Zaubertricks inklusive

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Fr, 27. Juli 2018

Freiburg

Stadtverwaltung zeichnet vier generationsübergreifende und inklusive Projekte mit dem Fritz-Munder-Preis aus.

FREIBURG. In Zeiten fast ohne Zinserträge fallen auch manche Förderungen karg aus: Dass beim Fritz-Munder-Preis am Mittwoch trotzdem insgesamt 4000 Euro, unterschiedlich verteilt an vier soziale Projekte, vergeben werden konnten, liegt an der Franz-Xaver-und-Emma-Seiler-Stiftung der Stiftungsverwaltung, die 1500 Euro zuschoss. Der Preis, den der Metzgermeister Fritz Munder 1992 an seinem 80. Geburtstag ins Leben gerufen hatte, wurde zum 15. Mal vergeben, diesmal für generationsübergreifende und inklusive Aktionen.

"Generation grenzenlos"
Als sie vor einem Jahr zu dritt loslegten, wussten sie nicht, was umsetzbar war, erzählt Nancy Frehse – inzwischen wurde aus anfangs drei Studierenden ein neunköpfiger Verein, und sie haben einiges auf die Beine gestellt. Ihre Vision ist, Menschen aller Generationen zusammenzubringen. Dabei fangen sie zunächst mit Projekten von Studierenden und Seniorinnen und Senioren an. Von den Älteren wohnen manche allein und selbstständig, andere in Pflegeheimen. Bisher gab’s unter anderem Spieleaktionen im Evangelischen Stift, wöchentliche Spaziergänge und ein Café-und-Kunst-Projekt. Neu dazukommen sollen ein Erzählcafé für Jüngere und Ältere, eine Kunstwerkstatt, ein Musikkreis und ein offener Lesekreis für diejenigen, die wegen ihrer Einschränkungen nicht mehr selbst lesen können. Für diese neuen Ideen können sie die 1500 Euro Förderung gut brauchen, betont Nancy Frehse: "Und wir sind offen für alle, nicht nur für Studierende und Senioren – sondern auch für Menschen, die 10 oder 40 oder 50 Jahre alt sind."

"Treffpunkte für Jung und Alt"
In Haslach und Zähringen hat die Arbeiterwohlfahrt Begegnungen zwischen Kindern und Älteren fest etabliert: Dort arbeiten Seniorenwohnanlagen mit Kitas zusammen. Die Initiative ging von einem Handarbeitskreis von Seniorinnen aus, bilanziert Barbara Kemper, die Leiterin der AWO-Begegnungsstätte Haslach. Inzwischen kommen seit fünf Jahren Kinder vom benachbarten AWO-Kinderhaus am Luckenbach zum Stricken, Häkeln oder Nähen vorbei. Die drei Jungs, die zurzeit immer mit dabei sind, seien besonders ehrgeizig – und bei den Seniorinnen sehr beliebt. Vor zwei Jahren sind die AWO-Kolleginnen in Zähringen mit eingestiegen: Montagnachmittags gibt’s nun Singen, Basteln oder Zaubertricks für alle, abwechselnd in der Kita und der Begegnungsstätte, erzählt Alexandra Fritz, die Leiterin der AWO-Kita Hornusstraße. Das Projekt erhält 700 Euro.

"Kochen mit Herz"
Im katholischen Gemeindehaus St. Petrus Canisius in Landwasser wurden am Gründonnerstag Salzkartoffeln, Spinat und Spiegelei aufgetischt – Silvia (12) und Camilla (11) haben mitgekocht, zusammen mit anderen Jugendlichen und pädagogischen Fachkräften vom Haus der Begegnung. Zum Essen kamen Monika Pastore und rund 20 andere Seniorinnen und Senioren, die sich donnerstags zum Mittagstisch treffen. Doch dieser Mittagstisch war kein gewöhnlicher, weil sie von den Jugendlichen bewirtet wurden. Drei Tage hatten sich Silvia, Camilla und die anderen in einem Projekt vorbereitet, dabei haben sie nicht nur gekocht, sondern auch viel über Einkaufen und frische Lebensmittel erfahren. Es soll eine Fortsetzung geben. Deshalb ist die Förderung mit 300 Euro sehr willkommen.

Inklusion bei Maertin & Co
Neben ihrem Großhandel betreibt die Maertin & Co AG auch einen Fertigungsbetrieb für die Produktion und Veredelung von Kunststoffen und Gummi. Und dort, erzählt Axel Maertin, der das Unternehmen mit seiner Tochter führt, gibt’s einige einfache, eintönige Jobs. Die seien nicht beliebt, doch für manche genau richtig, ist seine Erfahrung: Zurzeit hat er drei solche Jobs an Menschen mit geistiger Behinderung vergeben. Das Wichtigste daran sei, dass die Mitarbeiter dazu gehören und sich alle um sie kümmern. Das erlebt Annette Spohd regelmäßig mit, die Leiterin der Schule Günterstal, die sich "Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung" nennt. Die Schule vermittele immer wieder Jugendliche für ein Praktikum zur Maertin & Co AG, erzählt sie: "Und alle sind begeistert vom Firmenklima – es ist wie in einer großen Familie." Ein Schüler hat einen der derzeit drei festen Jobs bekommen. Die 1500 Euro vom Fritz-Munder-Preis soll die Betreuung für einen vierten Mitarbeiter mit geistiger Behinderung stützen.