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13. Juli 2012

"Ein lukullisches Opernfest"

BZ-INTERVIEW mit Harald Schneider, neuer Manager des Philharmonischen Orchesters Freiburg.

  1. Harald Schneider Foto: Maurice Korbel

Beim letzten Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Freiburg am 14. und 17. Juli wird die unbekannte Oper "L’Arlesiana" zu hören sein. Zuvor hat Georg Rudiger mit dem neuen Orchestermanager Harald Schneider gesprochen, der von Basel nach Freiburg wechselte.

BZ: Eigentlich war für das letzte Philharmonische Konzert der Spielzeit die französische Oper "Esclarmonde" von Jules Massenet geplant. Jetzt steht aber mit "L’Arlesiana" von Franceso Cilea ein ganz anderes Werk auf dem Programm.
Harald Schneider: Die Sängerin der enorm schwierigen Titelpartie hat abgesagt – und wir konnten keinen geeigneten Ersatz finden. Wir wollten schon eine erstklassige Besetzung haben, da ja auch eine CD-Aufnahme geplant war. Der Vorschlag, die unbekannte Oper "L’Arlesiana" zu spielen, kam von unserem Startenor Giuseppe Filianoti. Wir haben die Besetzung mit weiteren Gästen und den tollen Sängern aus dem Ensemble ergänzt, um ein lukullisches Opernfest zu feiern.
BZ: Jetzt gibt es also keine CD?

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Schneider: Doch, die gibt es. Nur bei einem anderen Label. Die Aufnahme selbst wird vom SWR gemacht. Konzertante Opernproduktionen aufzunehmen ist viel leichter als szenische. Die Mikrofone können genau auf die Sänger ausgerichtet werden. Die Aufnahmesituation bleibt den ganzen Abend gleich. Zum anderen ist es natürlich für ein Label attraktiv, eine so seltene Oper mit einer erstklassigen Besetzung als CD herauszubringen. Wir freuen uns, dass sich das Philharmonische Orchester Freiburg, das in der kommenden Spielzeit seinen 125. Geburtstag feiert, auch auf diese Weise präsentieren kann.
BZ: Vom Verismo-Komponisten Francesco Cilea hatte das Theater Freiburg in der letzten Spielzeit die Oper "Adriana Lecouvreur" im Programm, die 1902 vollendet wurde. "L’Arlesiana" wurde fünf Jahre früher komponiert. Um was geht es?
Schneider: Die Geschichte von Alphonse Daudet erzählt ein Liebesdrama, das sich in der Provence in der Nähe der Stadt Arles zugetragen hat. Ein junger Bauer, der am Ende Suizid begeht, befindet sich im Konflikt zwischen zwei Frauen – einem schönen Mädchen aus der Stadt Arles und einem anderen aus seinem Dorf, das in ihn verliebt ist. Die angebetete Schöne aus Arles tritt in der Oper nie auf. Wir werden bei unserer Produktion die Fassung machen, die einst Enrico Caruso gesungen hat. Da gibt es eine Tenorarie mehr als in der üblichen. Somit haben wir auch eine glatte Erstveröffentlichung.
BZ: Als Geschäftsführer der Basel Sinfonietta konnten Sie das meiste selbst entscheiden. Nun sind Sie in Freiburg Orchestermanager und müssen sich in einen großen Theaterbetrieb einordnen. Fällt Ihnen das nicht schwer?
Schneider: Bei der Basel Sinfonietta darf man das Mitspracherecht des Orchesters nicht unterschätzen. Ich musste dort vor allem viele Dinge anstoßen. In Freiburg treffe ich nun auf ein gut geführtes Haus, in dem die einzelnen Abteilungen ausgezeichnet zusammenarbeiten. Ich kann und soll mich auch hier kreativ einbringen und etwa für das Orchester mehr Gastspiele organisieren. Hier haben wir für die kommende Spielzeit ja auch schon einiges auf die Beine stellen können.
BZ: Vor ein paar Jahren sagte mir Generalmusikdirektor Fabrice Bollon, das Philharmonische Orchester Freiburg sei ein Orchester für die Stadt und habe kaum Zeit zu gastieren.
Schneider: Man muss das gut planen und die kleinen Lücken, die es im Spielplan gibt, ausnutzen. Wir müssen dabei Synergien nutzen und beispielsweise Programme anbieten, die wir ohnehin erarbeiten. Das zweite Sinfoniekonzert in der kommenden Saison spielen wir beispielsweise auch in Guebwiller im Elsass. Es ist auch für das Orchester wichtig und schön, einmal vor einem anderen Publikum zu spielen. Außerdem tun diese kleinen Konzertreisen, wenn man mal ein paar Tage miteinander verbringt, der Atmosphäre sehr gut. Das ist ein bisschen wie ein Betriebsausflug.
BZ: Sie sind seit Beginn des Jahres in Freiburg tätig, waren aber vorher schon in die Planung eingebunden. Was war Ihr persönlicher Saisonhöhepunkt?
Schneider: Dass das Theater Freiburg den "Ring", der ja einige Monate gelegen hatte, an Ostern in einer solchen Qualität vor einem immer internationaler werdenden Publikum aufführen konnte, war ein großartiges Erlebnis. Der zweite Höhepunkt wird nun unsere "L’Arlesiana" in erstklassiger Besetzung zum Saisonfinale sein. Darauf freue ich mich sehr.

– "L’Arlesiana", 14. und 17. Juli 2012, jeweils 20 Uhr, Konzerthaus Freiburg.

Autor: ruge