"Die Bewohner sehen uns seit Wochen herumwuseln"

Ulrike Le Bras

Von Ulrike Le Bras

Sa, 05. Januar 2019

Friesenheim

Die Mitarbeiter des Seniorenheims Emmaus sind mitten in den Vorbereitungen für den Umzug in den Neubau kommenden Mittwoch.

FRIESENHEIM-OBERWEIER (ulb). Der Countdown läuft: Mittwoch kommender Woche beginnt der Umzug des Seniorenheims Emmaus ins neue Haus. Der Laie mit Erfahrung aus ein paar kleinen privaten Umzügen staunt Bauklötze: Da steht in fünf Tagen eine logistische Meisterleistung auf dem Programm, man ist darauf eingestellt, ein Interview in hektischer Atmosphäre zu machen, womöglich als Störfaktor wahrgenommen zu werden.

Und dann kommt die Leiterin des Emmaus Claudia Collet um die Ecke, frisch und voller Energie, von Hektik keine Spur. Mit sympathisch offenem Lächeln bittet sie in ihr Büro, entschuldigt sich für die Unaufgeräumtheit, bietet einen Kaffee an. Die erste Frage, wer denn nun am meisten im Stress sei: Bewohner oder Mitarbeiter, beantwortet sie ohne Zögern: "Die Bewohner natürlich. Denn wir als Mitarbeiter sind voll in Aktion und haben allerlei zu tun, zu organisieren. Die Bewohner können dem Treiben nur zuschauen, sehen uns seit Wochen mehr als sonst herumwuseln. Die meisten von ihnen kennen zwar ihre neuen Zimmer schon, auch die Angehörigen haben die neuen Räumlichkeiten schon in Augenschein genommen, haben geholfen, Kisten und Koffer zu packen. Außerdem haben wir ehrenamtliche Paten, die Bewohner betreuen, die keine Angehörigen haben, oder wo die Angehörigen zu weit weg wohnen, beruflich zu sehr eingespannt sind, um persönlich zu kommen. Trotzdem: Für sie ist es ein Stress".

Wichtig ist Claudia Collet die christliche Orientierung der Einrichtung, die sich auch in dieser besonderen Situation widerspiegelt: Um den Bewohnern das Herausgehen aus der vertrauten Umgebung zu erleichtern, wurde Anfang der Woche auch Abschiedsgottesdienst gefeiert, der signalisieren soll: Gott geht mit vom alten ins neue Haus.

Auch die Frage, wie das genaue Procedere aussieht, beschreibt Collet detailliert: Das dritte Obergeschoss macht den Anfang, alles ist akribisch in einer überraschend kleinen, übersichtlichen Tabelle aufgelistet, getrennt nach Bewohnern und persönlichen Möbeln und Gegenständen. "Wir gehen einfach von oben nach unten vor, es sind immer nur etwa zwölf Bewohner unterwegs. Und wenn alles gut läuft sind wir in vier Stunden durch", zeigt sie sich optimistisch. Was die studierte Juristin auch sein kann: Hat sie doch in ihren früheren Tätigkeiten schon Häuser mit 90 und mehr Bewohnern umgezogen. "Wir haben hier ja nur 70 Leute, das geht, und wir haben Hilfe von Organisationen wie dem Roten Kreuz oder von den Ehrenamtlichen."

Wenn bis Ende Januar alles abgewickelt, das alte Mobiliar an Einrichtungen in Polen gespendet ist, dann wird das alte Gebäude abgerissen. Auf dem Platz entsteht ein Mehrgenerationenhaus, in dem junge Familien und Senioren gemeinsam leben. Die Vorfreude darauf steht Claudia Collet ins Gesicht geschrieben: "Das wird sicher super – und diese Lage hier in Oberweier ist einfach toll."