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25. August 2009

"Wir haben eben mehr Zeit"

Angelika Winkler arbeitet als Bewährungshelferin – und zwar ehrenamtlich.

"Es tut ihm gut, wenn man sich um ihn kümmert", sagt Angelika Winkler. Der junge Mann, von dem sie erzählt, ist Anfang 20. Und die 50-jährige Freiburgerin ist seine Bewährungshelferin. Ehrenamtlich. Vor gut zweieinhalb Jahren nämlich hat das Land Baden-Württemberg die zuvor staatliche Bewährungshilfe privatisiert. Und das damit betraute Unternehmen "Neustart" setzt mittlerweile auch Ehrenamtliche ein, die straffällig gewordenen Menschen helfen sollen, sich fortan zu bewähren.

Je drei Frauen und drei Männer sind es zur Zeit in Freiburg, die die 13 Hauptamtlichen in der Bewährungshilfe unterstützen. Von denen haben jede und jeder laut der hauptamtlichen Bewährungshelferin Marianne Birrer zwischen 85 und 90 Menschen zu betreuen, die eine Bewährungsstrafe erhielten. "Da haben wir als Ehrenamtliche eben mehr Zeit", erklärt Angelika Winkler, die seit einem dreiviertel Jahr dabei ist. Ihr Beweggrund: "Ich wollt’ schon immer was ehrenamtlich machen, aber eben was Anspruchsvolleres." So kam sie zu "Neustart", ließ sich schulen und erfuhr auch, dass die Ehrenamtlichen keine Täter mit Sexualdelikten oder schweren Gewalttaten zugewiesen bekommen.

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Angelika Winkler trifft sich mit ihrem Klienten etwa alle drei bis vier Wochen. Dabei geht es vor allem um Hilfe, den Alltag zu bewältigen. Schuldenregulierung ist ein großes Thema, oder etwa Unterstützung der Bereitschaft, eine Lehrstelle zu suchen. "Wichtig ist, ihm einfach mal zuzuhören – er hat sonst niemanden, der nach ihm guckt." Wobei die ehrenamtliche Bewährungshelferin auf Abgrenzung achtet und darauf, "dass man nicht alles für den Klienten macht". Sie hat dessen Akte und arbeitet eigenständig, schreibt auch die halbjährlichen Berichte fürs Gericht. Vor allem diese volle Verantwortung ist neu in der Bewährungshilfe, die ehrenamtlich schon seit mehr als fünfzig Jahren gesetzlich vorgesehen ist.

Ausgenutzt oder allein gelassen fühlt sich Angelika Winkler jedoch nicht. Sie hat ihre Mentorinnen im Hintergrund, einmal im Monat gibt es eine Teamsitzung mit Fall-Besprechungen. Und sie weiß, dass sie dieses Ehrenamt jederzeit beenden kann. Doch daran verschwendet die Freiburgerin nach ihren ersten Erfahrungen keinen Gedanken. "Ich denk’ schon, dass ich damit was Gutes tue, weil die Hauptamtlichen gar nicht so viel Zeit aufwenden können." Die wiederum, sagen Marianne Birrer und ihre Kollegin Carmen Wacker, sehen die Ehrenamtlichen keineswegs als Gefährdung ihrer Arbeitsplätze, sondern mit ihrer Lebenserfahrung eher als eine Bereicherung.

25 Euro bekommen die Ehrenamtlichen pro Klient monatlich als Aufwandsentschädigung. Doch Angelika Winkler, die mittlerweile noch einen zweiten Mann betreut, engagiert sich nicht des Geldes wegen. "Die Arbeit ist interessant, und man lernt Leute mit ganz anderen sozialen Hintergründen kennen." Bei den Treffen gehe es auch keineswegs nur um Probleme. "Da erzählt er mir einfach, was er so macht." Manchmal fühle sie sich dann wie "ein Fels in der Brandung". Und Angelika Winkler hat gemerkt, wie dieses ehrenamtliche Engagement auch ihr selbst etwas gibt, wenn sie die kleinen Fortschritte eines Klienten erkennt, sein Leben in den Griff zu bekommen. "Aber ich mach’ mir da keine Illusionen."

Autor: Gerhard M. Kirk