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06. Mai 2017

"Wir entsprechen keiner Norm"

Zwei Freiburger Vereine wurden mit dem Berndt-Koberstein-Preis ausgezeichnet – die Jury setzte ein klares Statement.

  1. Stifter, Preisträger und Laudatoren bei der Verleihung des Berndt-Koberstein-Preises Foto: Thomas Kunz

Emotional, persönlich, politisch: Die diesjährige Verleihung des Berndt-Koberstein-Preises sollte mehr sein als ein Abend voller Floskeln und Händeschütteln. Bei der Veranstaltung im Weinschlösschen wurden die Freiburger Vereine "Schwere(s)-Los" und "Wahlkreis 100%" ausgezeichnet – besonders die Wahl des zweiten Preisträgers war ein klares Statement der Jury in Richtung Politik.

Der "Wahlkreis 100%" setzt sich dafür ein, dass Migrantinnen und Migranten an allen Wahlen teilnehmen dürfen – unabhängig von ihrer Staatsbürgerschaft. "Ich hatte einen italienischen Pass und durfte nicht wählen", sagte der Stifter des Preises, Hendrijk Guzzoni, in seiner persönlichen Ansprache.

Vielleicht auch deshalb fiel die Wahl der Jury auf die im Jahr 2002 gegründete Initiative, die in Freiburg bis heute vier symbolische Wahlen für ausländische Mitbürger abgehalten hat, um gegen Einschränkungen des Wahlrechts zu protestieren. Ihr Slogan: "Hier lebe ich, hier wähle ich." Der Vorsitzende des Vereins, Clemens Hauser, zeigte sich begeistert über die Auszeichnung: "Für uns ist diese Wertschätzung unglaublich wichtig. Der Berndt-Koberstein-Preis ist aus unserer Sicht ein politischer Preis."

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Genauso sieht das auch Hendrijk Guzzoni. Der ehemalige Stadtrat und überzeugte Kommunist rief den mit 10 000 Euro dotierten Preis vor fünf Jahren ins Leben und benannte ihn nach seinem Freund Berndt Koberstein – einem Entwicklungshelfer, der in Nicaragua von rechtsgerichteten Rebellen ermordet worden war. Seitdem zeichnet er mit dem Preis jedes Jahr Initiativen in der Region aus, die für ein solidarisches Miteinander eintreten.

Mit dem anderen Preisträger des Abends, dem Verein "Schwere(s)-Los", bedachte die Jury eine Initiative, die kulturelle Angebote für Menschen anbietet, die am Rande der Gesellschaft stehen. Im Jahr 2007 hatte die Künstlerin Maren Moormann das Projekt ins Leben gerufen – und damit eine Initiative entfesselt, die im Laufe der Zeit ein immer breiteres Spektrum an Angeboten entwickelte. Dazu zählen mittlerweile unter anderem ein Bettlerchor und eine Töpferwerkstatt für psychisch kranke und obdachlose Menschen. "Schwere(s)-Los ist ein Vielspartenhaus", sagte Laudatorin Ursula Konfitin, ehemalige Leiterin des Amtes für Soziales und Senioren.

Die Gruppe bedankte sich ganz auf ihre Weise – mit selbst komponierter Live-Musik. So standen sie alle zusammen auf der Bühne und sangen: "Wir sind wie Bananen, wir entsprechen keiner Norm. Lebenskünstler – Kultur für alle!"

Autor: Johannes Tran