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07. August 2012

Roman

John Greens „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ rückt Krebs mit Humor zu Leibe

JOHN GREEN I: Der Roman "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" rückt Krebs mit Humor zu Leibe.

  1. Eine Stadt für Liebende: Amsterdam spielt eine wichtige Rolle in John Greens Roman. Foto: fulgido (fotolia.com)

Angesichts steigender Krebsraten ist wohl fast jeder schon mit der Krankheit, die so viel von einer Hydra hat, konfrontiert worden. Und mit der Sprachlosigkeit Betroffenen gegenüber. Wie begegnet man jemandem, der mit dem vielköpfigen Schlangenwesen im Körper kämpft? Welche Worte soll man, kann man, darf man wählen? John Green hat sie gefunden, diese passenden Worte.

Der neue Roman des amerikanischen Bestseller-Autors "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" besticht zuvörderst durch die Sprache, mit der Green den Krebs und seine Folgen bekämpft. Klar und deutlich. Nichts verschleiernd, aber doch einfühlsam und, wo nötig, diskret. Und vor allem mit einem Humor, der das Buch so umwerfend macht. Weder verletzend oder sarkastisch, noch platt oder albern. Genau auf dem schmalen Grat zwischen all diesen Nuancen, die angesichts des Sujets deplatziert wären, balanciert Green den Humor aus, mit dem er seine jugendlichen Protagonisten ausstattet. Und genau deshalb hinterlässt die Geschichte ein zwar trauriges, aber doch optimistisches Lächeln. Ein Lächeln, das bleibt, auch wenn das Schicksal uns die ein oder andere Romanfigur nimmt.

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Durch diese Sprache, die durch die herausragende Übersetzung von Sophie Zeitz wohl eher noch gewonnen haben dürfte, gelingt es Green, das schwer erträgliche Geschehen rund um eine Selbsthilfegruppe in Indianapolis weder in Kitsch noch Depression abgleiten zu lassen.

Die 16-jährige Hazel hat Krebs bereits mit Metastasen ("ursprünglich Schilddrüse"). Gus eine Beinprothese nach Knochenkrebs. Ihr Freund Isaac wird nach der Augenkrebs-Operation blind sein. Wie Isaac trotzdem weiter Ego-Shooter spielt, wie schwierig die Rolle von Eltern sein kann, wie unangebracht oft der "Krebskinder-Bonus" daherkommt und wie Hazel und Gus die erste große Liebe zulassen: Das ist eine wunderbare Geschichte, deren Details man nicht verraten darf. Nur so viel noch: Es ist auch ein Roman für Bücher-Freunde. Die Liebe zwischen Hazel und Gus entflammt erst so richtig durch das Interesse an der Lieblingslektüre des jeweils anderen. Und es vereint die beiden im Wunsch, den geheimnisumwitterten holländischen Autor ihres gemeinsamen "Buchs der Bücher" zu treffen. Dieser Trip nach Amsterdam wird abenteuerlich. Allein schon wegen der krankheitsbedingten Einschränkungen der beiden Liebenden. Und er verläuft zwar ganz anders als erträumt, wird aber dennoch zum Höhepunkt ihres jungen Lebens. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" gehört zu den Büchern, die einen Sog erzeugen: Man kann und will sich nicht entziehen, bevor es zu Ende ist.

Ach ja: Der Roman ist eigentlich ein Jugendbuch, und John Green gilt als Jugendautor. Vielleicht weil er so total vernetzt ist und auch auf allen erdenklichen Social-Media-Kanälen ein Millionenpublikum erreicht . Aber, liebe Verlage: Das ist Quatsch. Das Buch ist einer jener Glücksfälle, die alle Generationen ansprechen. Ein Kleinod.

– John Green: Das Schicksal ist ein mieser Verräter. Roman. Aus dem Amerikanischen von Sophie Zeitz. Carl Hanser Verlag, München 2012. 288 Seiten, 16,90 Euro. Hörbuch: 5 CDs, gelesen von Anna Maria Mühe, 19,99 Euro.

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Autor: Hans-Peter Müller