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29. Juli 2011
Goldfieber am Altrhein
Das Geheimnis des Goldwaschens: Geduld und Technik.
Der Tag beginnt mit einem Versprechen: "Heute geht niemand ohne Gold nach Hause." Der Mann, der das sagt, weiß, wovon er spricht. Fanz-Josef Andorf heißt er, ist Goldsucher aus Leidenschaft und wird uns heute in die alte Kunst des Goldwaschens einweisen.
Vorbei am Isteiner Klotz führt unser Weg zu einem idyllisch gelegenen Platz am Altrhein. Die Sonne scheint vom blauen Himmel, Lichtreflexe tanzen über das Wasser. Eine aufgeschreckte Ringelnatter unterbricht ihr Sonnenbad, schlängelt sich elegant flussabwärts.
Das Gold, das wir finden sollen, kommt aus dem schweizerischen Napfgebiet, etwa zwischen Bern und Luzern gelegen, über die Aare in den Rhein. Jahrtausendelang haben die Menschen hier schon Gold gesucht – und auch bei uns grassiert jetzt das Goldfieber.
Fleißige Hände graben und schaufeln nach einer Einweisung des Experten das Kiesmaterial in das große Sieb, das mit Wasser bedeckt auf der Goldwaschpfanne steht. Wir rütteln kräftig, damit feiner Sand und kleinere Kieselsteine nach unten in die Pfanne fallen. Dann waschen wir unter kreisenden Bewegungen leichte Schwebeteile und Schwemmsande aus. Für die Feinarbeit holen wir die Goldwaschpfanne wieder an die Oberfläche, halten sie schräg und schöpfen die oberste Schicht vom Pfannenrand ab, immer und immer wieder. Zurück bleibt feiner Rheinsand, durchzogen mit dem Indikator für Goldvorkommen, dem schwarzen Sand Magnetit – und mit einigen wenigen der begehrten Goldflitterchen.
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Vier, fünf winzig kleine Plättchen von jeweils etwa einem Millimeter Breite glitzern in der Pfanne und sorgen für Jubelstürme. "Jaaaaaa, hier ist Gold, ich habe Gold gefunden", ruft der fünfjährige Fin erfreut. Sofort kleben mehrere Augenpaare an der Schüssel, und bewundern fachmännisch das legendäre, echte Rheingold.
Wir sind noch ganz gefangen und vertieft in unsere Funde, als Andorf schon die nächste, effizientere Technik vorstellt: In eine Goldwaschrinne werden etwa zehn Pfannenladungen der Rheinkieselmischung gegeben. Das Auswaschen übernimmt größtenteils die Strömung. Besonders die jüngeren Goldsucher sind ganz begeistert von dieser Methode, die eine reichere Ernte verspricht. Die Ausbeute – wieder sind es Goldplättchen – nehmen wir mit einem Pinsel auf und befördern sie in ein spitz zulaufendes Reagenzglas aus Plastik mit Schraubverschluss. Unser Schatz sieht aus wie Faschingsglitter, die Teilchen sind winzig klein. Doch wir waschen nicht, um reich zu werden, viel wichtiger ist uns der ideelle Wert, dieses echte Rheingold selbst gefunden zu haben. Romantik, Geselligkeit und das Naturerlebnis gibt’s gratis dazu.
Den weitesten Weg dafür haben Lucy und Lili, die mit ihren Eltern in Hongkong leben, auf sich genommen. Die Schwestern hatten sich als besondere Urlaubsunternehmung von ihrer Stuttgarter Oma gewünscht, zusammen echtes Rheingold zu waschen. Oma allerdings ist es weniger nach Gold: "Guckt mal, diese schönen Steine", freut sie sich und deutet auf zwei bunt gefärbte Steine, "alleine dafür hat sich der Ausflug gelohnt."
Autor: Anita Fertl





