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05. Juni 2012

Sasbach-Jechtingen

Was eine Sommelière für Edelbrände können muss

Die 43-jährige Hotelfachfrau Judith Jehle-Zemela aus Jechtingen hat eine Ausbildung zur Sommelière für Edelbrände erfolgreich abgeschlossen. Ein Interview.

  1. Judith Jehle-Zemela Foto: Christel Hülter-hassler

SASBACH-JECHTINGEN (cch). hre Qualifikation hat sie in der Landvolkshochschule St. Ulrich erworben. Verliehen wurde der Titel für die erstmals in Deutschland angebotene Ausbildung in Vorarlberg (Österreich).

BZ: Frau Jehle-Zemela, wie wird man Edelbrandsommelière?

Jehle-Zemela: Indem man eine entsprechende Ausbildung absolviert. Bisher wurde die Qualifikation zum Edelbrandsommelier nur in Österreich angeboten. Jetzt fand zum ersten Mal ein entsprechender Zertifikatslehrgang in der Landvolkshochschule St. Ulrich bei Bollschweil statt. Da mich die Vielfältigkeit der Edelbrände sehr interessiert, habe ich diese Chance beim Schopf gepackt.

BZ: Warum wurden Sie im österreichischen Vorarlberg mit der Zertifikat ausgezeichnet ?

Jehle-Zemela: Weil die Initiative für diese Qualifikation vom ländlichen Fortbildungsinstitut in Österreich ausgegangen ist. Dieses hat auch den Kurs veranstaltet und das Zertifikat ausgestellt. Obst- und Getreidebrände sind als typisch bäuerliche Produkte in Österreich Teil der Kultur. Hinter der Qualifikation zum Edelbrandsommelier steht das Anliegen, als Genussbotschafter zu wirken. In Österreich wird das in Zusammenarbeit mit Tourismusorganisationen, der Gastronomie oder Erzeugern praktiziert.

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BZ: Haben nur Frauen an diesem Kurs teilgenommen ?

Jehle-Zemela: Nein, wir waren 11 Männer und 7 Frauen aus ganz Deutschland. Ich war die einzige Teilnehmerin aus unserer Region.

BZ: Was muss ein Edelbrandsommelier wissen und können ?

Jehle-Zemela: Er muss zum Beispiel eine Degustation organisieren und überzeugend durchführen können. Die Sensorik ist ein wichtiger Teil der Ausbildung. Man muss auch mit Fachwissen über die Produktion von Destillaten präpariert sein oder Hintergründe der Trink- und Gläserkultur vermitteln können.

BZ: Wo liegen Ihre Stärken ?

Jehle-Zemela: Das Präsentieren liegt mir sehr. Es macht mir aber auch großen Spaß, Kunden Empfehlungen abzugeben, ihnen näher zu bringen, was ein gutes Produkt ausmacht.

BZ: Was macht ein gutes Produkt aus ?

Jehle-Zemela: Die Duftnote und der Geschmack. Ein Edelbrand muss zuerst in der Nase betören und dann weich im Gaumen und anhaltend im Abgang sein.

BZ: Wann gelingt das ?

Jehle-Zemela: Wenn die Früchte, aus denen Brände destilliert werden, vollreif, gesund und auf dem Höhepunkt ihres Geschmacks sind. Deshalb sind die eigenen Produkte so wichtig, die man auf dem Hochstand ihrer Reife ernten kann. Das Übrige ist die Kunst des Brenners.

BZ: Wohin geht der Trend bei den Edelbränden?

Jehle-Zemela: De Leute sind neugierig auf außergewöhnliche Duft- und Geschmacksnoten wie die von Schlehen, Vogelbeeren, Mispel oder Speierling. Gefragt sind auch holzgelagerte Destillate. Und Cuvees sind interessant.

BZ: Nehmen Sie Einfluss auf die Produkte und ihre Vermarktung ?

Jehle-Zemela: Ja, mein eigenes Edelbrandcuvee aus Pflaumen und Kirschen ist, glaube ich, schon ein erstes und überzeugendes Resultat. Die Kunden genießen es, wenn ich ihnen zum Beispiel empfehle, dieses oder jenes Destillat mit einem Stück Bergkäse oder Wachholderschinken oder auch Schokolade zu probieren. Das Thema ist unerschöpflich.

Judith Jehle-Zemela (43), gelernte Hotelfachfrau, ist im Bioland-Weingut Norbert Helde in Sasbach-Jechtingen seit drei Jahren für Verkauf und Verkostungen zuständig.



Autor: cch