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31. Mai 2013

Skulpturenwege in der Region

Waldhaus Freiburg: Eine ganze Welt aus Holz

SKULPTURENWEGE IN DER REGION: Waldmenschen beim Waldhaus Freiburg.

  1. Dem Riesen an der Nase kitzeln: beim Freiburger Waldhaus Foto: Anita Fertl

  2. Ein Männlein steht im Walde Foto: Fertl Anita

Bäume machen satt, geben warm und spenden Unterschlupf. Sie liefern uns Früchte, Brennstoff und Baumaterial. Dank Thomas Rees, einem Künstler, der in Freiburg-Kappel lebt, scheinen sie nun sogar lebendig zu werden und Geschichten zu erzählen. Sie verwandeln sich in Schneewittchen, Drachen, Hexen oder den Sensenmann: Waldmenschen heißt der Skulpturenpfad, den wir heute besuchen. Der Rundkurs, der geschätzte ein, höchstens zwei Kilometer durch den Wald rund um das Freiburger Waldhaus führt, wurde 2009 eingeweiht.

Rundherum Holz, das tot ist, aber doch irgendwie lebt. Von überall scheinen uns Augen anzulächeln, anzuglotzen, anzustarren. Über diesen Geisterfratzen und freundlichen Gesichtern hängt eine Holzkugel als Symbol für die Erde. Getragen wird sie von den Baumfragmenten, hält sie zusammen, aber wird auch von ihnen gehalten – ein Sinnbild dafür, dass Erde und Umwelt voneinander abhängig sind. Doch solch philosophische Gedanken sind unseren Kindern fremd: "Schau mal, der lächelt." "Und der hier sieht ganz traurig aus." "Ui, hier guckt mich schon wieder einer an, ganz böse und fies, schnell weg." Schon kommen die drei Kinder angeflitzt aus der Baumwelt, wie diese Skulptur heißt, und die sie nicht nur sehen, sondern erleben, begehen und anfassen können.

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Sie ist eine von etwa 18 Skulpturen aus verschiedenen Themenwelten, die wir durchlaufen können, mit teils lustigen, manchen gruseligen, dann wieder märchen- oder sagenhaften, einigen skurrilen oder leicht frivolen Gestalten. "Wie der Name schon sagt, wollte ich den Wald und den Menschen in Bezug zueinander setzen. Dafür habe ich mir verschiedene Themen ausgesucht: die globalisierte Welt, Ängste und Not, aber auch Freude, Mythen und Märchen", erklärt Rees, der Vater der Holzwesen. Erst mit der Motorsäge, anschließend mit Hammer und Stemmeisen schält er die Gesichter, Fratzen und Körper aus den Bäumen heraus.

In den Bäumen und im Wald verschwunden sind auch schon wieder unsere Kinder. Ganz be- und entgeistert finden wir sie vor dem riesigen Drachen, der sein Nest mit dem eben ausgeschlüpften Jungen drohend und zähnefletschend bewacht. Klein wie Zwerge stehen unsere Kinder daneben, starren mit offenen Mündern, die Köpfe in den Nacken gelegt. Doch die Ehrfurcht hält nicht lange, schon werden Stöcke gesucht, um den Jäger nachzuahmen, der ein Stück weiter ein Einhorn jagt.

Der ganze Wald scheint zu leben, wir können kaum Schritt mit den sonst so gehfaulen Kindern halten. Sie verschanzen sich hinter schlafenden Riesen, unterhalten sich angeregt mit Langnasen und Zauberern, um dann wieder vorauszulaufen. Schneewittchen wird dank ihres mächtigen Vorbaus sofort als Frau erkannt, dann heißt es Zwerge durchzählen: "Sind sieben, passt!", und weiter geht’s.

An der nächsten Station wechselt die Szenerie, wird dunkel und düster. "Guckt mal, da reitet ein Skelett!" Eingehend begutachten die Kinder Rippen und Gebiss der Skulptur, die den vierten apokalyptischen Reiter und nach der Johannesoffenbarung den Boten des nahen Weltuntergangs, den Tod, darstellt. "Kommt mal her, wisst ihr, was das ist?", fragt die Mutter ein Stück weiter und deutet auf ein Holztier, das auf einem Stamm sitzt. "Eine Maus", rät die Dreijährige. "Nee, die ist größer, das ist eine Ratte", stellen der sechsjährige Bruder und sein siebenjähriger Freund fest. "Richtig geraten!" Gebannt hängen die Kinder an den Lippen der Mutter, die von den Ratten erzählt, die im 14. Jahrhundert die per Schiff aus Asien eingeschleppte Beulenpest rasend schnell verbreiteten. Die Kinder stehen wie erstarrt, sechs Augenpaare schauen die Erzählerin ebenso gebannt wie entsetzt an. "Aber heute kann das nicht mehr passieren", beruhigt die Mutter. "Wisst ihr warum?" Schweigen, dann ein Geistesblitz: "Wir können uns dagegen impfen lassen, oder?", fragt der Älteste, Erleichterung macht sich breit, schnell weg von hier.

Ein Stück weiter geht es wieder wesentlich lustiger zu: Tanzende Baummenschen bringen die Fröhlichkeit zurück, und selbst die Hexe schaut schelmisch, während sie einem geplagten Mann mit ihrer Armbrust einen Schuss verpasst – einen Hexenschuss eben. Hat sie uns eben etwa zugezwinkert?

Waldmenschen, Skulpturenpfad beim Waldhaus Freiburg, Wonnhaldenstraße 6, Waldparkplatz Wonnhalde. Der Pfad ist ganzjährig frei zugänglich, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Straßenbahnlinie 3 bis Wonnhalde, erreichbar. Danach kurzer, fünfminütiger Fußweg bis zum Waldhaus, an dessen Rückseite der Pfad beginnt und endet.

Autor: Anita Fertl