Reise

Freiburger Reisefirma bietet Busreise nach Feuerland an

Julia Jacob

Von Julia Jacob

Fr, 30. März 2012

Südwest

In 150 Tagen (fast) um die Welt: Der Reiseunternehmer Hans-Peter Christoph will von Freiburg nach Feuerland - mit dem Bus.

FREIBURG. Vorn, im Mittelgang des roten Reisebusses fühlt sich Hans-Peter Christoph zuhause. Die Ellenbogen links und rechts leger auf die Kopfstützen gelehnt, gibt er den Reiseleiter. Im Rücken des 54 Jahre alten Busunternehmers sieht man durchs Fenster das Freiburger Konzerthaus. Eine Stadtrundfahrt ist das an diesem Morgen allerdings nicht.

Avanti-Chef Christoph hat Größeres vor: Freiburg-Schanghai-Alaska-Feuerland. Er will es schon wieder wissen. Mit der Weltreise, die in einem Jahr, im April 2013, von Freiburg aus starten soll, erfüllt sich der Busunternehmer auch einen persönlichen Traum. Seine Vision: Zwei der legendärsten Routen, die Seidenstraße und die Panamericana, miteinander zu verbinden. Von einem Kontinent zum anderen geht es mit der Fähre. Neun Monate wird die Reisegesellschaft unterwegs sein und 26 Länder durchqueren. Bei der Ankunft am "Ende der Welt" in Patagonien, laut Prospekt am 149. Reisetag, wird der Tourenkilometerzähler bei 52 000 stehen – Busreiseweltrekord.

Das Unternehmen ist ein Wagnis. 22 einander fremde Menschen, Sitzreihe an Sitzreihe, 150 Tage im selben Gefährt. Heiße Tage, staubige Straßen und tiefe Schlaglöcher. Und der Weg ist das Ziel. Hans-Peter Christoph weiß um die Risiken der Reise. Als er 2008 mit dem Bus erstmals auf dem Landweg in siebzig Tagen bis nach China rollte – und damit zum Exoten seiner Branche wurde – galt seine größte Sorge vorher der Gruppendynamik an Bord. Der große Lagerkoller blieb zwar aus. Nicht immer jedoch war die Stimmung rosig. "Die Teilnahme an so einer Reise will wohl überlegt sein, das ist nicht jedermanns Sache", warnt der Veranstalter vor seinem eigenen Produkt. Aber Christoph ist Kaufmann genug, aus dem Wahnsinn auch Prestige zu ziehen. Das nützt dem kleinen Unternehmen dann bei seinen vielen Routinefahrten nach Mailand oder nach Grindelwald.

Die China-Tour, die 2010 wegen guter Nachfrage erneut in den Reiseprospekt gelangte, brachte den Chef auf die Idee, die Grenzen des Möglichen noch ein bisschen weiter zu verschieben: Warum nicht eine Weltreise wagen? Das Projekt ist eine Herausforderung für Material und Mannschaft. Mit auf die Fahrt geht deshalb nicht nur ein zweiter Fahrer, der in jeder der insgesamt fünf Teiletappen ausgewechselt wird, sondern auch ein Mechaniker, der sich im Notfall in der Bordelektronik auskennt. Auch einheimische Fremdenführer heuern im "fahrenden Wohnzimmer" an. Der erste Abschnitt der Reise führt über 30 000 Kilometer quer durch den Orient: Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kasachstan, Kirgisistan. Weil nicht absehbar ist, wie sich die politischen Verhältnisse im Iran entwickeln, hat Christoph vorsichtshalber eine nördlichere Alternativroute über das Schwarze Meer eingeplant. In der Gegend kennt er sich gut aus.

Eine seiner ersten Touren als Busfahrer führt Christoph in den 1980er Jahren in die Türkei. Damals ist sein ältester Passagier 45 Jahre alt, die andern sind Anfang 20 – junge Weltenbummler, die mit dem Rucksack unterwegs sind und im Zelt schlafen. Das entspricht dem Zeitgeist und ist dem Budget geschuldet. Avantis Handicap heute: Wer von den Jüngeren Zeit für eine solche Weltreise hätte, hat oft das Geld nicht – und wer das Geld hat, nicht die Zeit. Wer also heute bei Avanti auf große Fahrt geht, ist meistens schon im Pensionsalter, Christophs Gäste haben Zeit und Geld. Die Welterkundung auf Rädern kostet satte 64 000 Euro.

Gezeltet wird da freilich nicht. Stattdessen bietet der Reiseveranstalter ein durchgeplantes Programm. Die Hotels sind schon im Voraus gebucht, die Sehenswürdigkeiten bekannt. Einige Touren erkundet das Unternehmen in der Planungsphase selbst, auf der Panamericana sind Partnerunternehmen am Zug. Dass trotzdem nicht immer alles nach Plan läuft, ist Teil des Deals und Teil des Charmes – so viel Abenteuer muss sein.

Nach dem Abitur jobbt Hans-Peter Christoph zunächst als Fernfahrer. Seine Auftraggeber schicken ihn in den Süden, nach Spanien, Griechenland und nach Nahost. Die Cargotouren machen dem damals jungen Mann aus der Ortenau Lust auf mehr. Unterwegs sein. Auf Achse sein. Die Welt sehen. Kontakte knüpfen. Später studiert er Islamwissenschaften, dann lernt er Koch: Reiselust, Kultur und Kulinarik – in seinem 1990 gegründeten Reiseunternehmen hat er all das.

Sieben potentielle Mitfahrer gibt es schon für die Panamericana, drei weitere Interessenten wollen die Transkontinentalstrecke erkunden. Die komplette Weltreise hat noch keiner gebucht. Einer allerdings wird von Anfang bis Ende dabei sein: der Busfahrer.