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20. Dezember 2011

Evangelische Kirche

Zoff in der Auferstehungsgemeinde - Pfarrerin geht

In der Auferstehungsgemeinde verzichtet Pfarrerin Anke Ruth-Klumbies auf ihre Pfarrstelle, und die vier übrig gebliebenen Ältesten geben ihre Ämter auf.

  1. So harmonisch wie in der Auferstehungskirche ist es in der Gemeinde schon lange nicht mehr. Foto: Ingo Schneider

  2. Anke Ruth-Klumbies Foto: Andreas Braun

Ausgerechnet in die Zeit kurz vor dem christlichen Fest des Friedens platzt die Nachricht von großem Unfrieden in der evangelischen Auferstehungsgemeinde. Vorläufiges Ergebnis einer schon länger dauernden Auseinandersetzung innerhalb dieser sehr engagierten Gemeinde: Pfarrerin Anke Ruth-Klumbies wird zum 1. Februar 2012 auf ihre Pfarrstelle verzichten, während gleichzeitig die vier übrig gebliebenen Mitglieder des Ortsältestenrats sich zurückziehen.

"Aus einem ungedeihlichen Zusammenwirken ist ein gedeihliches Auseinandergehen geworden." So beschreibt die Älteste der Auferstehungsgemeinde Petra Ploch die Situation in dieser "wunderbaren, aktiven Gemeinde". Über Einzelheiten will sie nicht sprechen und auch keine dreckige Wäsche waschen. Nur so viel: "Es eskalierte immer mehr." Und bei einer Konfliktberatung mit den Beteiligten zwischen Herbst 2010 und Sommer 2011 sei gar nichts herausgekommen. Deshalb stellte der Ältestenkreis der Pfarrgemeinde Ost, zu der auch die Auferstehungsgemeinde gehört, jetzt fest, dass "keine gedeihliche Wahrnehmung des Dienstes in der Gemeindeleitung" mehr möglich sei (wie es ein Absatz im Pfarrdienstrecht vorsieht).

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"Dieser Schlamassel ist das Ergebnis einer Entwicklung, an deren Ende nichts mehr ging", bringt es der evangelische Stadtdekan Markus Engelhardt auf den Punkt. Zum einen sei der Ältestenrat der Auferstehungsgemeinde nicht mehr beschlussfähig gewesen. (Eine Folge davon, dass sich nach dem Amtsantritt der Pfarrerin im Herbst 2008 von den ursprünglich zehn Mitgliedern bis auf vier eins nach dem anderen aus dem Rat zurückzog.) Zum anderen hätten die Ältesten und die Pfarrerin nicht miteinander gekonnt. Was sich nicht nur an dem Auszug der sechs Ältesten zeigte, sondern auch daran, dass Anke Ruth-Klumbies erwartet habe, dass die verbliebenen Vier zurücktreten sollten.

Die Auferstehungsgemeinde, meint der Dekan, sei "mit einem urprotestantischen Misstrauen gegen alles von oben, von der Kirchenleitung, ausgestattet". Darin wurde sie nicht zuletzt von ihren Pfarrern Helmut Zeilinger und Rudolf Atsma bestärkt. Letzterer hatte mit seiner Gemeinde, die selbständig bleiben wollte, gegen jene Strukturreform des "Freiburger Wegs" gekämpft, die früher selbständige Pfarreien als so genannte Predigtbezirke in größere Pfarrgemeinden eingegliedert hat. Nachdem Rudolf Atsma dann 2007 seine Pfarrstelle aufgegeben hatte, war die Auferstehungsgemeinde ein Jahr lang ohne Pfarrer (eine Bewerberin wurde nicht gewählt). Bis schließlich der Oberkirchenrat in Karlsruhe die Stelle mit Anke Ruth-Klumbies besetzte. Sie ist damit die einzige unter den Pfarrern und Pfarrerinnen in Freiburg, die nicht von ihrer Gemeinde gewählt wurde.

Gleichwohl stellt die Pfarrerin fest, es sei gelungen, viele junge und ältere Menschen "neu in das Gemeindeleben einzubinden". Allerdings: "Es gab auch Gemeindeglieder, die Mühe hatten, die Veränderungen und Neuentwicklungen mitzutragen – das hat zunehmend zu Reibungsverlusten geführt." Deshalb scheint es Anke Ruth-Klumbies nun "für beide Seiten sinnvoll zu sein, die eigenen Zielvorstellungen künftig in anderen Konstellationen zu verwirklichen". Markus Engelhardt kann sich gut vorstellen, dass die Pfarrerin künftig wieder als Religionslehrerin arbeitet, und hofft, dass sie weiter Diakoniepfarrerin in Freiburg bleibt. "Sie ist eher jemand für eine übergemeindliche Funktionsstelle, vielleicht hat ihr ein wertschätzender Umgang mit Gemeindegliedern nicht so gelegen."

Nach dem Verzicht der Pfarrerin, die mit Beginn des neuen Jahres Urlaub nehmen wird, wird der Dekan selbst zunächst einmal der offizielle Ansprechpartner für die Auferstehungsgemeinde sein. Wahrscheinlich sogar für eine längere Zeit. Denn: "Es wird eine erhebliche Vakanzzeit zur Besinnung nötig sein." In der polarisierten Gemeinde, aus der nun Vorschläge für den Ältestenrat kommen sollen, über die dann der Ältestenkreis der Pfarrgemeinde Ost entscheidet. "Die Vakanz damals hat viele zum Mitmachen bewegt", ist Petra Ploch zuversichtlich. Auch sie selbst will weiter mitarbeiten, aber nicht mehr als Älteste. Für sie ist der vorweihnachtliche Schlussstrich auch die Möglichkeit für einen Neuanfang. "Dieser Weg ist vielleicht nicht das Beste, aber mir fällt kein anderer ein."

Autor: Gerhard M. Kirk