Zukunft unklar für Heilpflanzengarten

Christian Engel

Von Christian Engel

Sa, 17. März 2018

Freiburg

Die Konditionen für den vom Verpächter vorgelegten neuen Pachtvertrag hält der Achillea-Verein für unzumutbar.

FREIBURG-ST. GEORGEN. Der Achillea-Heilpflanzengarten kämpft um seine Existenz. Dem Verein, der ihn vor 15 Jahren anzulegen begann, liegt ein neuer Pachtvertrag vor, der eine Kündigungsfrist von nur drei Monaten enthält. Der Verein will nicht unterschreiben, die Verpächter drohen mit dem sofortigen Rausschmiss. Lange Zeit gab es keine Gespräche zwischen den Parteien, nun gibt es erste Annäherungen.

Die Zaubernuss blüht bereits. Die sonnengelben Blüten bringen etwas Farbe in den Achillea-Heilpflanzengarten am Zechenweg nach dem St. Georgener Bahnhaltepunkt, in dem es derzeit noch sehr grau und braun aussieht. Der Frühling rückt näher, mit ihm wachsen die Pflanzen, fliegen Insekten herbei, kehrt das Leben zurück. Mit ihm kommen auch all die Menschen wieder, die den Garten Woche für Woche zur Entspannung und Erholung nutzen. Das könnte bald Vergangenheit sein.

Hans-Peter Posavac fährt mit seinen Fingern über die Zweige der Zaubernuss. Er weiß noch, wie er sie eingepflanzt hat. "Ich spürte das Potential sofort, das hier Tolles entstehen kann", erinnert sich Posavac: "Auch wenn es zu Beginn aussah wie Kraut und Rüben." Posavac, seine Frau Marga Baldas-Posavac und weitere Mitstreiter kamen 2003 auf die Idee, das knapp 3000 Quadratmeter große und verwilderte Gelände beim Albertus-Magnus-Haus in einen Garten zu verwandeln. Marga Baldas-Posavac hatte damals an der angrenzenden Heilpflanzenschule einen Kurs absolviert, wollte die erlernte Theorie in die Praxis umsetzen. Der damalige Geschäftsführer der Gesellschaft, dem das Areal gehört, hatte nichts dagegen.

Baldas-Posavac und Co. rückten mit Hacken und Schaufeln an, sie pflanzten Zaubernüsse und Rosensträucher, hoben einen Bachlauf aus, bauten Insektenhotels. Sie gründeten den Verein Achillea Heilpflanzengarten Freiburg, der immer mehr Zuwachs bekam und mittlerweile 70 Mitglieder zählt. Bald könnte er Geschichte sein – oder sich ein neues Zuhause suchen müssen.

Nachdem der damalige Geschäftsführer verstorben sei, sei der Kontakt zur Geschäftsführung der Gesellschaft abgerissen, so Posavac. Erst 2013 sei es zu einem Gespräch gekommen, "nett und unverbindlich". Der mündlich vereinbarte Pachtvertrag sei weiter gelaufen wie gehabt – jeweils auf fünf Jahre. Vergangenen November habe der Verein einen Brief erhalten mit einem schriftlichen Vertrag. "Mit Forderungen, die wir nicht unterschreiben können", sagt Posavac. Das Problem: "Wenn wir nicht unterschreiben, fliegen wir raus."

Bisher habe der Verein der Gesellschaft immer einen Pachtkorb mit Erzeugnissen aus dem Garten übergeben. Dass er nun monatlich Miete zahlen soll, zu dessen Höhe er keine Angaben machen will, stört den Verein nach eigenen Angaben nicht. Auch nicht, dass der Vertrag eine Kündigungsfrist enthält, "das ist gutes Recht", sagt Posavac. Ihn stört aber die kurze Frist: drei Monate. "Und dass wir alles platt machen müssten, wenn wir rausgingen." Er sagt, das ginge allein vom Naturschutz her nicht: "Wir haben ein hochwertiges Biotop geschaffen. Wenn wir das zerstören, zerstören wir das Leben vieler geschützter Insekten, Amphibien und Heilpflanzen."

Ein Gespräch mit den Verpächtern sei bisher nicht möglich gewesen. Jeder Kontaktversuch seit Eintrudeln des Briefes sei im Sande verlaufen. Auch der Badischen Zeitung wollte die Geschäftsführung der Zechenweg GmbH auf Nachfrage nichts dazu sagen. Die Frage, was sie mit dem Gelände anfingen, falls der Heilpflanzengarten aufgelöst werde, ließ die Gesellschaft unbeantwortet.

Der Bürgerverein St. Georgen hofft auf eine Einigung. "Für die Bürger ist der Garten eine wunderbare Einrichtung", sagt der stellvertretende Vorsitzende Peter Lenz, der nun auf die Stadtverwaltung zugeht und um Hilfe bei der Klärung bittet: "Wir unterstützen die Existenz des Heilpflanzengartens voll und ganz."

Seit einigen Tagen versucht eine Bekannte von Hans-Peter Posavac, die auch eine der Geschäftsführerinnen kennt, zwischen den Parteien zu vermitteln. "Wir hoffen", sagt Posavac, "dass wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen, damit der Garten weiter bestehen kann."