Tradition

Wo man in Freiburg Scheiben schlagen kann – und was man über den Brauch wissen muss

Christian Engel

Von Christian Engel

Do, 15. Februar 2018 um 09:47 Uhr

Freiburg

200 Jahre lang gab es in Opfingen kein Scheibenfeuer mehr, seit einiger Zeit hat sich der Brauch wieder etabliert. Und gleich an mehreren Orten in Freiburg werden am Wochenende Scheiben geschlagen.

Das Scheibenfeuer in Opfingen steht schon. Aber es brennt nicht. Es muss sich noch zwei Tage in der Kälte gedulden, auch wenn seine Äste im Winterwind bereits zittern wie verrückt. Bald kommt die Wärme, bald kommen die Flammen. Die Feuerwehr zündet den Haufen am Samstag an. Man darf sich jedenfalls auf ein Spektakel freuen, bei dem Menschen glühende Scheiben ins Tal schießen und versuchen, den Winter auszutreiben.

200 Jahre lang gab es in Opfingen kein Scheibenfeuer

Klaus Dürrmeier hat dafür gesorgt, dass das Scheibenfeuer in Opfingen dort steht, wo es steht. Und dass es überhaupt steht. Vor 15 Jahren suchte der Vorstand des DRK-Ortsvereins Opfingen-Waltershofen eine Möglichkeit, wie sein Verein zu Geld kommt, um all die Mullbinden, Fortbildungen und Jacken zu bezahlen. Im warmen Wohnzimmer grübelnd, kam er recht flott auf die Idee mit dem Feuer.

Scheibenfeuer, sagt Dürrmeier, habe es in Opfingen letztmals Ende des 18. Jahrhunderts gegeben. Man erzählt sich, es habe einen Unfall gegeben: Ein Kind sei ins Feuer gefallen und gestorben. Für 200 Jahre sollte es das letzte Scheibenfeuer in Opfingen bleiben. Bis Dürrmeier kam.
Wo kann man in Freiburg Scheiben schlagen?

  • Opfingen: Es gibt Getränke und Würste, zehn Scheiben für fünf Euro, einen Stock für einen Euro. Anreise zu Fuß wird empfohlen. Vom Aussichtsturm aus Richtung St. Nikolaus laufen, den Schwedenfeuern folgen – das Feuer lodert unweit des Wasserreservoirs.
    Wann: Samstag, 17. Februar, ab Beginn der Dunkelheit. Samstag, 17. Februar, ab Beginn der Dunkelheit
  • Tiengen: Das Scheibenfeuer brennt dieses Jahr in einem Weinberg, am Kammertalweg Richtung Niederrimsingen, 200 Meter vor der Kinzig. Der Musikverein Tiengen bietet Glühwein und Steaks. Scheiben und Stöcke kann man beim Jedermannschießen vor Ort erwerben.
    Wann: Samstag, 17. Februar, ab 18 Uhr
  • St. Georgen: Die St. Georgener Rebläuse veranstalten ihr Scheibenschlagen im Rebberg. Zugang zum Gelände haben die Besucher über den Zechenweg und über Im Glaser. Scheiben dürfen nur Männer ab 18 Jahren schlagen. Es gibt Getränke umsonst, der Verein freut sich über Spenden.
    Wann: Sonntag, 18. Februar, ab 19.30 Uhr
  • Oberau: Die Zunft der Fasnetrufer lädt zum Scheibenschlagen am Hirzberg ein. Oberhalb des Gasthauses "Zum Stahl", Kartäuserstraße 99, schlagen Mitglieder der Fasnetrufer mit "Schiibi, Schiibo" die Scheiben, Nicht-Mitglieder dürfen nur zuschauen. Der Ort ist über die Waldfahrstraße in Richtung St. Ottilien erreichbar. Es gibt Getränke für Erwachsene und Kinder.
    Wann: Sonntag, 18. Februar, ab 20 Uhr
  • Kappel: In Kappel sind sie mit dem Scheibenfeuer eine Woche später dran. Die Schauinsländer Berggeister veranstalten das Scheibenschlagen am Meierbergweg beim Eschenwegle.
    Wann: Samstag, 24. Februar, ab 19 Uhr

500 Scheiben lagern zum Schlagen bereit

2005 schichten Mitarbeiter des DRK einen Holzhaufen auf dem Blankenberg. Der Auftakt fällt ins Wasser, "es schüttete wie blöd", erinnert sich Dürrmeier. Sie zünden das Feuer eine Woche später an, 30 Besucher sind da, die meisten davon Vereinsmitglieder. Im Jahr darauf schneit es, "bis zu den Knien standen wir im Schnee", sagt er. "Verschieben war aber keine Option mehr."

Dürrmeier brennt für das Feuer. Er belebte die Tradition in Opfingen nicht nur, er holte sie gleich zu sich nach Hause, besser gesagt: auf seine Streuobstwiese. Dort, umgeben von Reben, in der Nähe des Aussichtsturms, wartet der Holzhaufen jedes Jahr auf die Zündhölzer der Feuerwehr – und auf die Besucher, die seine Glut nutzen, um Scheiben zum Glühen zu bringen.

Die Scheiben sind aus Buchenholz. Ein ehemaliger Schreiner aus Riegel rief vor Jahren in Opfingen an, sagte, er würde gerne die Scheiben für das Scheibenschießen herstellen. 500 liefert er dieses Mal: handflächengroße Quadrate, deren Ecken abgesägt sind. Wieso abgesägt? Das erklärt Fabian Lörch (siehe Info-Kasten).Der Sanitäter des DRK ging als Kind mit seinem Vater zum Feuer nach Tiengen. Die Bewegungen ahmte er bei Trockenübungen nach. Drei Tipps hat Lörch parat.
Tipps zum Scheibenschlagen

  • Eine Haselnussrute verwenden; die ist biegsam, bricht nicht so schnell; zwei bis zweieinhalb Meter sollte sie lang sein, damit sie schwingt.
  • Die Scheibe muss fest auf der Spitze sitzen, aber noch drehbar sein, dass sie auch davonfliegen kann.
  • In flachem Winkel mit der abgesägten Kante aufs Brett schlagen. "Dann klappt’s."

Vergangenes Jahr landeten einige Scheiben gar in Vorgärten des benachbarten St. Nikolaus. 200 Meter entfernt. Gut möglich, dass da auch eine von Lörch darunter war. Sicher jedenfalls, dass keine davon Dürrmeier abgefeuert hatte. Er sei, sagt er, ein passabler Scheibenschießer, Profi werde er aber nicht mehr. Dennoch wird er Samstag allen Hilfestellung geben, die zum ersten Mal kommen – und Scheiben in die Nacht feuern wollen.

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