Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

07. Januar 2011

Bauunternehmen Dieterle

Wiwili-Brücke: Sanierungsfirma in der Insolvenz

Das Schramberger Bauunternehmen Dieterle gibt der Stadt eine Mitschuld an der prekären Lage / Aufträge gibt es genug.

  1. Jahrelang saniert worden ist die Wiwili-Brücke. Dabei stiegen die Kosten immer weiter. Foto: Archivbild: Ingo schneider

Das Bauunternehmen Dieterle in Schramberg, das im Auftrag der Stadt Freiburg die Wiwili-Brücke beim Hauptbahnhof saniert hat, ist insolvent. Mit ein Grund: Der nach harten Verhandlungen seitens der Stadt durchgesetzte Verzicht auf Forderungen.

Die Sanierung der auch als Blaue Brücke bekannten Fuß- und Radwegverbindung war für die Stadt viel teurer als ursprünglich geplant. Während der 19-monatigen Arbeiten in den Jahren 2008 und 2009 explodierten die Kosten von anfänglich veranschlagten 1,65 Millionen Euro auf zuletzt 6,62 Millionen Euro (die BZ berichtete). Eigentlich wäre die Rechnung noch wesentlich höher ausgefallen. Doch die Stadt setzte bei der Dieterle Bau GmbH einen Abschlag von rund einer Million Euro durch. Nun ist die 102 Jahre alte Firma pleite. Schuld daran ist laut Geschäftsführer Frank Dieterle auch sein Einknicken gegenüber der Stadt. Die habe ihn massiv mit der Androhung jahrelanger Streitereien vor Gericht unter Druck gesetzt.

Den Insolvenzantrag musste Geschäftsführer Frank Dieterle am 20. Dezember stellen. Insolvenzverwalter ist der Rechtsanwalt Thorsten Schleich aus Villingen-Schwenningen. Die 70 Beschäftigten des zahlungsunfähigen Unternehmens erhalten nun für drei Monate Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur. Frank Dieterle hofft, dass der Betrieb mittels eines sogenannten Insolvenzplanverfahrens wieder auf Beine kommt. Dabei würden alle Gläubiger auf Teile ihrer Forderungen verzichten. Entscheidend ist aber, was der Insolvenzverwalter will. Entscheidungen sind offenbar noch keine gefallen. Aufträge gibt es laut Frank Dieterle eigentlich genug. "Unser Problem waren die Forderungsausfälle", so der 43-Jährige. Die Dieterle Bau GmbH habe von drei Bauherren nicht die ihr zustehenden Rechnungsbeträge erhalten. Wesentlich sei dabei die Weigerung der Stadt Freiburg gewesen, die aufgelaufenen Kosten für die Wiwili-Brücke von eigentlich weit mehr als sieben Millionen Euro zu berappen. Man habe ihm Ende März gesagt, er solle entweder mit 6,2 Millionen Euro zufrieden sein oder er bekomme erst einmal gar nichts und habe sich auf sehr langwierige juristische Auseinandersetzungen einzustellen. Die Stadt könne das durchhalten. "Wir jedoch konnten uns das nicht leisten", so Dieterle.

Werbung


Dass die Sanierungskosten sich so stark erhöhten, lag insbesondere an der während der Arbeiten entdeckten Verseuchung des Bauwerks mit Asbest und anderen Giften. "Aber das war ja nicht unser Fehler", so Frank Dieterle gegenüber der BZ. Mögliche Auswirkungen für das Unternehmen hätten für die Stadt, so behauptet Dieterle, bei den Verhandlungen keine Rolle gespielt. Für die Stadt hatte Frank Uekermann, der Chef des Freiburger Garten- und Tiefbauamts, die Gespräche geführt.

Autor: Holger Schindler