werden.

Auf der Bühne

Auf jeder Seite ein Team à vier Personen, die Moderatorin in der Mitte. Im Hintergrund werden die Fragen an eine große Leinwand geworfen, die Redezeit – drei Minuten – wird heruntergezählt. Auf der Bühne stehen sich fünf Frauen und drei Männer gegenüber, davor kommen OB Martin Horn und Manfred Kröber mit Statements für die Stadtverwaltung und die Bürgeraktion "Rettet Dietenbach". Und dann ist da noch Moderatorin Andrea Hartz. Macht sechs zu fünf – die Frauen sind in der Überzahl. Vor der Bühne sitzen zwei Gebärdendolmetscherinnen, die simultan übersetzen.

Applausometer

Als Martin Horn mit seinem Eingangsstatement fertig ist, teilt sich das Publikum. Während die einen teils begeistert, teils artig applaudieren, sitzen die anderen mit eingefrorenen Mienen da und rühren keine Hand. Bei Manfred Kröber ist es umgekehrt genauso, auch wenn er bedeutend mehr Zwischenapplaus erntet. An der Spitze der Applausskala steht Julia Söhne, die nach ihrem ersten Redebeitrag geradezu Begeisterungsstürme erntet: Mit ihrer Beschreibung von Wohnungssuchenden und deren Notlage trifft sie den Nerv des Publikums. Pfiffe und Buh-Rufe erntet dagegen Anton Behringer für seine erste Wortmeldung. Er mutmaßt, dass es bei Dietenbach nicht um die Wohnungssuchenden, sondern um "wirtschaftliche und finanzielle Interessen diverser Gruppen" gehe. Bis auf diese Ausschläge des Applausometers sind Applaus, Zustimmung und Ablehnung ausgewogen verteilt.

Diskussionskultur

Statt einer Diskussion gab es vorbereitete Statements beider Seiten. Da keine direkten Antworten vorgesehen sind, bleiben einige Aussagen im Raum stehen, über die man gerne noch das ein oder andere Wort gewechselt hätte. Hier zwei Aussagen. Nummer eins: Susanne Schlatter von "Rettet Dietenbach" sagt, in der Belchenstraße könne man sehen, dass sich durch Aufstockungen billiger Wohnraum schaffen lasse – ohne öffentliche Förderung. Das ist nur halb richtig. Schließlich gab es für die Baumaßnahmen in Haslach Südost insgesamt 3,3 Millionen Euro vom Land, 2,2 Millionen zahlte die Stadt. Die Mieten in den durch Aufstockung gewonnenen Wohnungen liegen bei 8,40 Euro. Vor der Sanierung hatten die Wohnungen in den Häusern im Schnitt 5,23 Euro gekostet.

Nummer zwei: Julia Söhne sagt, für die 50-Prozent-Quote stehe sie mit ihrem Wort. Doch die Sparkasse hatte im Juli mitgeteilt, dass sie eine Sozialquote beim derzeitigen Planungsstand für kontraproduktiv halte. Sollte die Quote beschlossen werden, brauche sie eine neue Kalkulation, um in dem Projekt zu bleiben. Die Quote wurde beschlossen, eine neue Kalkulation ist für den Sommer angekündigt. Ob die neue Kalkulation die Sparkasse überzeugt, wird sich erst im Sommer herausstellen.

Fazit

Die Argumente waren alle bekannt. Doch disziplinierte Diskutanten, eine konsequente Moderatorin und ein interessiertes Publikum machten den Abend zu einem Erfolg.



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