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08. März 2012 12:58 Uhr

Freiburg und Umland

Grundschulempfehlung sorgt für Verwirrung

Die verbindliche Grundschulempfehlung ist Geschichte: Weiterführende Schulen dürfen keine Zeugnisse mehrverlangen, wenn Eltern ihre Kinder anmelden. In der Praxis sorgt die neue Regelung aber für Verwirrung und Unmut.

  1. Beim Übergang auf die weiterführende müssen keine Zeugnisse mehr vorgelegt werden. Foto: fotolia.com/Anja Greiner Adam 

Dabei ist die Ausgangslage glasklar. Die grün-rote Landesregierung hat die bislang verbindliche Zuweisung an eine weiterführende Schule abgeschafft. Von diesem Frühjahr an entscheiden die Eltern über den Wechsel der Viertklässler auf eine weiterführende Schule – und sie müssen weder Empfehlung noch Zeugnis vorlegen, wenn sie ihr Kind bei der weiterführenden Schule anmelden wollen.

Trotzdem gibt es Probleme, sagt Manfred Vossler, Amtsleiter beim Staatlichen Schulamt. Etliche Schulleitungen sind seinen Angaben nach der Vorgabe dadurch ausgewichen, dass sie nun um Zeugnisse bitten. Diese Bitte wird von Eltern aber nicht als Kann, sonder als Muss verstanden. Das ist offenbar im Umland schon der Fall gewesen – zum Beispiel an einer Realschule in Bad Krozingen. In der Stadt Freiburg gebe es aktuell kein Problem. Aber es herrsche Verwirrung.

Bitte zum Zeugnisse konterkariert neue Regel

Diese Bitten haben einen zweiten Effekt, der für Ärgert sorgt. Eltern, deren Kinder gute Noten haben, bringen das Zeugnis bei der Anmeldung eher mit als diejenigen, deren Nachwuchs schlechter abgeschnitten hat, heißt es auch im Regierungspräsidium. Dies konterkariert die neue Regel. Nach der müssen Eltern das Anmeldeformular (Blatt fünf) an der Wunschschule abgeben – sonst nichts. Grundschulen beraten zwar noch, auf welche Schulart Viertklässler wechseln sollten. Aber Eltern können frei entscheiden, also ihr Kind mit Hauptschulempfehlung theoretisch am Gymnasium anmelden. Antje Reinhard, die Vorsitzende aller Elternbeiräte der Freiburger Schulen, hofft, dass niemand sein Kind überfordert. Sie hat noch keine Klagen über solche Bitten gehört, "aber die Anmeldungen sind noch nicht gelaufen." Sie erkennt indes eine Zwickmühle: Wenn Rektoren weiterführender Schulen beraten wollen, müssen sie um Schwächen wissen.

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Verwirrung wegen Geschwisterregelung

Verwirrung gibt es auch um ein ungeschriebenes Gesetz. Es ist gängige Praxis, möglichst keine Kinder abzuweisen, die Geschwister an der Schule haben. Am Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) in St. Georgen bekam ein künftiger Fünftklässler keine Zusage, dessen Familie nach Freiburg zieht. Der ältere Bruder schon. Es entstand der Eindruck, dies liege daran, dass die Schulen nun nicht wissen, wie viele Anmeldungen Ende März kommen. Die Gymnasien rechnen mit einem leichten Anstieg. Mehr Druck könnte es auf die Realschulen geben.

"Nein, das ist immer so", erklärt THG-Leiterin Ulrike Frankenstein. Die Schulen nehmen erst alle Anmeldungen entgegen, dann stimmen sie sich ab. Kurz gesagt eröffnet Schule A wegen zwei Kindern nicht eine neue Klasse, wenn B noch Luft hat. Erst dann gibt es fixe Zusagen. Eltern werden gegebenenfalls um Anmeldung an einer anderen Schule gebeten. "Es gibt noch keine Order, wie das gehandhabt wird", sagt Frankenstein.

Sie kommt in den nächsten Tagen, sagt Alfons Bank, Sprecher des Regierungspräsidiums. Ob es einem Kind zugemutet werden kann, an eine andere Schule zu gehen, bemisst sich an Kriterien wie Schulweg, Sprachwahl oder Geschwister (ohne Rechtsanspruch). Frankenstein betont: "Natürlich würde jeder die Kinder gerne nehmen, die sich wünschen an die Schule zu kommen."

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Autor: Simone Höhl